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Göttingen Inschriften von Osterode werden entziffert
Campus Göttingen Inschriften von Osterode werden entziffert
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10:00 07.12.2019
Der Referent Dr. Jörg H. Lampe (2.v.r.). Quelle: Paetzold
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Osterode

Die Akademie der Wissenschaften, Göttinger Arbeitsstelle des Forschungsvorhabens „Die Deutschen Inschriften des Mittelalters und der Frühen Neuzeit“, hat in die Osteroder Schlosskirche eingeladen und stellte das vor kurzem erschienene Buch „Die Inschriften des Altkreises Osterode“ vor. Darin sind alle bis zum Jahr 1650 entstandenen Inschriften des Altkreises Osterode erfasst.

Was bedeuten die Inschriften auf den Grabplatten der letzten Herzoge von Grubenhagen? Wer ritzte vor vielen hundert Jahren seine Initialen auf Objekte im Kloster Walkenried? Was sagen uns die vor der Reformation entstandenen Gewandsauminschriften des Retabels von Bildschnitzer Bartold Kastrop in St. Marien in Osterode? „Viele haben den Wunsch, derartige Inschriften zu entziffern, müssen aber scheitern“, stellte am Donnerstagabend der stellvertretende Osteroder Bürgermeister Peter Wendtland in seinem Grußwort fest. Dazu braucht es eben das fundierte Wissen und die Expertise von Fachleuten.

Christus in der Vorhölle (um 1420),  Altar St. Jacobi Quelle: Lampe

„Die Vergangenheit spricht zu uns, und wir kommen mit der Vergangenheit ins Gespräch“, fasste der stellvertretende Landrat Dr. Andreas Philippi das Anliegen des Abends zusammen. Der Ort sei gut gewählt, ist die Schlosskirche, in der viele Veranstaltungen stattfinden, doch ein Ort der Kommunikation. Kulturelle Vielfalt präge den neuen Kreis Göttingen, es sei eine wichtige Aufgabe, die wertvollen Kulturräume in ihren Grenzen zu bewahren. Als Privileg bezeichnete es Dr. Philippi, dass sich eine derart renommierte Forschungseinrichtung der Inschriften im Altkreis angenommen habe.

Von Bund und Land finanziert

Professor Dr. Jens Peter Laut von der Akademie der Wissenschaften zu Göttingen erläuterte im Folgenden kurz die Aufgaben der Akademie und ihre Strukturen. „Wir sind keine angestaubte Einrichtung wie manche glauben“, betonte er ihren Stellenwert für die Forschung. Über zwanzig Projekte betreut sie im Akademienprogramm, dem von Bund und Ländern finanzierten Programm zur Förderung langfristig angelegter Forschungsvorhaben in den Geistes- und Sozialwissenschaften, die meist interdisziplinär angelegt sind.

Teil davon ist die am Donnerstag vorgelegte Arbeit. Professor Laut: „Durch die Teilnahme an diesem Programm ist die Göttinger Akademie die größte außeruniversitäre Einrichtung auf dem Gebiet geisteswissenschaftlicher Grundlagenforschung in Niedersachsen.“ Sein Dank für die vorgelegte Arbeit ging unter anderem an den Autor Dr. Lampe und seine Kollegen. Mit dem Inschriftenprojekt entspreche man dem aktuellen Trend der Regionalisierung, sagte er.

Bei dem reichen Fundes seiner Forschung konnte der Referent in seinem Vortrag „Dialoge und Monologe“ nur einige Schwerpunkte setzen, so zu den Epitaphen der Grubenhagener Herzöge, den Herzoggräbern in St. Aegidien, dem Epitaph von Professor Andreas Cludius, der in Osterode das Rinnesche Haus errichtete, den Gewandsauminschriften des Altaraufsatzes von Bartold Kastrop in St. Marien, dem Chorgestühl des Klosters Pöhlde, oder den Gräbern der Grafen Honstein im Kloster Walkenried.

Kloster Walkenried bildet einen Schwerpunkt

Insgesamt umfasst das vorgestellte Werk 221 Inschriftenartikel. Osterode und das frühere Kloster Walkenried bilden die Schwerpunkte des neuen Bandes, hinzu kommen Inschriften in weiteren 21 Orten des Altkreises. Lateinische und niederdeutsche Texte wurden übersetzt, der Inschriftenträger beschrieben und das gesamte Objekt in seinen historischen Kontext eingeordnet. Im Kloster Walkenried, das in der Frühneuzeit auch als Schule diente, haben sich Schüler mit ihren Initialen auf Objekten aus Gips und Stein verewigt. Adelige schätzten das Kloster bis zur Frühen Neuzeit als Ort der letzten Ruhestätte.

Prof. Jens Peter Laut Quelle: Paetzold

Lampe kommt zu neuen Erkenntnissen über die Werkstätten von Glockengießern und Goldschmieden und beschreibt erstmals in vollem Umfang die Gewandsauminschrift des Altaraufsatzes von Bartold Kastrop in St. Marien. Außerdem belegt er den bisher umstrittenen hochmittelalterlichen Ursprung des nur teilweise erhaltenen Chorgestühls aus dem Kloster Pöhlde.

Info: „Die Inschriften des Altkreises Osterode“, bearbeitet von Jörg H. Lampe, Wiesbaden im Jahr 2019 (Die Deutschen Inschriften, Bd. 105). 376 S. sowie 48 Tafeln mit 148 s/w und 45 farbigen Abbildungen mit Schutzumschlag 62 Euro.

Von Michael Paetzold

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