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Göttingen Biografie über Physiker Arnold Sommerfeld im Göttinger Wallstein Verlag
Campus Göttingen Biografie über Physiker Arnold Sommerfeld im Göttinger Wallstein Verlag
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21:22 15.08.2013
Von Angela Brünjes
Berater in Washington: Sommerfeld im Jahr 1923 vor dem Weißen Haus (Bild links). Naturpark bei Tokio: Physiker Hantaro Nagaoka (links) mit Sommerfeld (Bild rechts). Quelle: Verlag
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Göttingen

Schon im Dezember 1928 hatte er seinen Ärger darüber festgehalten und fand, „dass es sich allmählich zum öffentlichen Skandal auswächst, dass ich den Preis immer noch nicht bekommen habe“. Im Göttinger Wallstein Verlag ist die lesenswerte Biografie von Michael Eckert über „Arnold Sommerfeld. Atomphysiker und Kulturbote 1868-1951“ erschienen.

1928 war der gebürtige Königsberger ein angesehener deutscher Physiker. Sein Institut in München war eine Institution der theoretischen Physik, sein Leiter weltweit bekannt und im selben Jahr als Kulturbote in Indien, Birma und Japan unterwegs, im nächsten folgte eine Gastprofessur in Pasadena (USA). Wieder zehn Jahre später als die Nationalsozialisten an der Macht waren, musste er deren Anfeindungen nachgeben und sein Institut schließen.

Einstein was das Genie, Sommerfeld der Lehrer

„Planck war die Autorität, Einstein das Genie und Sommerfeld der Lehrer“, zitiert Eckert den Max-Planck-Biografen Armin Hermann. Um den bildhaften Satz über die wichtigen Repräsentanten des goldenen Zeitalters der Physik sogleich dahingehend zu entkräften, dass er Sommerfelds wissenschaftliche Leistungen und seinen Forschergeist in der Quanten- und Röntgenphysik gebührend darstellt. Ungelöste Probleme in der Elektronentheorie der Metalle hatte Sommerfeld angepackt, nach ihm benannte Theorien zeugen von der Nachhaltigkeit seiner Erkenntnisse. Er arbeitete mit dem dänischen Physiker Niels Bohr zusammen und ergänzte dessen Arbeiten zur Quantenphysik sowie das Bohrsche Atommodell maßgeblich.

Physiker Eckert ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Deutschen Museum in München. Seinem aktuellen Werk hat er vor Sommerfeld-Korrespondenz  und -Biografien zugrunde gelegt und so das Forscherleben rekonstruiert. Ihm ist ein spannender und aufschlussreicher Blick auf das Zusammenspiel der Forscher zu einer erkenntnisreichen Zeit der Physik gelungen. Für Leser mit Interesse an Göttinger Wissenschaftsgeschichte ist die Lektüre ein weiterer Gewinn.

Mekka der Mathematik

Sommerfeld kam 1893 nach Göttingen. In Königsberg hatte er im Fach Mathematik das Lehramtsexamen bestanden und den Doktorgrad erlangt. Nun strebte er eine akademische Laufbahn an – in Zürich oder im „Mekka der Mathematik“ von Felix Klein in Göttingen. Dennoch setzte er anfangs auf Mineralogie. Die Episode als Assistent beim aus Königsberg stammenden Mineralogen Theodor Liebisch endete bald. 1894 wechselte Sommerfeld zu Klein und zur physikalischen Mathematik.

Seine Karriere begann in Göttingen, wo er auch Johanna Höpfner kennenlernte und heiratete, und führte ihn nach Stationen in Clausthal und Aachen  1906 auf den Lehrstuhl für theoretische Physik der Universität München. Den hatte Sommerfeld gewissermaßen einem Göttinger Kollegen zu verdanken: Emil Wiechert hatte den Ruf abgelehnt und machte so Platz für Sommerfeld.

Michael Eckert: „Arnold Sommerfeld. Atomphysiker und Kulturbote 1868-1951“. Wallstein Verlag, 604 Seiten, 35 Abbildungen, 39,90 Euro.