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Göttingen Funde aus frühmittelalterlichem Gräberfeld
Campus Göttingen Funde aus frühmittelalterlichem Gräberfeld
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16:23 18.03.2019
Funde der Grabstelle 60 in Gevensleben. Quelle: Ballhaus
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Göttingen

Die Ausstellung „Menschen erleben Geschichte“ im Kulturwissenschaftlichen Zentrum der Universität zeigt jetzt die Grabfunde aus Gevensfeld und dokumentiert die Ergebnisse.

„Hart ist die Feldarbeit und heiß ist dieser Sommer...“ So steht es auf der Tafel zum Fund in Grab 28 in Gevensleben. So überschreiben die Wissenschaftler, was sie anhand der Knochen der Frau alles über ihr Leben sagen können. Die Frau war 1,64 Meter groß und als sie starb gerade einmal 25 Jahre alt. Die Frau habe offensichtlich auf dem Feld, für die Versorgung von Hof und Land schwer gearbeitet. Das verraten, so steht es auf der Tafel, die Lenden- und Brustwirbel dieser jung verstorbenen Frau. Kleinere Veränderungen an ihrem Skelett erzählen weiteres: Sie litt unter einer Mangel- und Fehlernährung, benutzte ihre Zähne als Werkzeug, vielleicht für Näharbeiten. Mindestens ein Kind hat sie geboren.

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Ausstellung zur Grabung in Gevensleben. Quelle: Ballhaus

Im Frühjahr 2016 wurden in der Ortsmitte von Gevensleben im Landkreis Helmstedt bei Baggerarbeiten in einem Gartenareal mehrere menschliche Knochen gefunden. Großes Glück sei es gewesen, so die Wissenschaftler, dass der Eigentümer seinen Fund gleich meldete. Jeder Eingriff in ein Bodendenkmal verursache unwiderrufliche Schäden an seinem Originalzustand. Ein Team mit dem Braunschweiger Bezirksarchäologen Dr. Michael Geschwind, der Kreisarchäologin Dr. Monika Bernatzky aus Helmstedt, Dr. Immo Heske vom Seminar für Ur- und Frühgeschichte der Universität Göttingen und der Anthropologin Dr. Silke Grefen-Peters übernahm die Untersuchung des Gräberfeldes. Es dürfte sich um ein frühmittelalterliches Gräberfeld handeln, war sich Heske nach einer ersten Begutachtung bereits sicher. Es füge sich gut in eine Reihe bereits bekannter zeitgleicher Bestattungsplätze im Braunschweiger Land ein.

Hinweise auf Alter und Bestattungsform

Das Gräberfeld umfasst 63 Verstorbene, die in 54 Gräbern beigesetzt wurden. Dabei handelt es sich um insgesamt 39 Erwachsene, vier Heranwachsende und 20 Kinder. Lediglich acht Bestattungen enthalten Gegenstände, darunter eine Perlenkette, eine eiserne Spitze eines Holzstabes, Messer und Gürtelschnallen. Ein erster Hinweis auf Alter und Bestattungsform. Beim Übergang zu frühchristlichen Gräbern wurden die Beigaben immer weniger, so lässt es sich in der Ausstellung nachlesen.

Mittels einer Radiokohlenstoffdatierung, so erklärt eine weitere Tafel der Schau, konnte nachgewiesen werden, dass der Mann aus Grab Nummer 16 zwischen 686 und 772 nach Christus gestorben sein muss. Der Ort Gevensleben ist also viel älter als bisher angenommen.

Interessant sind auch andere Schlüsse, die durch die Arbeiten am Gevenslebener Feld ins Rollen kamen. Prof. Hedwig Röckelein vom Seminar für Mittlere und Neuere Geschichte der Universität Göttingen wies beispielsweise nach, dass die Urkunde in der Gevensleben erstmals erwähnt wird nicht aus dem Jahr 1018 stammt. Sie ist rund 100 Jahre später ausgestellt worden. Das Projekt Gevensleben sei ein gelungenes Beispiel interdisziplinärer Zusammenarbeit zwischen Archäologen und Historikern an der Universität Göttingen, so Röckelein.

Öffnungszeiten

Ausstellung ist im Foyer des Kulturwissenschaftlichen Zentrums, Heinrich-Düker-Weg 14, bis zum 5. Mai jeweils montags bis freitags von 8 bis 21 Uhr und am Sonnabend von 10 bis 18 Uhr zu sehen.

Von Christiane Böhm