Menü
Göttinger Tageblatt / Eichsfelder Tageblatt | Ihre Zeitung aus Göttingen
Anmelden
Göttingen Uni Göttingen: Studierende erforschen Verhältnis von Mensch und Technik
Campus Göttingen

Ausstellung an der Uni Göttingen: Studierende erforschen Verhältnis von Mensch und Technik

Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
09:36 18.05.2021
Vom Binokular zur Webcam: Studierende der Uni Göttingen haben sich mit der Entwicklung des Verhältnisses von Mensch und Maschine beschäftigt.
Vom Binokular zur Webcam: Studierende der Uni Göttingen haben sich mit der Entwicklung des Verhältnisses von Mensch und Maschine beschäftigt. Quelle: Universität Göttingen / Sauer Marketing
Anzeige
Göttingen

Um das Verhältnis des Menschen zu seiner Computermaus und andere Fragen zum Verhältnis von Mensch und Technik dreht sich eine neue digitale Ausstellung von Studierenden der Universität Göttingen um Prof. Margarete Vöhringer. Unter der Leitung der Professorin für die Materialität des Wissens am Kunstgeschichtlichen Seminar hätten sie sich ein Jahr lang mit Fragen der Anthropotechnik beschäftigt, also der Zusammenwirkung von Mensch und Technik, teilt die Uni mit. Die Ergebnisse sind jetzt online zu erkunden.

Unter dem Titel „Computersinne. Wie Magnetband, Binokular, Computermaus und Lochkartenlocker unseren Blick auf das Digitale verändern“ zeigen die Studierenden, wie Erfindungen entstanden, wie sie bis heute nachwirken – und was ein Binokular aus dem 18. Jahrhundert mit einer Webcam von heute zu tun hat. Dafür konnten sie auf Sammlungen der Universität zurückgreifen.

Ein neuer Blick auf alte und moderne Alltagsgegenstände

„Begegnungen mit Maschinen“ kündigt die Universität in der Ausstellungsnotiz an. Eine Kernaussage ihrer Ausstellung: In ihrer Umwelt interagieren Menschen mit viel mehr technischen Schnittstellen, als ihnen oft bewusst ist – und erfüllen so ein Mindestkriterium, um als Cyborgs durchzugehen. Diese Verbindung mit der Technik, die über die Nutzung von Smartphone und Computer weit hinausgehe, ermögliche Menschen ganz andere Perspektiven, Körpererfahrungen und gar digitale Lebenswelten, die ohne sie gar nicht möglich wären. Eine Lehre, die sich aus alten Sammlungsobjekten auch für moderne Technik ziehen lasse, so Vöhringer: „Anhand der historischen Sammlungsobjekte lässt sich neu auf die uns so vertrauten Alltagsgeräte schauen.“

Eine weitere Erkenntnis der Studierenden: Viele Objekte entstanden im Kontext von Forschungen oder zur Erforschung bestimmter Phänomene – und brachten so nicht nur Wissenschaft und Menschheit voran, sondern lieferten auch Vorlagen für weitere Erfindungen. Die teils ganz individuellen Geschichten dahinter würden nun anhand von Exponaten aus dem Rechnermuseum der Gesellschaft für wissenschaftliche Datenverarbeitung Göttingen (GWDG) und der Sammlung historischer Gegenstände am Institut für Astrophysik der Universität gezeigt.

Ausstellung und Werkstattgespräch online

„Die Tatsache, dass viele dieser technischen Hilfsmittel Mensch-Maschine-Schnittstellen darstellen, blieb bisher oft unbeachtet“, fasst Vöhringer zusammen. Diese Anthropotechniken ergänzten, erweiterten und optimierten menschliche Fähigkeiten – machten den Menschen aber auch von der Technik abhängig.

Neues vom Campus in Göttingen

Was ist Campus-Gespräch? Was umtreibt die Forscher? Und was gibt es Neues in der Uni-Stadt Göttingen? Abonnieren Sie den wöchentlichen Campus-Newsletter – und erhalten Sie die Nachrichten direkt ins E-Mail-Postfach.

Mit meiner Anmeldung zum Newsletter stimme ich der Werbevereinbarung zu.

Eigentlich sollte die Ausstellung „Computersinne“ im Auditorium der Universität gezeigt werden. Aufgrund der anhaltenden Pandemie wich die Universität in die digitale Welt aus: Die Ergebnisse der Studierenden um Prof. Vöhringer sind nun online unter computersinne.gbv.de zu sehen. Einen Blick auf die Entstehung der Ausstellung können Interessierte nach Angaben der Universität bei einem digitalen Werkstattgespräch mit dem Kuratoren-Team Philip Flacke, Julia Lehmann, Linus Rieß und Gesa Saloga erhaschen. Das Gespräch soll am Mittwoch, 26. Mai, um 18 Uhr stattfinden. Eine Anmeldung ist per Mail an ibecker1@gwdg.de möglich.

Verbindung von Mensch und Maschine

Anthropotechnik verfolgt das Ziel, Maschinen und technische Einrichtungen so auf die Eigenschaften, Möglichkeiten und Bedürfnisse des Menschen abzustimmen, dass Mensch und Technik hinsichtlich Leistung, Zuverlässigkeit und Wirtschaftlichkeit mit bestmöglichem Gesamtergebnis zusammenwirken. Das Wort leitet sich vom griechischen Wortstamm anthrop- (Mensch) ab.

Für eine optimierte Interaktion von Mensch und Maschine befasst sich die Anthropotechnik mit den physischen und physiologischen Eigenschaften sowie den Denkprozessen des Menschen, denen sie mit naturwissenschaftlichen Methoden nachspürt. Es handelt sich also um ein interdisziplinäres Gebiet, das Erkenntnisse aus so unterschiedlichen Bereichen wie Physiologie, Psychologie, Arbeitsmedizin, Physik und Systemtechnik zusammenbringt. Dabei geht es auch darum, jeweils spezifische Anforderungen an technische Lösungen zu berücksichtigen, etwa in verschiedenen Kulturen und Umweltbedingungen. Kernanliegen der Anthropotechnik ist die Optimierung der Schnittstelle zwischen Mensch und Maschine – am Smartphone kann das der Bildschirm sein, an größeren Maschinen das Bedienfeld, an einem optischen Gerät wie Mikroskop oder Kamera das Okular oder der Sucher.

Von Tammo Kohlwes