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Göttingen Bachelor oder Master? In welchen Berufen lockt das meiste Geld für Berufseinsteiger?
Campus Göttingen Bachelor oder Master? In welchen Berufen lockt das meiste Geld für Berufseinsteiger?
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00:30 11.05.2019
Bachelor oder Master? In welchen Berufen lockt das meiste Geld für Berufseinsteiger? Quelle: dpa
Göttingen

„Judith, mach Deinen Abschluss. Sicher ist sicher“, hatte Liedermacher Bernd Begemann 1991 noch mit seiner Band „Die Antwort“ geraten. Heute ließe sich ergänzen: „Judith, mach Deinen Master. Besser ist besser.“ Zumindest beim Blick in den Geldbeutel lohnt sich der höhere Master-Abschluss gegenüber dem Bachelor. Zu diesem Ergebnis kommt eine Untersuchung des Gehaltsportal Gehalt.de.

Der Gehaltsunterschied zwischen Bachelor- und Masterabsolventen liegt bei 2800 Euro und mehr im Jahr. „Beschäftigte mit Bachelorabschluss verdienen in ihren ersten drei Jahren im Beruf rund 43.200 Euro jährlich. Absolventen mit Masterabschluss in der Tasche bezögen rund 46.000 Euro, heißt es im Ergebnis der Erhebung. Dazu hat Gehalt.de nach eigenen Angaben mehr als 13.000 Datensätze untersucht. Dazu seien Daten von Akademikern mit höchstens drei Jahren Berufserfahrung berücksichtigt und analysiert worden.

Einstiegsgehälter Quelle: Grafik Reyer

Hohe Verantwortung, hohes Gehalt

Risk Manager sind die großen Abräumer bei dem Gehältervergleich. Sie bekommen das höchste Einstiegsgehalt. Risikomanager wägen Risiken ab, die mit größeren unternehmerischen Entscheidungen verbunden sind, haben einen Überblick über die Kernzahlen einer Investition und entscheiden, ob diese lukrativ ist. Beschäftigte mit Mastertitel beginnen hier mit einem Bruttogehalt von 57.600 Euro. „Die hohe Verantwortung über die Summen, die bei großen Geschäften gezahlt werden, spiegelt sich im Gehalt des Risk Managers wider“, heißt es in der Gehaltsanalyse.

Auf dem zweiten Platz bei den Einstiegsgehältern bei Masterabsolventen befinden sich die Einkommen in der SAP-Beratung. Als Schnittstelle zwischen der IT und Betriebswirtschaft verdienen sie 52.900 Euro. Mitarbeiter in Technischer Forschung & Entwicklung (52.700 Euro), Ingenieure in der Produktion (51.500 Euro) und E-Technik-Ingenieure (50.000 Euro) verdienen schon zu Beginn ihrer Karriere gut.

IT-Berufe „besonders lukrativ“

Für Berufseinsteiger mit Bachelorabschluss sei eine Position in der IT-Beratung, -Analyse und -Konzeption „besonders lukrativ“, heißt es in der Analyse. Beschäftigte verdienten hier rund 50.000 Euro jährlich. Dicht dahinter folgten die Vertriebsingenieure mit einem jährlichen Bruttojahreseinkommen von 48.900 Euro. Auch Beschäftigte in der technischen Forschung & Entwicklung kämen nach dem Studium auf ein Jahreseinkommen in Höhe von 48.800 Euro. Account-Manager verdienten 47.300 Euro, Beschäftigte im Produktmanagement 45.400 Euro jährlich.

„Die Top-Berufe setzen sich für Master- als auch für Bachelorabsolventen vorwiegend aus den Arbeitsfeldern der Ingenieurs- und Wirtschaftswissenschaften zusammen“, fasst Gehalt.de die Auswertung zusammen.

Suche nach Ingenieuren für die Region Göttingen

Nach Einschätzung von Joachim Grube von der Göttinger Geschäftsstelle der Industrie- und Handelskammer Hannover seien es in der Region Göttingen vor allem Absolventen aus dem Ingenieurwesen gefragt. „Die Nachfrage geht breit über alle Branchen. Ingenieure im Maschinenbau, Elektrotechnik und Verfahrenstechnik werden gesucht. Der Bedarf in der Region ist da.“

Das Dilemma: In diesen Berufsbranchen bilde die Uni in Göttingen nicht aus, erläutert Grube. Hier sei allerdings Technische Universität in Clausthal ein „dickes Pfund“, das sehr viel biete, so Grube. Auch die PFH Private Hochschule Göttingen mit ihrem Studiengang Wirtschaftsinformatik gehe in diese Richtung.

Bio-Tech, Jura, Medizin

Christine Gudd, Sprecherin der Agentur für Arbeit Göttingen, erweitert die Liste der gesuchten Besuchten in der Region Göttingen. Eine „nennenswerte“ Nachfrage gebe es für folgende akademische Berufe: Sozialpädagogen, Ingenieure – hier insbesondere Elektro-, Wirtschafts-, IT-Ingenieure –, Absolventen der Studiengänge Informatik und Studiengänge mit IT-Ausrichtung, Biotechnologen, Juristen mit Spezialisierung und Ärzte.

 

Anteile der Akademiker im Bezirk Göttingen. Quelle: Grafik Reyer

Im Zuständigkeitsbereich der Göttinger Agentur liegt der Anteil der sozialversichert Beschäftigten mit akademischen Abschluss bei 15,1 Prozent. Von 177.601 Beschäftigten im September 2018 hatten 26.897 einen akademischen Abschluss. Davon wiederum 14,6 Prozent den Bachelor, 70,2 Prozent Diplom, Magister, Master oder Staatsexamen. 15,2 Prozent waren promoviert. Im Landkreis Göttingen lag der Anteil der sozialversichert Beschäftigten mit akademischen Abschluss bei sogar 17,2 Prozent. Von 131.483 Beschäftigten im September 2018 hatten 22.590 einen akademischen Abschluss. Gudd führt diesen Unterschied „insbesondere auf den Standort Göttingen und die Ansiedlung der Hochschulen und der Universitätsmedizin“ zurück.

Wenig arbeitslose Akademiker

Nach Auskunft von Gudd waren im März im Agenturbezirk Göttingen 1.087 Menschen mit einem akademischen Abschluss arbeitslos gemeldet. Das entspreche einem Anteil von 8,3 Prozent von 13.104 Arbeitslosen insgesamt. Gudd nennt Vergleichszahlen: 52,3 Prozent der Arbeitslosen im März verfügten über keine abgeschlossene Berufsausbildung, 36,9 Prozent hatten eine betriebliche oder schulische Ausbildung abgeschlossen, für 2,6 Prozent lagen keine entsprechenden Angaben vor.

Statistiken zeigten, so Gudd, dass die Arbeitslosigkeit in der Gruppe der Akademiker insgesamt am niedrigsten ist. „Das Risiko, ohne Ausbildung arbeitslos zu werden, ist wesentlich höher. Akademiker sind von Arbeitslosigkeit am wenigsten betroffen“, erläutert Gudd. Die Arbeitslosenquote unter Akademiker liegt nach Zahlen von 2018 im Agenturbezirk Göttingen bei 2,2 Prozent. In der Gruppe mit abgeschlossener Berufsausbildung liegt die Quote demnach bei 20,7 Prozent.

Tops und Flops bei Masterabsolventen Quelle: Grafik Reyer

Wenig Geld in der Kreativbranche

Die Verfasser der Gehaltsanalyse bei Gehalt.de räumen ein: Ein Studium sei kein Garant für Top-Einkommen. „Schon gar nicht zu Beginn der Karriere“, heißt es. Etwa dann, wenn es in den kreativen Bereich geht: So würden Berufseinsteiger in der Grafik mit Bachelor rund 29.900 Euro bekommen. Designer erhielten erst im späteren Verlauf ihres Berufslebens „signifikante“ Gehaltserhöhungen, viele Beschäftigte in diesem Berufsfeld machten sich außerdem später selbstständig. Wenig Geld zum Karriereanfang auch bei Architekten: Nach einem Bachelorabschluss verdienten sie in ihren ersten drei Jahren im Beruf rund 33.700 Euro.

„Architektinnen und Architekten zählen zu den am geringsten vergüteten akademischen Berufsgruppen der Baubranche. Ein Grund hierfür sind die vielen kleinen Architekturbüros, die sich keine Top-Gehälter leisten können. Große Büros sind wiederum begehrt und der Wettbewerb um einen Platz entsprechend stark“, erläutert Philip Bierbach, Geschäftsführer von Gehalt.de.

Die Berufeliste mit geringen Gehältern nach dem Master deckt sich der Gehaltsanalyse zufolge mit denen nach einem Bachelorabschluss: Auch mit Mastertitel verdienten Beschäftigte in der Gestaltung beziehungsweise Grafik mit einem Gehalt von 32.300 Euro im Vergleich am wenigsten. Arbeitnehmer in Redaktionen bezögen mit 32.700 Euro nicht viel mehr. Das Einkommen von Architekten liege bei 33.400 Euro und das in der Sozialarbeit bei 35.000 Euro.

Info-Angebote der Uni Göttingen

Außer bei der Agentur für Arbeit bietet vor allem die Universität Jobmessen und Beratungsmöglichkeiten Akademiker an. Eine kleine Auswahl an Angeboten:

Praxisbörse: Die Praxisbörse bietet an zwei Messetagen Möglichkeiten für erste Gespräche. Sowohl auf dem Nord- als auch auf dem Zentral-Campus können sich Studierende mit ausstellenden Unternehmen in Messeatmosphäre über Einstiegs- und Karrieremöglichkeiten austauschen. Kleine und mittelständische Unternehmen sind ebenso vertreten wie international agierende Konzerne. Die nächste Praxisbörse ist für den 21. und 22. Mai geplant.

Career Service: Der Career Service versteht sich als Brücke zwischen Studium und Arbeitswelt. Er ist über das Servicebüro der Studienzentrale Wilhelmsplatz 4, zu erreichen. Telefon: 05 51 / 3 92 46 42. E-Mail: career@uni-goettingen.de.

KaWirMento: Das Mentoringprogramm KaWirMento will Promovierende und Postdoktoranden auf den Weg aus der Wissenschaft in die Wirtschaft vorbereiten und sie bei diesem Schritt begleiten. Kontakt: Zentrale Koordination Mentoring, Heinrich-Düker-Weg 5, 37073 Göttingen. Telefon: 05 51 / 3 92 63 43. E-Mail: vera.bissinger@zvw.uni-goettingen.de.

Darüber hinaus gibt fächerspezifische Info-Angebote:

Jura: Seit 2010 veranstaltet die Juristische Fakultät der Georg-August-Universität Göttingen in Kooperation mit dem Messeveranstalter myjobfair jeweils im Dezember einen Fakultätskarrieretag, der Studierenden, Doktoranden und Referendaren vielfältige Informationen zum Berufseinstieg bietet. Der nächste in Göttingen ist für den 10. und 11. Dezember geplant.

Agrar: Das Netzwerk AgriCareerNet der Unis in Göttingen und Osnabrück entwickelt Weiterbildungsangebote für Fach- und Führungskräfte der Agrar- und Ernährungsbranche. Ansprechpartner sind in Göttingen unter Telefon 05 51 /  39 78 38 oder 397840 zu erreichen.

Sozialwissenschaften: Eine Informations- und Kontaktmesse für die Themen Praktikum, Berufseinstieg und Ehrenamt, die sich speziell an Studierende der Sozialwissenschaftlichen Fakultät richtet, ist die Sowi Go. Sie sei deutschlandweit eine der wenigen ihrer Art. Beteiligt seien Unternehmen, Vereine und sonstige Einrichtungen aus unterschiedlichen Branchen und Berufsfeldern, in denen AbsolventInnen sozialwissenschaftlicher Studiengänge später tätig sein könnten. Telefon: 05 51 / 3 91 35 76. E-Mail: sowigo@sowi.uni-goettingen.de

Von Michael Brakemeier

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