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Mentale und physische Grenzen erweitern

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14:01 18.08.2021
Parkour-Training
Parkour-Training funktioniert mit Sportgeräten, aber auch in der Stadt finden sich viele Hindernisse. Quelle: ASC Göttingen

Für Skater im Ausdauerbereich gibt es allerdings weniger Möglichkeiten als für die Trickskater, aber die Parkoursportler finden fast überall einen Ort, um ihrem Hobby nachzugehen.

„Parkour ist eine recht junge Sportart, die sich aus der „Méthode Naturelle“, der Grundidee von militärischen Trainingsparcours, entwickelt hat“, sagt Lennard Jacob, Fachbereichsleiter Parkour im ASC Göttingen. Dieses Training sei von einer Gruppe junger Franzosen auf ihren städtischen Lebensraum übertragen worden und wurde Parkour genannt, um sich zu unterscheiden. So sei dann über Mauern gesprungen und geklettert, von einem Garagendach zu einem anderen gesprungen worden.

Kreatives und spielerisches Bewegen

„Das Ziel war es immer, die eigenen mentalen und physischen Grenzen zu erweitern und damit den effizientesten Weg von A nach B zu finden und dann auch zu nehmen“, sagt Jacob. „Später kam dann noch ein kreatives und spielerisches Bewegen dazu, was von einigen, hauptsächlich im englischsprachigen Raum, Freerunning genannt wurde.“

Parkour werde von seinen Gründern auch als eine Art Kampfsport gesehen, da man bei einer aggressiven Begegnung drei Möglichkeiten habe: Kämpfen, Reden, oder Flüchten – und keine andere Kampfsportart beschäftige sich mit Flucht. „Aus dem Ursprung von Parkour und auch der Méthode Naturelle kommen noch viele Teile unserer heutigen Trainingsphilosophie“ sagt Jacob. Dazu gehöre ein möglichst lebenslanges Training, Möglichkeiten statt Hindernisse zu sehen, Konkurrenzfreiheit und der Respekt vor sich selbst, den Mitmenschen (seinen Trainingspartnern) und der Umwelt. „Dieses Mindset (Gundgedanke – Anmerkung der Redaktion) spielt für viele, die länger dabei sind eine große Rolle, auch wenn es oft eher unbewusst Anwendung findet“, sagt Jacob. „Traditionell heißt übrigens ein Sportler, der Parkour betreibt, „Traceur“ (französisch: le traceur „der, der eine Linie zieht“). Allerdings haben sich die meisten damit abgefunden, dass wir für alle anderen „die Parkourler“ sind.“

Parkour sei ein Sport, der von jedem betrieben werden könne, sagt Jacob. „Es gibt eigentlich keine körperlichen Voraussetzungen. Man erlernt alle Grundlagen im normalen Training. Alles, was man mitbringen muss, ist Motivation, denn das Hauptziel bei unserem Training ist es ja, die eigenen Grenzen zu erweitern.“ Jacob empfiehlt als Einstiegsalter den Eintritt in eine weiterführende Schule, dann sei man erfahrungsgemäß auch fokussiert genug. „Ich wurde durch einen Mitschüler aufmerksam auf Parkour gemacht. Dieser zeigte mir Videos von bekannten Athleten. Ich hatte damals immer in den Pausen angefangen, über Mauern zu springen. Die Lehrer waren eher besorgt, weil sie das noch nie gesehen hatten.“

Intensives Aufwärmen verringert Verletzungsrisiko

Ein intensives Aufwärmtraining verringere das Verletzungsrisiko, sagt der ASC-Fachbereichsleiter. „Aber auch wenn es dann beim Training darum geht, die eigenen Grenzen zu überwinden, sollte man diese dennoch kennen, damit man sich nicht überschätzt.“ Außerdem sollte der Traceur draußen darauf achten, die Umgebung in der er trainiert, nicht zu rutschig, uneben oder wackelig ist und dort auch keine Scherben liegen.

Worin unterscheiden sich outdoor und indoor-Aktivitäten? „Parkour ist ursprünglich ein Outdoorsport, aber eine Halle bietet ein sicheres Umfeld, um die eigenen Grenzen kennenzulernen“, sagt Jacob. Außerdem könne man dort die „Mauern“ verschieben und sich an Techniken herantasten. Grundsätzlich unterscheide sich das Training aber nicht.

„Traceure sind keine Adrenalinjunkies, auch wenn das oft so wirkt“, betont Jacob. Es gibt nicht den Kick, aber jedes Mal, wenn man eine große Grenze überwindet, etwas Neues schafft, vor allem im gemeinsamen Training, sind das die besten Momente des Sports.“

Bewertungen gibt es beim Parkour nicht

Parkour ist kein Wettkampfsport, „weil es so individuell ist, wäre es sehr schwer, etwas wirklich zu bewerten“, sagt Jacob. „Das Bewerten widerspricht auch einigen Teilen des ursprünglichen Mindset, das mit Parkour einhergeht. Aber es gibt durchaus geteilte Ideale, beispielsweise lebenslanges Training, einen guten Bewegungsfluss und sanfte Landungen.“

In Göttingen trainierten etwa ein Dutzend Traceure auf sehr hohem Niveau, doch niemand wolle es zum Beruf machen, sagt Jacob. Es gebe natürlich Hotspots. Favorit sei der Schulhof der Albanischule, Platz zwei teilten sich die Anlagen des Hochschulsports am Sprangerweg und der Schulhof des Otto-Hahn-Gymnasiums.

Von Frank Beckenbach

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