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Göttingen Auszüge aus einem 1997 geführten Interview mit dem RAF-Mitglied Stefan Wisniewski
Campus Göttingen Auszüge aus einem 1997 geführten Interview mit dem RAF-Mitglied Stefan Wisniewski
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17:51 11.08.2011
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Du bist zur hierzulande zulässigen Höchststrafe, zu lebenslänglicher Haft verurteilt worden und hast nun fast 20 Jahre abgesessen.
Die Revolution hab‘ ich trotzdem nicht verpasst … und aus heutiger Sicht muss natürlich unsere „Zeit der Ungeduld“ hinterfragt werden.
War die Idee der Schleyer-Entführung … ein direktes Resultat aus der Erkenntnis, Stockholm war ein Fehler?
Es war der falsche Weg. Das hat das Ergebnis gezeigt: vier Tote, auf beiden Seiten zwei, niemand war rausgekommen, im Gegenteil, die Zuspitzung wurde noch schärfer.
Du hast vorhin angesetzt, die Dynamik jener Zeit, 76/77, zu beschreiben. Da warst du bei Bundesanwalt Siegfried Buback. Der Anschlag auf ihn sollte die anderen Gefangenen schützen. Habt ihr erreicht, was ihr wolltet?
Nein, sonst hätten wir uns die weitere Eskalation ja ersparen können. Nach dem Tod von Holger Meins und dem Anschlag auf den obersten Berliner Richter, Günther Drenckmann, gab es im Spiegel ein Interview mit den Stammheimern, in seinem sie deutlich gesagt haben: Wenn es Beerdigungen gibt, wenn Schmerz, Leid und Trauer, dann auf beiden Seiten.
Welche Rolle hat es gespielt, dass ihr nach sechs Wochen Schleyer als Person kanntet?
Das … war bewegend und banal zugleich, wie bei jedem, der um sein Leben bangt. Aber Schleyer war auch zuletzt für uns nicht nur jemand, der eine Familie hat. … In der Logik der Aktion war dann auch das bittere Ende konsequent. Aber für unsere menschlichen und politischen Ziele war es ein Desaster. Wir waren so unheimlich konsequent, als es darauf angekommen wäre, menschliche Stärke und Großzügigkeit zu zeigen, und waren politisch so wenig radikal, sogar harmlos, als es darum ging, die gesellschaftlichen Verhältnisse umzuwälzen und zum Tanzen zu bringen.