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Göttingen Acker- statt Sojabohne: Göttinger Wissenschaftler erforschen alternatives Futtermittel
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Acker- statt Sojabohne: Göttinger Wissenschaftler erforschen alternatives Futtermittel

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16:30 24.09.2020
Die Rasse Vorwerkhuhn zählt zu einer traditionellen deutschen Doppelnutzungsrasse, die sowohl für die Fleischproduktion als auch für die Eiablage geeignet ist. Quelle: R
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Göttingen

Ein Forschungsteam der Universität Göttingen sei auf der Suche nach Alternativen zum Verfüttern von Sojabohnen an Hühner auf heimischen Feldern fündig geworden, hat die Universität mitgeteilt. Zudem, so das weitere Ergebnis ihrer Studie, seien Zweinutzungshühnerrassen sowohl zum Eierlegen als auch zur Mast geeignet.

Die derzeitige Praxis der Geflügelproduktion sei mit ethischen und ökologischen Bedenken verbunden, heißt es in der Mitteilung. Die ethischen Bedenken umfassten unter anderem das Töten von männlichen Eintagsküken von Legehühnern – ökologische Bedenken bezögen sich auf den Import großer Mengen an Sojabohnen als Futtermittel. Die Forscher würden auf die Möglichkeit hinweisen, Proteinquellen wie die Ackerbohne, auch als Feld- oder Saubohne bekannt, zu nutzen. Sie hätte keinen negativen Einfluss auf die Fleischqualität. Gleiches gelte für die Zweinutzungshühnerrassen. Die Ergebnisse seien in der Fachzeitschrift Foods erschienen.

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Zwei Doppelnutzungsrassen im Mittelpunkt der Studie

Die Studie habe sich auf die Junghähne zweier Doppelnutzungsrassen (Vorwerkhuhn und Bresse Gauloise) und einer spezialisierten Legehuhnherkunft mit hoher Legeleistung (White Rock) konzentriert, so die Universität. Für die Mast sei dreierlei Futter eingesetzt worden: eine Futtermischung mit Soja als Hauptproteinquelle und zwei Futtermischungen mit der Ackerbohne (Vicia faba) in verschiedenen Anteilen. „Der Fokus der Studie lag auf dem Einfluss der Futtermittel auf die Fleischqualität der unterschiedlichen Rassen“, heißt es in der Mitteilung.

Die Ergebnisse der physikalisch-chemischen und sensorischen Analysen hätten gezeigt, dass die Ackerbohne als Futtermittel für Geflügel eingesetzt werden könne, ohne die Produktqualität negativ zu verändern. Ihre Nährstoffzusammensetzung mache die Ackerbohne zu einer geeigneten Alternative zu Sojabohnen als Proteinquelle in Futtermittel für Geflügel, heißt es weiter. Darüber hinaus böte die Ackerbohne den Vorteil, die heimische Bodenqualität zu verbessern, da sie Stickstoff binde.

Cynthia Escobedo del Bosque Quelle: R

Ackerbohnen sind breitflächig angebaute Hülsenfrüchte, die das Potenzial haben, die heimische Landwirtschaft zu unterstützen, da sie die Abhängigkeit von Sojaimporten reduzieren und zu mehr Preiskontrolle führen können”, habe die Erstautorin Cynthia Escobedo del Bosque, Department für Agrarökonomie und Rurale Entwicklung der Universität Göttingen, betont.

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Forschung zu Zweinutzungsrassen erst seit wenigen Jahren

Der Einsatz von Zweinutzungsrassen werde erst seit wenigen Jahren erforscht, so die Universität. Diese Rassen könnten nicht mit der Lege- und Mastleitung der jeweils spezialisierten Rassen mithalten. „Unsere Forschung zeigt, dass Zweinutzungsrassen Eier und Fleisch vergleichbarer Qualität liefern können, aber in einer kleineren Menge“, habe Ko-Autor Prof. Dr. Daniel Mörlein, Department für Nutztierwissenschaften der Universität Göttingen, erklärt. „Das bedeutet, dass die Kosten höher sind. Gleichzeitig werden aber durch den Verzicht auf das Töten der Küken das Tierwohl verbessert und die genetische Vielfalt in der Tierproduktion erweitert“, so Mörlein.

Die Originalveröffentlichung in der Fachzeitschrift „Foods“: Escobedo del Bosque, Cynthia et al: Meat Quality Parameters and Sensory Properties of One High-Performing and Two Local Chicken Breeds Fed with Vicia faba.

Die Studie sei Teil des Projekts „Potenziale der nachhaltigen Nutzung regionaler Rassen und einheimischer Eiweißfuttermittel in der Geflügelproduktion (PorReE)“ gewesen, teilte die Universität weiter mit. An der Fakultät für Agrarwissenschaften erforschten aktuell Wissenschaftler in vier Abteilungen die Grundlagen „für eine nachhaltigere und gesellschaftlich akzeptierte Geflügelproduktion“, heißt es. Studien zu Produktwahrnehmung und Verbraucherakzeptanz würden gewöhnlich im Sensoriklabor der Fakultät durchgeführt.

Von Stefan Kirchhoff