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Campus Beheizung setzt Kunstschätzen zu
Campus Beheizung setzt Kunstschätzen zu
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19:22 23.01.2019
Fragestunde nach dem Fachvortrag. Birte Graue zeigt sich interessiert. Quelle: HAWK
Hildesheim

Spirituell mögen Kirchen Wohlfühloasen sein, klimatechnisch sind sie es eher nicht. Trotz Heizung wird es in den Steingemäuern der Gotteshäuser oft nicht wirklich warm. Auch das ist aber schon zuviel des Guten für Kunstschätze und Orgeln. Die Behaglichkeit von Gottesdienstbesuchern in warmen Kirchen sorgt nicht nur für hohe Heizkosten, sondern hat auch vielfach massiv die meist hölzerne Ausstattung und Kunstschätze geschädigt und zerstört.

Studentinnen untersuchen Schimmelbefall

Das wurde bei der interdisziplinären FachtagungKlimazone Kirche“ bei der Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst (HAWK) in Hildesheim thematisiert. Dort stellten die Masterstudentinnen Jennifer Oster und Marlies Dreessen ihre Bachelorarbeit über den Schimmelbefall von Pastorengemälden auf der Empore der Braunschweiger St.-Katharinenkirche und in dem Gotteshaus vor. An der ausgebuchten Tagung des Hornemann-Instituts und der HAWK-Fakultät Bauen und Erhalten nahmen 210 Mitarbeiter von Kirchenbauämtern und Denkmalpflege, Architekten, Bauingenieure, Restauratoren, Kunsthistoriker und Studierende teil.

Wärmebildkamera und Nebelmaschine

Die Masterstudentinnen der Konservierungs- und Restaurierungsstudiengänge haben Klimadaten gesammelt und die Auswirkungen der Heizanlage und der Maßwerkfenster untersucht. Dabei kamen auch Wärmebildkamera und Nebelmaschine zum Einsatz. Damit wiesen die Studentinnen nach, dass die warme Heizungsluft stets zu den Gemälden an der kalten Außenwand aufstieg. Eine neue Heizungsanlage und eine digital gesteuerte Lüftungsanlage wirken dem jetzt entgegen.

Wissens-Drehscheibe für Kulturerbe

Die FachtagungKlimazone Kirche“ war verbunden mit dem 20-jährigen Bestehen des Hornemann-Instituts der HAWK samt Festvortrag in der Hildesheimer St. Michaelis-Kirche. Das Institut hat sich der Förderung des Wissenstransfers zur Erhaltung von Kulturerbe sowie der Fortbildung von Restauratoren und Denkmalpflegern verschrieben. Die Vorträge der interdisziplinären Tagung sollen in einem Tagungsband und auf Video dokumentiert werden. Sie drehen sich um das Schadensrisiko für die Ausstattung in ungeheizten Räumen sowie Infrarot-Heizsysteme und Beispiele aus der Praxis. „Obwohl es so ein elementares Thema ist, gibt es noch kein Buch, das das aktuelle Wissen kompetent zusammenfasst“, sagt Dr. Angela Weyer, Gründungsdirektorin des Hornemann-Instituts. In der HAWK arbeiten die Fächer Bauphysik und Restaurierung/Konservierung in einer Fakultät eng zusammen. Die HAWK-Holz-Restaurierungsstudiengänge „Gefasste Skulptur und Gemälde“ und „Möbel und Holzobjekte“, ergänzt durch Mikrobiologie, seien in ihrem Zusammenspiel außergewöhnlich in Deutschland, heißt es in einer Mitteilung der Hochschule.

„Eigentlich war es unsere Behaglichkeit, die zu den Schäden geführt hat“, sagt HAWK-Professor Hans-Peter Leimer: „Die Exponate, Ausstattungen und Fassungen reagieren negativ auf eine geringe relative Luftfeuchte.“ Einen Verzicht auf die kaum mehr wegdenkbaren Kirchenheizungen hält Leimer dennoch nicht für notwendig, eine Patentlösung für alle sakralen Bauten gebe es nicht: „Wir wissen heute sehr viel über Materialien und Zusammenhänge, eine gute Klimalage in der Kirche hängt aber auch an der Finanzlage der einzelnen Gemeinde.“

Experten informieren sich

„Ich berate Kirchengemeinden im Bereich Göttingen und Hildesheim, möchte mich über den neuesten Forschungsstand informieren und sehen, wo Verbesserungen möglich sind“, sagt Tagungsteilnehmerin Katharina Körner, Leiterin des Göttinger Amtes für Bau- und Kunstpflege der Landeskirche Hannover. Das gilt auch für Diözesanbaumeister Jochen Jarzombek, der sich im Vorfeld der Sanierung des Domes St. Stephan in Passau informieren wollte: „Wir haben mit den symptomatischen Mängeln zu tun wie Feuchte im Mauerwerk und Schimmel an der Ausstattung – neben der Nutzung durch Besuchende und Konzerte.“

Kirchenklima im Wandel

Früher folgte das Innenklima einer Kirche langsam dem Außenklima, eine künstliche Beheizung gab es nicht. Das bewahrte das Interieur vor Schäden. Seit den 1960er-Jahren stand die Beheizung im Vordergrund. Infolge der Ölkrise wurde dann weniger und nur noch temporär geheizt. Schnelle und kurze Aufheizzeiten verstärkten wiederum die Schäden. Durch eine warme Kirche sollten wieder mehr Besucher angezogen werden. Die Attraktivität von Gottesdiensten hängt aber nicht nur vom Raumklima ab. Sonst wären die warmen Kirchen voller.

Von Kuno Mahnkopf

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