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Göttingen 100 Jahre Universitätsbund Göttingen
Campus Göttingen 100 Jahre Universitätsbund Göttingen
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13:00 08.06.2018
Roter Springaffe in einer  Feldstation, die regelmäßig von Göttinger Studierenden besucht wird.
Roter Springaffe in einer Feldstation, die regelmäßig von Göttinger Studierenden besucht wird. Quelle: r
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Göttingen

Das Wirken des Universitätsbundes Göttingen e.V. ist an vielen Orten sichtbar – und wird als so selbstverständlich wahrgenommen, dass die besondere Leistung des gemeinnützigen Fördervereins kaum als solche erkennbar ist. Anlässlich seines 100-jährigen Jubiläums soll sich das ändern.

Ja, der Universitätsbund steht mit auf dem Ringvorlesungsplakat, ganz unten, ganz klein, neben den anderen Förderern. So ist es mit vielen Aktivitäten, die der Universitätsbund entfaltet und unterstützt: gezielte Hilfe, wo sie benötigt wird, doch wer der Universitätsbund ist, was er in der Breite macht, dass viele Selbstverständlichkeiten des universitären Alltags auf seine Initiative zurückgehen – das ist den meisten Ringvorlesungs- oder Aulabesuchern unbekannt.

„Zum Wohl der Universität“

„Der Universitätsbund arbeitet zum Wohl der Universität, ist aber nicht Teil der Universität“, macht Prof. Arnulf Quadt, Teilchenphysiker und Vorstandsvorsitzender des Universitätsbundes Göttingen, deutlich. „Er ist der Förderverein der Universität, versteht sich selbst aber auch als Bürgerverein, als Bindeglied zwischen Universität und der Stadt.“ Das macht sich etwa in den Gremien bemerkbar, in denen eben nicht nur Professoren sitzen, sondern auch Akteure aus der städtischen Gesellschaft. Zwischen 750 und 800 Mitglieder hat der Verein heute.

Geboren wurden der Göttinger und andere Universitätsbünde aus der finanziellen Not heraus, die in der Endphase des Ersten Weltkriegs sich immer deutlicher abzeichnete. Vorausgegangen war schon in der Kaiserzeit ein Umdenken, zur Hochschulfinanzierung auch private Mittel von Förderern und der Industrie zuzulassen, um den sich stark wachsenden Wissenschaftsbereich besser finanzieren zu können.

Das Ende des Ersten Weltkriegs brachte Inflation und für die Hochschulen internationale Isolation und staatliche Einsparungen des Staates mit sich. In der Folge lebte die Diskussion darüber auf, wie die Hochschulen künftig finanziert werden könnten. 1917 wurde daher in Bonn der erste Förderverein gegründet; Göttingen folgte 1918.

Der Universitätsbund finanziert seine Arbeit dabei aus Nachlässen, die ihm vermacht werden, sowie von Mitgliedsbeiträgen und Spenden. Im Laufe des vergangenen Jahrhunderts ist so ein Vermögen zusammengekommen, aus dessen Zinserträgen und laufenden Einnahmen jährlich etwa 100000 Euro ausgeschüttet werden – für Einzelprojekte und Förderprogramme, wie etwa die Unterstützung von Studenten mit Kind oder mit Behinderung, die von Einzelpersonen oder Gruppen beantragt werden können.

Projekte im ständigen Wandel

„Wir schlagen aber natürlich auch aus unseren Kreisen Projekte vor und diskutieren neue Bedarfe“, so Quadt. Die Förderprojekte sind damit einem ständigen Wandel unterworfen, immer auf der Suche nach der sinnvollsten Unterstützung. „Wäre es nicht besser, die Ringvorlesung zu filmen und auf Youtube zur Verfügung zu stellen?“, gibt Quadt ein Beispiel. So hat der Universitätsbund mitgeholfen, wichtige Ideen aus der Taufe zu heben: „Wir haben die Kinder-Uni von Anfang unterstützt, die ist heute nicht mehr wegzudenken. Auch das freie WLAN in Göttingen ging damals auf den Universitätsbund zurück.“ Ebenso hat der Universitätsbund die Gründung des Alumni-Vereins initiiert.

Vieles, was der Bund macht – Konzerte, Ringvorlesungen, Ausstellungen, die Ermöglichung von Exkursionen, persönliche Unterstützung, Sachanschaffungen wie ein neuer Flügel für die Aula oder Sanierungen – wird als ganz selbstverständlich wahrgenommen, ohne dass sich die Nutzer bewusst sind, dass es alles andere als selbstverständlich ist. Man hilft da unbürokratisch, wo die Uni selbst nicht fördern kann, aber Bedarfe bestehen.

Hilfe bei Sanierung

Oder er initiiert wichtige Vorhaben: „Als es noch Studiengebühren gab, wurde der Vorschlag gemacht, im ZHG zwei oder drei Hörsäle zu renovieren – Fußboden, Wände, neue Technik“, erzählt Quadt. Die studentischen Vertreter hatten jedoch abgelehnt, das aus Studiengebühren zu finanzieren, weil diese baulichen Maßnahmen zur Grundausstattung der Universität gehörten. „Wir als Universitätsbund haben dann angeboten, private Mittel dort zu investieren. Eine Maßgabe unserer Förderung ist jedoch, dass wir nur anteilig bis maximal zur Hälfte der Summe bezahlen. Dadurch gab es plötzlich die Möglichkeit, dass wenn man auch noch universitäre Mittel und Studiengebühren eingesetzt werden, alle 16 Hörsäle renoviert werden konnte.“ Davon ließen sich dann auch die studentischen Vertreter überzeugen und nun sehen die ZHG-Hörsäle nicht mehr aus wie die Resterampe der 1970er Jahre.

Die Zahl der Anträge steigt weiter, so dass man nicht mehr allen nachkommen kann. „Ich würde mir wünschen, dass der Universitätsbund gestärkt wird und sich mehr Menschen für die Idee begeistern lassen“, so Quadt. „Wir haben noch viele Ideen, wo man helfen kann. Dafür möchten wir weitere Mitglieder gewinnen.“

Etwas zurückzugeben, spiele eine große Rolle für die Mitglieder des Universitätsbundes, sich zu engagieren. „Jeder macht das auch aufgrund seiner persönlichen Biografie. Ich zum Beispiel bin Erstakademiker in meiner Familie und habe auch eine Förderung durch Stipendien erhalten“, sagt Quadt. „Man verspürt eine gewisse Dankbarkeit und kommt man dann selbst in eine entsprechende Position, möchte man das an die nächste Generation zurückgeben.“

Für Quadt gehört es zudem dazu, dass man an einer Universität seinen Studenten die bestmöglichen Bedingungen bietet. Das sei eine Frage der Attraktivität des Standorts, aber auch der sozialen Gerechtigkeit. In manchen Studiengängen gibt es etwa Pflichtexkursionen, die von den Studenten selbst zu bezahlen sind, die sich aber vielleicht nicht jeder leisten kann. Hier kann der Universitätsbund helfen, wo andere Instrumente wie das Bafög oder die Uni diese Sonderkosten nicht abdecken können.

100 Jahre – 1000 Impulse

Unter diesem Titel findet der öffentliche Festakt zur Feier des Universitätsbund-Jubiläums am Sonnabend, 9. Juni, ab 10.30 Uhr in der Aula am Wilhelmsplatz statt.

„Es wird ein unterhaltsames Programm geben“, so Prof. Arnulf Quadt, Vorsitzender des Universitätsbundes. „Wir werden über das Jubiläumsbuch sprechen, aktuelle Fördermaßnahmen betrachten, ins Bewusstsein rücken, wo weitere Förderbedarfe bestehen, und in die Zukunft schauen.“ Der Blick nach vorne soll helfen, anschließend im Dialog mit den Gästen neue Ideen und Impulse für die eigene Fördertätigkeit zu bekommen. Aber natürlich geht es vor allem um eines: „Mit den Mitgliedern zu feiern und Danke zu sagen.“

Das Buch zum Jubiläum

Anlässlich des Jubiläums des Universitätsbundes ist bei Vandenhoeck & Ruprecht ein Buch erschienen, das ein Jahrhundert Förderung der Universität durch den Verein aufbereitet.

Geschrieben hat das Buch der emeritierte Professor Wolfgang Sellert: Er war von 1977 bis 2002 ordentlicher Professor für Bürgerliches Recht und Zivilprozessrecht sowie für Deutsche Rechtsgeschichte an der Universität Göttingen.

Sellerts Untersuchung dokumentiert die vielfach noch bis heute sichtbaren Beiträge, die der Universitätsbund in den vergangenen 100 Jahren für die Universität geleistet hat. Sie gedenkt der Gründer des Universitätsbundes und derjenigen, die ihn mit ihrem Engagement in die Gegenwart geführt haben – sowie der über die lange Zeit tausenden Mitglieder, Sponsoren und Mitarbeiter, deren Mitwirkung den Universitätsbund mit Leben gefüllt haben.

Sellert hat seinen Band strikt historisch aufgebaut: Beginnend mit der Gründung des Universitätsbundes über die ersten Jahre, die Inflation von 1923, Zweiter Weltkrieg bis hin zu den Studentenprotesten der 1968er Jahre und der heutigen Stiftungsuni. Am Ende wagt Sellert einen Ausblick auf die künftigen Aufgaben des Fördervereins.

Die Geschichte des Universitätsbundes ist von der Geschichte der Georgia-Augusta nicht zu trennen. Dieser engen, aufeinander bezogenen Entwicklung folgt auch der Jubiläumsband. Er wurde nicht nur in der Absicht verfasst, die vergangenen Leistungen des Universitätsbundes zu würdigen und die Erinnerung daran zu bewahren, sondern auch mit der Zuversicht, dass die identitätsstiftende Kraft der Geschichte die Ziele des Universitätsbundes als Förderer von Wissenschaft und Kultur stärken wird, so Verfasser Sellert in seinem Vorwort.

„Die Geschichte des Göttinger Universitätsbundes. Zum 100-jährigen Jubiläum“, Universitätsbund, Wolfgang Sellert (Hgg). Göttingen, 2018. 352 Seiten mit 86 farb. Abb. und 3 Tab. Gebunden. Preis: 50,00 Euro gedruckt; eBook 39,99 Euro.

Von Sven Grünewald

07.06.2018
07.06.2018