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Göttingen Als Umweltpraktikanten im Nationalpark Harz
Campus Göttingen Als Umweltpraktikanten im Nationalpark Harz
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17:52 07.08.2019
Wiebke Brand mit einem Modell des Bauwagens, der künftig den Junior-Rangern als Treffpunkt und Entdeckerstätte dienen wird. Quelle: Nationalpark Harz
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Harz

Vier Studenten absolvieren derzeit ein Commerzbank-Umweltpraktikum im Nationalpark Harz. Sie sind an verschiedenen Stellen im Einsatz: im Nationalpark-Besucherzentrum Torfhaus, im Natur-Erlebniszentrum Hohne Hof, im Nationalpark-Bildungszentrum Sankt Andreasberg und im Nationalparkhaus Sankt Andreasberg. Das Commerzbank-Umweltpraktikum wurde 1990 als gemeinsames Projekt der deutschen Nationalparks und des Geldhauses ins Leben gerufen. Ziel ist die Sensibilisierung von Studierenden für nachhaltige Entwicklung und das Aufzeigen von beruflichen Perspektiven im Natur- und Umweltschutz. Das Umweltpraktikum dauert mindestens drei Monate. Die Commerzbank finanziert und organisiert das Praktikum, die Schutzgebiete übernehmen die fachliche Betreuung. Die Praktikanten tragen tatkräftig zum Umwelt- und Naturschutz bei.

Vielfältige Arbeit

Die Arbeit der Praktikanten im Nationalpark Harz ist sehr vielfältig – von geführten Wanderungen über Gespräche zum Thema Borkenkäfer und die Beantwortung der Frage „Stirbt der Wald?“ über Mitarbeit an Forschungsprojekten bis hin zur Vorbereitung von Junior-Ranger-Fahrten und Camps ist fast alles dabei.

Im Nationalpark-Besucherzentrum Torfhaus ist Leona Köver aktiv. Sie studiert Angewandte Freizeitwissenschaften bei Prof. Dr. Bernd Stecker, der schon lange mit dem Nationalpark Harz zusammenarbeitet. Leona Köver steht somit bereits studienbedingt voll im Stoff des Nationalparktourismus. Jannik Schnier unterstützt die Umweltbildungsarbeit im Natur-Erlebniszentrum Hohne Hof – er studiert Biologie und Pädagogik an der Carl von Ossietzky-Universität Oldenburg. Im Nationalparkhaus Sankt Andreasberg ist Niklas Pritzkow beschäftigt. Seine Studienrichtung ist die Geografie, die er an der Freien Universität Berlin studiert.

Einweihung des Junior-Ranger-Waldlabors

Wiebke Brand hatte sich für ein Praktikum im Nationalpark-Bildungszentrum Sankt Andreasberg entschieden. Sie studiert Wirtschaftswissenschaften an der Leibniz-Universität Hannover. Ihr Praktikum ist schon beendet, denn sie begann bereits im April. Sie beschäftigte sich mit den Projekten „Junior-Ranger-Wildniscamp 2019“ und wirkte bei der Einweihung des Junior-Ranger-Waldlabors mit. Dazu berichtet sie: „Im Juni wurde, nach monatelanger Arbeit, das Waldlabor an der Kamphütte in Königskrug eingeweiht. Dem zuvor doch sehr renovierungsbedürftigen Bauwagen wurde von einigen Rangern des Nationalparks Harz neues Leben eingehaucht. Der Wagen wird künftig den Junior-Rangern als Treffpunkt und Entdeckerstätte dienen, um den Wald und seine Bewohner besser kennen zu lernen.“

Waldlabor

Da dieses Event auch als Treffen der verschiedenen Gruppen der Junior-Ranger diente, hatten sich die Organisatoren ein umfangreiches Programm ausgedacht, das das Waldlabor in den Mittelpunkt der Aktion setzte. Da der „Bergmönch“ einige Bedenken hatte, ob die Junior-Ranger bereits die Verantwortung für so ein Waldlabor übernehmen können, hatte er sich eine Rallye ausgedacht, um das Wissen der jungen Ranger zu testen. Dabei handelte es sich um Aufgaben rund um das Thema Baum.

An den Stationen ging es darum, verschiedene Baumsteckbriefe mit Informationen zu füllen, indem man clever kombiniert – als Walddetektiv Fehler im Wald zu entdecken oder mit einer limitierten Anzahl von Schritten einen Baum zu erreichen. „Mir hat die Planung und Durchführung dieser Aktion großen Spaß gemacht und mich herausgefordert. Einen geeigneten Schwierigkeitsgrad für die stark variierenden Altersgruppen zu finden und dabei eine Aufgabenstellung zu erarbeiten, bei der die älteren Teilnehmer nicht über jüngere dominieren, war ein echter Balanceakt“, berichtet die Studentin. „Auch das Zeitmanagement richtig einzuschätzen hat sich als sehr schwierig herausgestellt und in der Durchführung für einige spontane Änderungen gesorgt. Alles in allem hat mir der Tag riesigen Spaß gemacht und ich habe hinsichtlich der Planung solcher Veranstaltungen viel gelernt.“

Sechs Monate im Harz

Auch die anderen drei Praktikanten haben interessante Projektgeschichten zu erzählen. Leona Köver berichtet: „Durch eine Exkursion im Rahmen meines Studiums der angewandten Freizeitwissenschaft in den Nationalpark Harz kam bei mir der Wunsch auf, dort mein Praxissemester zu absolvieren. Durch Jens Halves wurde ich dann auf das Commerzbank-Umweltpraktikum aufmerksam gemacht und konnte dieses mit einem dreimonatigen freiwilligen Praktikum kombinieren, so dass ich insgesamt sechs Monate im Harz bleiben kann. Das Praktikum gefällt mir unglaublich gut.“ Jeden Tag draußen an der frischen Luft, mit jungen Leuten unterwegs zu sein und ihnen etwas über die Natur beibringen zu können sei „einfach traumhaft.“

Motto „Leben in der Wildnis“

Jannik Schnier berichtet über einen Tag in der Wildnis am Natur-Erlebniszentrum Hohne Hof: „Nachdem die Jugendgruppe eingetroffen und versammelt ist, geht es nur noch schnell über die Straße und dann hinein in den Wald. Wir halten uns ein wenig abseits der Wege auf, denn der heutige Tag steht unter dem Motto ‚Leben in der Wildnis‘. In den nächsten fünf Stunden werden wir uns unter anderem mit menschlichen Bedürfnissen, essbaren Pflanzen und dem Entzünden eines Feuers beschäftigen.“ Zunächst wurde jedoch ein Unterschlupf im Wald errichtet. In zwei Gruppen leben die Kinder ihre Fantasie aus, verteilen Aufgaben und haben innerhalb kurzer Zeit zwei beachtliche Wald-Buden aufgebaut. Dabei stehen er und sein FÖJ-Kollege der Gruppe mit Rat und Tat zur Seite, behandeln Wespenstiche und staunen über die kreativen Ideen, die hier zustande kommen.

Auf dem Weg zum Hohne Hof werden dann noch zügig etwas Zunder sowie einige Wildkräuter und essbare Blüten eingesammelt. Das Aufklären über giftige Pflanzen darf dabei nicht fehlen. „Am Hof angekommen, entfachen wir mit Hilfe eines Feuer-Stahls gemeinsam ein Lagerfeuer, bereiten eine kräftige Kräutersuppe zu und backen Stockbrot über der heißen Glut. Gestärkt und um eine Erfahrung schwerer verlässt uns die Jugendgruppe wieder“, erzählt der Student.

Niklas Pritzkow hat sich der Umgestaltung des Insektenhotels am Nationalparkhaus Sankt Andreasberg gewidmet. Er berichtet: „Ein Teil meiner Arbeit im Nationalparkhaus in Sankt Andreasberg ist die Neu- und Umgestaltung des zehn Jahre alten Insektenhotels hinter dem Gebäude inmitten der bereits insektenfreundlichen Blühwiese. Auch in Anbetracht des aktuellen medialen Diskurses rund um das Insektensterben ist dies ein hochaktuelles Thema.“

Nistmöglichkeiten für Insekten

Zunächst einmal verschaffte er sich einen Überblick, welche Nistmöglichkeiten vorhanden sind und wie diese angenommen wurden. Dafür beobachtete er das Insektenhotel an verschiedenen Tagen und zu unterschiedlichen Uhrzeiten, um Temperaturen, Wetterbedingungen und Sonneneinstrahlungsintensitäten zu beachten. Außerdem schaute er sich an, wie sinnhaft die Umsetzung der Nisthilfen erschien. „Als Ergebnis ließ sich feststellen, dass ein reges Treiben an den verschiedenen Nistmöglichkeiten zu beobachten war, jedoch nicht alle perfekt ausgestaltet sind. Durchaus als Besonderheit für Insektenhotels konnte ich beobachten, dass sich an den Lössstrukturen die Schornsteinwespe aufhält und hier auch ihre arttypischen Schornsteine ausbildet. Dann überlegte ich mir, wie ich das Insektenhotel noch insektenfreundlicher umgestalten kann.“

Informationsschilder am Insektenhotel

Nach kurzem Austausch mit Elisabeth Koch, der ehemaligen Commerzbank-Umweltpraktikantin am Hohne Hof, war auch klar, dass jetzt, während der Aktivität der Insekten, ruhig an dem Hotel gearbeitet werden kann, sofern man vorsichtig vorgeht. „Folgende Veränderungen plane ich in den kommenden Wochen zu realisieren: Die im Insektenhotel verbauten Ziegelsteine möchte ich durch wildbienenfreundliche Strangfalzziegel ersetzen.“ Die Kostenübernahme und Organisierung dieser Ziegel werde durch einen Sankt Andreasberger Dachdeckermeister übernommen.

Die vorhandenen Holzstrukturen im Hotel werden in sehr unterschiedlichem Maße angenommen und sind zum Teil fehlerhaft gestaltet, hat Pritzkow beobachtet. „Daher habe ich mir vorgenommen, auch hier Änderungen und Verbesserungen vorzunehmen und neue Holzklötze zu gestalten. Zudem möchte ich gerne noch kleine prägnante Informationsschilder am Hotel anbringen, wie die Nistmöglichkeiten gestaltet werden sollten, um gängige Fehler bei der Umsetzung des Insektenhotelbaus im Privaten zu vermeiden. Außerdem soll anhand eines ‚Supermarktinsektenhotels‘ auf dessen Mängel hingewiesen werden, um den Betrachtern den minimalen Nutzen einer solchen Anschaffung zu verdeutlichen.“

Von Melina Debbeler

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