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Göttingen Astrophysik Göttingen: 2,7 Millionen Euro für das größte Teleskop der Welt
Campus Göttingen Astrophysik Göttingen: 2,7 Millionen Euro für das größte Teleskop der Welt
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13:38 22.07.2014
Einblicke in die Kinderstube der Sternentstehung: Das Teleskop E-ELT wird mit neuen Beobachtungsplattformen ausgestattet. Quelle: ESO.af
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Göttingen

Die fünf Forschungsprojekte behandeln ausschließlich die Entwicklung leistungsfähiger Instrumente für die Europäische Südsternwarte ESO, die in Chile drei Observatorien betreibt.

In Kürze wird eine vierte Anlage, das European Extremely Large Telescope (E-ELT) dazukommen, dessen Standort seit Juni dieses Jahres eingeebnet wird.

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Die Göttinger Forscher statten unter anderem das Very Large Telescope (VLT) mit zwei Geräten der zweiten Generation aus, das im Bau befindliche E-ELT dagegen mit drei neuen Instrumenten. Alle fünf Forschungsarbeiten sind eingebettet in europäische Forscherteams und schließen sich nahtlos an die Entwicklungen an, die seit 1990 in Göttingen speziell für ESO stattfinden.

Flaggschiff der europäischen Astronomie

„Mithilfe der Micado Kamera, auch ELT-CAM genannt, wird das 39 Meter große E-ELT, das neue Flaggschiff der europäischen Astronomie, in Betrieb genommen. Sie ermöglicht den Wissenschaftlern ungewohnt scharfe Ausblicke in das ferne Universum beziehungsweise Einblicke in die Kinderstube der Stern­entstehung und die Zentren der Galaxien“, sagt der Göttinger Astronom Dr. Harald Nicklas.

„Mit ihr soll unter anderem das supermassive Schwarze Loch im Zentrum der Milchstraße genauer untersucht und in dessen nahem Umfeld die Genauigkeit der Allgemeinen Relativitätstheorie überprüft werden“, so Nicklas.

Die Göttinger Astrophysiker gehören außerdem zum deutschen Entwicklungsteam beim Bau des Mosaic Spektrographen (ELT-MOS). Es trägt zur Entwicklung der optischen Fasereinkopplung für Multi-Objekt-Spektroskopie bei. „Beim ELT-HIRES-Instrument werden die Göttinger Forscher die in den eigenen Laboren weiterentwickelten modernsten Frequenzstandards zur hochgenauen Kalibrierung der spektroskopischen Aufnahmen beisteuern“, so Prof. Ansgar Reiners.

Deren Stabilität soll die Entdeckung erdähnlicher Planeten ermöglichen und dazu beitragen, die Atmosphäre dieser Planeten auf erdähnliche Lebensformen hin zu untersuchen.

Göttinger Forscherteam mit neun Stellen aufgestockt

Zwei weitere Vorhaben betreffen existierende Beobachtungsplattformen am VLT. „Das Muse (Multi Unit Spectroscopic Explorer) Instrument, dessen Hardware in wesentlichen Teilen bereits in Göttingen entwickelt wurde, soll mithilfe spezieller Softwarewerkzeuge insbesondere übervölkerte Kernregionen in Kugelsternhaufen besser beobachten können“, so Prof. Stefan Dreizler.

Am Infrarot-Spektrographen Crires erfolgt darüber hinaus ein Upgrade, das die Empfindlichkeit und Effizienz um das Zehnfache steigern wird. „Göttingen entwickelt für das multi-nationale Projekt neue Technologien zur Kalibration sowie eine Analyse-Software, die die Möglichkeiten zur Entdeckung und Charakterisierung von Planeten außerhalb unseres Sonnensystems drastisch verbessern wird“, sagt Reiners.

Durch die Förderung des BMBF, die dem Antragsvolumen in vollem Umfang entspricht, kann das Göttinger Forscherteam mit neun Stellen für den vollen Förderzeitraum personell aufgestockt und mit den notwendigen Entwicklungswerkzeugen ausgestattet werden.

Beides ermöglicht den Göttinger Astrophysikern, die Entwicklung modernster Techniken und Instrumentarien voranzutreiben und die neu gewonnenen Himmelsdaten zum frühestmöglichen Zeitpunkt wissenschaftlich auszuwerten.

pug