Menü
Göttinger Tageblatt / Eichsfelder Tageblatt | Ihre Zeitung aus Göttingen
Anmelden
Fit-in-Göttingen Ausgezeichnet in „kleinen“ Sportarten
Anzeigen & Märkte Themenwelten Advertorials Fit-in-Göttingen

Ausgezeichnet...in „kleinen“ Sportarten

Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
14:27 18.08.2021
Bogenschützinnen Flora Kliem
Flora Kliem gehört zu den überragenden Bogenschützinnen in den Reihen des ASC 46 Göttingen. Quelle: Martin Bargiel

Da sie ja nur von relativ wenigen Menschen professionell ausgeführt werden, gelangt ein Sportler viel schneller zu Ehren als in den Sportarten, die von sehr vielen Menschen betrieben werden. Doch ohne großen Trainingsaufwand geht es auch hier nicht.

Schwierig für diese Sportarten ist zuerst einmal die Organisation. Die Vereins-Mitgliederverwaltung, die Zusammenarbeit mit Sportbünden, die Hallenzeiten und das Trainingsgelände abzuarbeiten, das macht es für diese „kleinen“ Sportarten nicht einfach. Vielfach schlüpfen sie, wenn möglich, unter das Dach eines Großvereins oder die Sportler üben, besonders in Universitätsstädten, ihre Sportart im Rahmen des Hochschulsports aus.

Denn experimentiert wird an der Universität nicht nur in den Laboren, sondern durchaus auch beim Sport. Immer wieder entstehen rund um das Sportinstitut der Georg-August-Universität am Sprangerweg Möglichkeiten, exotische Sportarten auszuprobieren. Einige verschwinden dann auch wieder, doch viele haben Bestand.

„Wir haben zahlreiche Randsportarten, die auf einem vergleichsweise hohen Niveau stattfinden“, sagt Arne Göring, kommissarischer Leiter der Zentralen Einrichtung Hochschulsport. Er nennt den Orientierungslauf (mehrfach Deutscher Hochschulmeister, Einzel und Mannschaft), Unterwasserrugby (seit Jahren in der deutschen Bundesliga zusammen mit dem TWG), Kanupolo (mehrfach Deutscher Hochschulmeister), 3x3 Streetball (Teilnahme an World University Games), Ultimate Frisbee und Klettern als Beispiele.

„Allerdings sind wir auch bei diesen Sportarten auf Einzelstudierende angewiesen, die sich dann im Hochschulsport engagieren“, unterstreicht Göring. „Wir unterstützen die Studierenden bei ihrem Training durch eigene Trainingszeiten“ – der Spitzensport lebe in diesem Segment vor allem von Kooperationen mit den örtlichen Vereinen, vor allem des TWG (Turn- und Wassersportverein Göttingen), dem ASC 46 Göttingen, aber auch der BG 74 und im Klettern insbesondere mit dem DAV (Deutscher Alpen Verein).

Studierende organisieren Wettkampfsport selbst

Organisiert wird im Hochschulwettkampfsport alles durch die Studierenden selbst. „Das AStA-Sportreferat der Uni Göttingen organisiert als Organ der Studierendenschaft den Wettkampfsport an und für die Uni Göttingen“, sagt Sportreferent Dirk Dödtmann. „Wir beschicken in erster Linie die zahlreichen, verschiedenen Wettkampfveranstaltungen auf nationaler und internationaler Ebene mit Studierenden der Uni Göttingen und richten selber auch Deutsche Hochschulmeisterschaften in Göttingen aus.“

Als Beispiel nennt Dödtmann  die Deutsche Hochschulmeisterschaft im Orientierungslauf im Bovender Wald und auf dem Nordcampus der Uni Göttingen 2019 sowie die adh-Open im 3x3 Streetbasketball auf dem Göttinger Bahnhofsvorplatz. „Zudem sind wir das studentische Sprachrohr des Hochschul- und Wettkampfsports und unterstützen mit unseren Mitteln auch die Weiterentwicklung des Hochschulsports der Universität als ein wichtiger Ausgleichsfaktor im studentischen Unialltag.“

Allerdings sei dem Sportreferat neben diesen besonderen sportlichen Leistungen im Kontext des universitären Wettkampfsports vor allem der Blick in die Breite des Hochschulsports und Wettkampfsports wichtig, da im besonderen Maße der Austausch von Studierenden untereinander gefördert werden solle, so Dödtmann. „Denn vor allem aus dem studentischen Miteinander bleiben oft lebenslange Erinnerungen an universitäre Wettkampfveranstaltungen in den Köpfen hängen.“ – Besondere universitäre Erfolge: Auf internationaler Ebene sind die Erfolge von Neele Eckhardt-Noack (erfolgreiche Universiade-Teilnahme 2017 in Taipeh, Taiwan) und der 3x3 Basketball-Herrenmannschaft (erfolgreiche Teilnahme an den Europäischen Hochschulmeisterschaften – European University Games – 2018 in Coimbra, Portugal sowie die Teilnahme an den Hochschulweltmeisterschaften – 3x3 FISU World University League – 2018 in Xiamen, China) besonders hervorzuheben. 2020 fand coronabedingt kein universitärer Wettkampfsport statt.

Bogenschießen: Diskriminierungsfrei mit Freiraum

Auch der Bogensport in Göttingen kann regelmäßig große Erfolge vermelden, Aber der Ansatz der Bogensportler ist ein komplett anderer als in den meisten Sportarten. „Was uns auszeichnet, ist, dass unser Sportart diskriminierungsfrei ist und jedem Akteur seinen Freiraum gibt, sein Bogenschießen auszuführen“, sagt Hartmut Stöpler, Fachbereichsleiter der ASC-Bogenschützen, der „ausgezeichnet“ somit ganz anders interpretiert. „Wir Bogensportler machen etwas, was sich von der Masse abhebt, nehmen gerne Menschen in unsere Gemeinschaft auf, die sich im Mainstream eher nicht so wohlfühlen. Das zeichnet unsere Sportart und auch unsere Sportler aus.“

Wichtig sei weniger eine physische, also körperliche, Leistungsfähigkeit, vielmehr müsse der Sportler beim Bogenschießen in sich ruhen. Stöpler betont hierfür auch die Notwendigkeit einer Gemeinschaft von Breiten- und Leistungssportlern. Erst diese würde überhaupt die Erfolge der Bogensportler möglich machten.

Und auch die Wettkämpfe unterschieden sich deutlich von vielen anderen Sportarten. „Eine Bogensportmeisterschaft ist viel eher ein Happening als eine Sportveranstaltung im herkömmlichen Sinne. Natürlich muss unbedingt zuvor auf Leistungssportniveau trainiert werden, aber sowie Verbissenheit und zu viel Ehrgeiz ins Spiel kommen, kann ein Bogenschütze seine Leistung nicht mehr bringen.“

Stoepler betont immer wieder eine stabile Psyche, die für das Ausüben der Sportart höchsten Stellenwert habe. Mit diesem Ansatz komme dann auch der Erfolg. Es gibt keine Deutsche Meisterschaft, an der nicht ein Göttinger Bogenschütze teilnimmt, sagt Stoepler, der selbst aktiv ist. Und die Mitbewerber sprechen immer schon von eine „blauen Welle“, die bei den Wettkämpfen erscheint. „Denn die ASC-Bogenschützen tragen blau“, sagt Stoepler.

Bogenschießen kann man bis ins Alter hinein

„Bogenschießen ist ein Sport, den man schon im Kindesalter beginnen, aber auch bis ins Alter hinein betreiben kann“, sagt die Abteilungsleiterin Bogensport des SCW Göttingen, Ulrike von der Decken. „Auch Menschen mit Behinderungen unterschiedlichster Art können ihn ausüben und auf gleichem Niveau wie Nichtbehinderte schießen.“

Sie selbst habe erst mit über 50 Jahren begonnen und sei sofort „infiziert“ gewesen, berichtet von der Decken. „Mich fasziniert besonders die Mischung aus der Fokussierung auf einen Punkt, der Ausführung immer desselben Bewegungsablaufs – schon eine winzige Veränderung der Körperspannung oder Kopfhaltung lässt den Pfeil ganz woanders als gewünscht landen – und der mentalen Entspannung. Der Kopf wird frei.“ Ganz nebenbei werde die Rumpfmuskulatur gekräftigt, was so mancher schmerzender Rücken dankbar annehme.

Obwohl Bogenschießen zwar ein Einzelsport sei, werde er aber trotzdem gemeinsam ausgeübt, da man zusammen an der Schießlinie stehe. „Bis auf ganz wenige Ausnahmen habe ich immer erlebt, egal ob bei einem kleinem Turnier oder einer Deutschen Meisterschaft, dass die Konkurrenz sportlich fair ist. Hat jemand im Wettkampf ein Problem mit dem Material, wird sofort Hilfe angeboten. Jeder wird ernst genommen und unterstützt, auch wenn das Ergebnis bei der ersten Turnierteilnahme vor Aufregung noch nicht so meisterlich ist.“

Von Frank Beckenbach

Fit-in-Göttingen Ärztlich verordneter Sport erfordert gut ausgebildete Trainer - Gesundheitssport – Vereine bieten gute Qualität
18.08.2021
Fit-in-Göttingen Die GoeSF bietet ein umfangreiches Sportangebot in den Sommerferien 2021 - Sport, Spaß und Bewegung in den Sommerferien
18.08.2021
Fit-in-Göttingen Diese Vereine schwören auf die Gemeinschaft - Fit in Göttingen – und zwar im Team
18.08.2021