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Göttingen Asteroiden sind auf Kollisionskurs
Campus Göttingen Asteroiden sind auf Kollisionskurs
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18:30 22.11.2011
Bedrohte Erde: Asteroiden können bei einer Kollision verheerende Schäden anrichten. Quelle: EF
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In der vom Förderkreis Planetarium Göttingen ausgerichteten Vortragsreihe „Faszinierendes Weltall“ gab der Astrophysiker Prof. Andreas Burkert von der Ludwig-Maximilians-Universität München in seinem Vortrag „Asteroiden – Gefahr aus dem All“ auf diese Frage eine Antwort. Burkert hat den Titel seines Vortrags nicht mit einem Fragezeichen versehen. Das zeigt, dass er die Wahrscheinlichkeit eines Einschlages für real hält.

Jeden Tag treten etwa 1000 Tonnen an Staub und Gestein in die Erdatmosphäre ein, allerdings verglühen die meisten Stücke als Sternschnuppen. Eine ernste Gefahr für den blauen Planeten besteht erst, wenn ein Asteroid eine gewisse Größe erreicht. So wie „Apophis“: Er misst im Durchmesser rund 300 Metern und rast mit 47 000 Kilometern pro Stunde durchs All.

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„Würde er auf die Erde treffen, käme das der Explosion von 70 000 Hiroshima-Bomben gleich“, warnt Burkert. Tatsächlich kommt Apophis der Erde im Jahr 2029 außergewöhnlich nahe: Aktuelle Berechnungen zeigen, dass er sie um nur 30 000 Kilometer verfehlen wird, wobei er mit einer scheinbaren Helligkeit von 3,3 Magnitude (kurz mag) auch mit bloßen Augen zu sehen sein dürfte.

Die scheinbare Helligkeit gibt an, wie hell ein Himmelskörper von der Erde aus erscheint. Je kleiner die Zahl, desto heller. Der Polarstern beispielsweise hat die scheinbare Helligkeit zwei mag.

Die Gefahr einer Kollision mit der Erde bestehe, denn der Asteroid bewege sich fast genau auf der Ekliptik, jener Bahnebene, auf der auch die Erde um die Sonne kreist, sagt Burkert. Ein Wiedersehen sei also wahrscheinlich und bereits im Jahr 2036 werde das Objekt erneut nah an der Erde vorbeifliegen. Für das zweite Rendez-Vous betrage die Kollisionswahrscheinlichkeit 1 zu 100 000. Der Wert scheint gering und die Folgen einer Kollision wären verheerend: Bei einem Einschlag in einen Ozean entstünden massive Tsunamis, die das Leben von mehreren hundert Millionen Menschen bedrohten.

Mögliche Abwendungen dieser Gefahr seien noch nie getestet worden, kritisiert Burkert. Die Sprengung von Asteroiden verspreche wenig Erfolg und sei gefährlich. Die einzige Möglichkeit bestehe in der Bahnablenkung durch einen sogenannten „Gravity Tractor“, ein Raumschiff, das den Asteroiden allein durch seine Eigenmasse gravitativ minimal beeinflusst. Doch dieses Verfahren benötige Zeit. „Mir sind zudem keine konkreten Pläne bekannt“, sagt Burkert.

Seinen Humor hat der Astrophysiker dennoch nicht verloren: „Apophis wird die Erde im Jahr 2029 übrigens zum Freitag, den 13., erreichen“, schiebt er mit suffisantem Lächeln hinterher.

Bei der nächsten Veranstaltung der Reihe „Faszinierendes Weltall“ am Dienstag, 29. November, 20 Uhr im Zentralen Hörsaalgebäude der Universität Göttingen, Hörsaal 008, Platz der Göttinger Sieben, hält der Physiker Hermann-Michael Hahn einen Vortrag mit dem Titel „Was wäre die Welt ohne Astronomie?“.

Von Jonas Rohde