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Campus Göttinger Projekt für Demenzkranke erhält Fördergelder
Campus Göttinger Projekt für Demenzkranke erhält Fördergelder
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16:30 23.09.2019
Das UMG-Projekt zur Demenzversorgung an Krankenhäusern erhält Fördergelder. Quelle: r
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Göttingen

Das Niedersächsische Sozialministerium fördert das Göttinger Modellprojekt zur Demenzversorgung an Krankenhäusern mit knapp 207 000 Euro. Der Konsiliardienst der Gerontopsychotherapie an der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Universitätsmedizin Göttingen (UMG) erhält die Förderung für 14 Monate.

Die Klinik hatte sich mit ihrem Konzept für einen Demenz-Konsiliardienst im Wettbewerb des Niedersächsischen Ministeriums für Soziales, Gesundehit und Gleichstellung erfolgreich durchgesetzt. Das Modellprojekt zur besseren Versorgung Demenzerkrankter während eines stationären Krankenhausaufenthalts mit dem Titel „Demenz-Konsiliardienst für Krankenhäuser der Regelversorgung – ein kombiniertes aufsuchendes und telemedizinisches Konzept“ wird mit 206 908,58 Euro gefördert. Der Konsiliardienst zur Beurteilung und Mitbetreuung von Patienten, die in anderen Abteilungen oder Krankenhäusern behandelt werden, kann von den betreuuenden Ärzten direkt angefordert werden. Die Kollegen werden im Fall des von der UMG geplanten Konsiliardienstes hinsichtlich der Behandlung von Demenzpatienten und allen im Rahmen der Erkrankung auftretenden Probleme konkret beraten.

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Beratungsdienst mit Sprechstunde

Der Beratungsdienst ist für Patienten gedacht, die in Krankenhäusern ohne eigene Neurologie oder Psychiatrie im Einzugsbereich der UMG stationär behandelt werden. Die Unterstützung kommt Krankenhäusern in den Landkreisen Göttingen, Northeim und Goslar zugute. Das Konzept soll überdies mit einer Kombination aus persönlichem Besuch und telemedizinisch via Video-Sprechstunde umgesetzt werden.

„Angst, Unruhe, Aggressivität, Schlafstörungen und insbesondere Verwirrtheitszustände sind typische Begleiterscheinungen von Demenz. Im Konsiliardienst empfehlen wir dazu individuelle, auf die jeweilige Person bezogene diagnostische und therapeutische Maßnahmen zur Behandlung“, sagt Dr. Katrin Radenbach, Oberärztin im gerontopsychiatrischen Bereich an der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie der UMG. Unterstützung soll der Konsiliardienst auch bezüglich weiterführender diagnostischer Maßnahmen zur Diagnostik eines dementiellen Syndroms und dessen Komplikationen geben. Dazu gehört auch die Empfehlung von therapeutischen und soziotherapeutischen Hilfestellungen. Eine in der Gerontopsychiatrie erfahrene Kraft soll außerdem die Pflegekräfte vor Ort in den Krankenhäusern beraten zum Umgang mit Patient mit dementiellen Syndromen: Welche Kommunikationsmöglichkeiten gibt es? Und wie lässt sich eine Krankenhausumgebung so gestalten, dass sie den besonderen Bedürfnissen dieser Patient entgegenkommt?

Schulungen und Forschung

„Eines unserer Ziele ist es, oft auftretende Komplikationen bei der stationären Behandlung von Demenzkranken im Zusammenhang mit Arzneimitteltherapie zu verringern und Nebenwirkungen von Arzneimitteln zu vermeiden“, sagt Dr. Dr. Björn Schott, Oberarzt an der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie der UMG. Durch die Förderung von Kompetenzen bei der Behandlung von Demenzpatienten trage das Projekt zudem dazu bei, dass eine stationäre Versorgung nah am Wohnort ermöglicht werde.

Um eine langfristige Wirkung über den Förderzeitraum hinaus zu ermöglichen, soll das Personal der teilnehmenden Krankenhäuser in den Grundlagen der Versorgung von Demenzkranken weitergebildet werden. Begleitet wird der praktische Teil von einem Forschungsansatz, der Erkentnisse zum Bedarf an konsiliarisch-gerontopsychiatrischer Versorgung an Krankenhäusern liefern soll. Das Projekt soll Anfang 2020 starten.

Modellprojekt der Gerontopsychiatrie

Die Gerontopsychiatrie beschäftigt sich mit älteren Menschen und ihren physischen Erkrankungen. Typischerweise treten Krankheiten wie Demenz erst ab dem 60. Lebensjahr auf. Das lateinische Wort Demenz bedeutet „abnehmender Verstand“ und beschreibt einen Zustand fortschreitenden Hirnabbaus. Die Hirnkrankheit beeinflusst das Wissen und Denken, aber auch die Urteils- und Anpassungsfähigkeit an neue Situationen. Mit den Fördergeldern wird nun an der Universitätsmedizin ein Modellprojekt gestartet, das den Patienten beratend und forschend weiterhelfen soll. Der Konsiliardienst kann von Ärzten des behandelnden oder anderer Krankenhäuser angefordert werden. Dabei geht es nicht nur um die Demenz selbst, sondern auch alle anderen Probleme, die im Rahmen der Erkrankung auftreten. Im Blick der Forschung steht auch die sogenannte Polypharmazie, die gleichzeitige Gabe mehrerer Arzneimittel und ihre wechselseitige Beeinflussung in der Versorgung oft auch körperlich schwer kranker Demenzpatienten.

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Von Tobias Christ