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Göttingen Hunderttausende Röhrchen mit gefrorenem Blut
Campus Göttingen Hunderttausende Röhrchen mit gefrorenem Blut
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16:19 28.03.2018
Christoffer Brünig zeigt die Aufbewahrung und die Arbeit mit den Proben, die nur unter großer Vorsicht möglich ist.
Christoffer Brünig zeigt die Aufbewahrung und die Arbeit mit den Proben, die nur unter großer Vorsicht möglich ist. Quelle: Christina Hinzmann
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Göttingen

„Die Untersuchung von Biomaterialien ermöglicht es Forschern, Diagnose und Therapie von Krankheiten wie Krebs, Alzheimer oder Multiple Sklerose zu verbessern“, erläutert die Leiterin der Biobank, die promovierte Molekularbiologin Sara Y. Nußbeck. Mit den anspruchsvoller werdenden Untersuchungsmethoden stiegen die Anforderungen an die Qualität der Proben. Damit sich diese im Laufe jahrelanger Lagerung möglichst wenig veränderten, würden sie zunehmend bei sehr tiefen Temperaturen gelagert. Materialien gingen bei minus 135 Grad Celsius vom festen in einen glasartigen Zustand über. Die Moleküle hörten auf, sich zu bewegen.

„Vor 15 Jahren entstanden die ersten Biobanken“, berichtet Privatdozentin Nußbeck. Sie baue so eine Einrichtung seit Januar 2015 in Göttingen mit mittlerweile zwölf Mitarbeitern auf. Die Universitätsmedizin investiere vier Millionen Euro in dieses Projekt. Seit 2017 finanziere ihnen das Bundesministerium für Bildung und Forschung im Drittmittelprojekt German Biobank Alliance für drei Jahre vier Stellen. Im April 2016 seien sie in das erste Untergeschoss des Versorgungsgebäudes an der Robert-Koch-Straße gezogen. Seit Mitte 2017 gebe es die ersten Einlagerungen.

Zentrallabor der Universitätsmedizin Göttingen

„Im Zentrallabor der Universitätsmedizin, wo sämtliche Blut-, Speichel- und Urinproben untersucht werden, sortiert ein Roboter in der Laborstraße kleine Mengen aus“, sagt Nußbeck. Sie würden in 0,3 Milliliter fassende und mit einem sogenannten 2D-Barcode versehene Röhrchen abgefüllt und schockgefroren. Gewebeproben aus dem Operationssaal würden in der Pathologie in Würfel mit einer Kantenlänge von jeweils bis zu acht Millimetern geschnitten und ebenfalls eingefroren.

„Wir holen die eiskalten Proben, die sich nur mit dicken, gepolsterten Handschuhe anfassen lassen, mit einem Kryo-Cart ab“, berichtet die Technische Assistentin Manuela Becker. Das Gefährt ähnele einem Einkaufswagen. Vor dem Einsatz befüllten sie es mit bis zu 50 Litern flüssigem Stickstoff. Dabei schützten sie sich gegen mögliche Spritzer mit einem Visier und einer Schürze. Eine Komplett-Füllung halte den Inhalt 13 Stunden kalt.

Stahltank der Biobank Göttingen fasst bis zu 180.000 Proben

„Derzeit lagern wir alle Proben in Stahltanks ein, in denen flüssiger Stickstoff bis zu 25 Zentimeter hoch steht“, sagt die Leiterin. Bis zu 180.000 Röhrchen passten in einen Tank. Auf zwei Millionen Proben sei die Biobank ausgelegt. „Wird ein einzelnes Röhrchen benötigt, holen wir die entsprechende Sammelbox heraus und stellen sie in eine innen immer noch minus 100 Grad Celsius kalte Kryo-Werkbank“, erläutert Mitarbeiter Christoffer Brünig. Mit gewärmten Handschuhe entnähmen sie die Röhrchen.

„Schneller wird das in unserem wie ein Überseecontainer großen Tiefkühllager gehen“, kündigt Nußbeck an. Darin übernehme ein Roboter die Arbeit. Er öffne die Fächer, in denen die Proben bei minus 80 Grad Celsius lagerten. Von dort hebe er sie in den Mittelgang, wo noch minus 20 Grad herrschten. Bei dieser Temperatur funktioniere die Mechanik des Roboters noch. Das Aussortieren der Proben finde in einem Modul bei minus 80 Grad statt.

Biobank der UMG Göttingen: Patient muss Einlagerung zustimmen

„Da wir die Proben nur mit Zustimmung des Patienten einlagern dürfen, werben wir für unsere Einrichtung“, berichtet die für Öffentlichkeitsarbeit und Finanzen zuständige Mitarbeiterin, Jeannette Löser. So bauten sie einmal im Monat einen Infostand im Foyer des Klinikums auf.

Von Michael Caspar

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