Menü
Göttinger Tageblatt / Eichsfelder Tageblatt | Ihre Zeitung aus Göttingen
Anmelden
Göttingen Arbeitsmarktforscher Klaus F. Zimmermann eröffnet Göttinger Akademiewoche
Campus Göttingen Arbeitsmarktforscher Klaus F. Zimmermann eröffnet Göttinger Akademiewoche
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
17:12 10.09.2013
Auftakt der Akademiewoche: Gastredner Zimmermann mit den Göttinger Professoren Renate Ohr, Kurt Schönhammer und Klasen (von links). Quelle: Hinzmann
Anzeige
Göttingen

Für den Professor der Universität Bonn ist dies aber keine Hiobsbotschaft, sondern eine Herausforderung, die es zu bewältigen gilt. In der Paulinerkirche gibt er den rund 70 Zuhörern in klar verständlicher Form Antworten auf die Frage „Wie kann Deutschland die demografischen Herausforderungen meistern?“

Bis 2060 werde die Bevölkerung hierzulande um ein Fünftel schrumpfen, gleichzeitig werde sich die Altersstruktur weiter dramatisch verschieben. Die Zahl der Menschen im erwerbsfähigen Alter werde somit stark abnehmen, was auch zu einem Fachkräftemangel führe.

Anzeige

„Wir sind jetzt in der Phase, wo der Wandel tatsächlich passiert“, so Zimmermann, Politik und Wirtschaft müssten nun agieren. Dafür hat der Berater nationaler und internationaler Gremien verschiedene Lösungsansätze, die gleichzeitig angegangen werden müssen.

Zum einen müsse das inländische Potenzial aktiviert werden. Hier sei eine Weiterbeschäftigung der Älteren notwendig, inklusive der Rente ab 67 und später sogar ab 70. „Dies sind Maßnahmen, die über Jahrzehnte angelegt werden“, beschwichtigt der Ökonom. Momentan werde das Humankapital des Alters verschwendet.

Des Weiteren müssten Frauen bessere Chancen erhalten, Beruf und Arbeit zu verbinden; Arbeitszeiten müssten flexibler gestaltet werden und Personen mit Migrationshintergrund besser in den Arbeitsmarkt integriert werden.

„Zudem benötigen wir eine qualifizierte Zuwanderung“, erklärt er dem interessiert zuhörenden Publikum. Die aktuelle Zuwanderungspolitik sei ungesteuert und die Chancen der EU-Osterweiterung seien nicht genutzt worden.

Auf die Frage von Prof. Stephan Klasen, Professor für Volkswirtschaftslehre der Universität Göttingen, wie diese aussehen könnte, erklärt er in der anschließenden regen Diskussion, dass das Image Deutschlands als Zuwanderungsland verbessert werden müsse.

Das meiste klingt gar nicht so neu. Ist es auch nicht. „Vieles haben wir schon vor 20 Jahren ebenso diskutiert“, erklärt Zimmermann. Allerdings sei bisher wenig umgesetzt worden. „Die neue Bundesregierung muss sich mit den demografischen Voraussetzungen beschäftigen“.

Bürgermeisterin Helmi Behbehani (SPD) erklärte, in Göttingen geschehe dies bereits. So werde aktiv an einer Verbesserung der „Willkommenskultur“ der Universitätsstadt gearbeitet, um dem – verhältnismäßig geringen – Bevölkerungsschwund entgegen zu wirken. „Veranstaltungen wie die Akademiewoche können dabei wichtige Impulse geben“, so die SPD-Ratsfrau.

Prof. Stephan Klasen, Göttingen, spricht am Mittwoch, 11. September, bei der Akademiewoche zum Thema „Steht die Welt vor einer globalen Bevölkerungsimplosion?“ um 18.15 Uhr in der Paulinerkirche, Papendiek 14.