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Göttingen Wo, wenn nicht hier?
Campus Göttingen Wo, wenn nicht hier?
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15:50 03.02.2017
Die Künstlerinnen (v. l.) Annika Helbig, Zubia Imran und Sabine Prilop (Texte) vor zwei Bildern der Serie "Vier-Kirchen-Blick" von Annika Helbig. Quelle: Niklas Richter
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Göttingen

In Blau, Rot, Grün, Gelb-Orange leuchten sie einem entgegen. In einer vierteiligen Serie hat Annika Helbig fünf Göttinger Innenstadtkirchen in Szene gesetzt, jeweils gedoppelt mit ihrem Spiegelbild. Auf das Wesentliche, auf ihre Türme reduziert, sind die Kirchen sofort erkennbar. Und poppig in Serie festgehalten, lässt es für einen kurzen Moment an Andy Warhol denken.

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Die Ausstellung in der Zentralmensa der Universität Göttingen, Platz der Göttinger Sieben 4, wird voraussichtlich bis Mai gezeigt.

Göttingen. Wo, wenn nicht hier, / wäre ich, wenn?“ Ganz reduziert auf den Punkt ist auch das kleine Gedicht von Sabine Prilop, das die Gedanken noch einen Moment auf Wanderschaft gehen lässt und sich zwischen verschiedenen Bildern findet, die das Gänseliesel zeigen. Mal in Pastelltöne gefasst, mal in verschiedenen expressiven Varianten präsentiert Helbig das kleine Wahrzeichen. Von Papier bis Leinwand, von Kohle bis Acryl, von der Malerei bis zur Zeichnung hat die gebürtige Nordhäuserin Motive eingefangen wie Lichtenberg, den Kiessee oder „Göttingen zur Weihnachtszeit“, ein Bild, das die mit Sternen geschmückten Straßen auf einen Hintergrund aus Göttinger Stadtplänen bannt.

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Das Denkmal am Wilhelmsplatz, sechs Göttinger Kirchen und verschiedene farbintensive Bilder sind von Zubia Imran zu sehen. In ihrer abstrakten Malerei drückt die aus Pakistan stammende Künstlerin ihre Gefühle und Gedanken durch Farben, Formen und Linien aus. Und die Arbeit mit Textur verleiht den Bildern einen haptischen Reiz.

„Das Spielen mit Farben gibt mir Energie und Freude“, sagt Imran. Und so widmet sie der Stadt ein in intensivem Orange und harmonisch-lebendigen Farben gehaltenes Bild, das leicht abstrahierte Blumen und Schmetterlinge zeigt. Ihr „Tribute to Göttingen“ präsentiere den Geist und das Leben der Stadt, die sich durch die vielen Studenten und jungen Menschen auszeichne. „Soft, young and beautiful“, sanft, weich, jung und schön, sind die Begriffe, die Imran mit der Stadt verbindet.

Stimmungen, Gedanken, persönliche Momente, bekannte Orte: Bilder im Kopf schafft Sabine Prilop mit ihrer Lyrik. Zu 15 Bildern der beiden Malerinnen habe sie Gedichte geschrieben und sich von deren Arbeiten inspirieren lassen. „Ich arbeite mich gerne an Formen ab“, sagt die Schriftstellerin. Seit etwa zweieinhalb Jahren kenne sie die beiden Künstlerinnen, seit etwa 20 Jahren ziehe sich Göttingen inzwischen als Motiv durch ihr künstlerisches Schaffen.

„Das Thema Göttingen haben wir schon häufiger gehabt. Es lohnt sich, denn es ist immer wieder anders“, sagte Horst Reinert, Leiter des Kulturbüros des Studentenwerks Göttingen, zur Begrüßung der Gäste. Es sei „ein internationales Projekt - Pakistan, Göttingen, Nordhausen“ und die Betrachter der Ausstellung bekämen „etwas zu gucken und zu lesen“.

Von Karola Hoffmann

Die Künstlerinnen

Annika Helbig, 1982 in Nordhausen geboren, malt nach Lust und Laune. „Ich bin immer auf der Suche und experimentiere viel“, sagt Helbig, deren Leidenschaft zum Malen und Zeichen schon in Kindheit begann. Die freie Künstlerin arbeitet als pädagogische Mitarbeiterin in der Evangelischen Jugendhilfe Obernjesa, zudem ist sie Mitglied in der regionalen Crossover-Gruppe „Spinnrad“.

Zubia Imran stammt aus Pakistan. Seit etwa fünf Jahren lebt die freie Künstlerin in Göttingen und hat ihre Arbeiten in mehreren Ausstellungen gezeigt.

Sabine Prilop begann ihre Laufbahn als Lyrikerin. Auch nach mehr als 20 Büchern, darunter zwei Göttinger Kriminalromanen, findet sie immer wieder zu den Gedichten zurück. Ihre Heimatstadt ist dabei auch ein wichtiges Thema.

Drei kurze Gedichte von Sabine Prilop

Am Markt.

Die Sonne blendet.

Ich schließe die Augen.

Ein Sektkorken schießt in die Luft.

Lachen.

 

Kirche.

Die Tür geschlossen.

Ich sehe den Altar.

Ein Orgelton gräbt sich ins Holz.

Andacht.

 

Wie der Märzwind die Wangen rötete

Wie erste Vögel sangen

Wie das Liesel den Frühling ahnte

Wie rasch meine Schritte eilten

Wie wach meine Sinne

Wie ich vor dem Eiscafé stand

Wie wir durch die Fenster sahen

und du meine Enttäuschung wegküsstest.

 

Sabine Prilop