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Göttingen Biographie über Friedrich Dahlmann erschienen
Campus Göttingen Biographie über Friedrich Dahlmann erschienen
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18:36 30.11.2010
Ein Göttinger Sieben: Friedrich Dahlmann (Holzschnitt von 1787).
Ein Göttinger Sieben: Friedrich Dahlmann (Holzschnitt von 1787).
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Der aus Bonn stammende Wissenschaftler Wilhelm Bleek, wo Dahlmann vor 150 Jahren am 5. Dezember starb, ehrt das Andenken an den Mann, der sich mit dem König anlegte, mit einer Biographie. Dass Dahlmann aber auch mit Rückschlägen und Restriktionen leben musste, machte Bleek in einem Vortrag, der gleichzeitig Vorstellung seines Buches über Aufstieg, Fall und Ruhm eines Göttinger Professors war, deutlich. Der emeritierte Professor für Politikwissenschaft der Ruhr-Universität Bochum sprach in einer vom Seminar für Politikwissenschaft der Universität Göttingen und vom Geschichtsverein für Göttingen und Umgebung organisierten Veranstaltung vor etwa 40 Zuhörern im Zentralen Hörsaalgebäude am Platz der Göttinger Sieben. In einer knappen Dreiviertelstunde Redezeit schaffte er es, einen lebhaften Eindruck von Dahlmanns Schaffen zu vermitteln, ließ das Publikum aber in Cliff-Hanger-Manier mit dem Wunsch nach mehr Ausführungen zurück. Die konnten anschließend sofort in gebundener Form erworben werden.
Bleeks Darstellung begann mit Dahlmanns Berufung an die Göttinger Georg-August-Universität im Herbst 1829 als Professor für Deutsche Geschichte und Staatswissenschaften. Für den auch mal unbequemen und für diese Eigenschaft damals bereits abgestraften Dahlmann sei die Ankunft im „Paradies“ Göttingen wie eine „Erlösung“ gewesen. Doch auch hier steckte sich der sowohl introvertierte als auch konsequente Wächter der Demokratie ein hohes Ziel.
Bleek sprach mit den Worten Dahlmanns: „Wir müssen versuchen, die Universität aus dem vormärzlichen Mief nach den Karlsbader Beschlüssen zu befreien.“ Im primären Fokus des „kühlen Norddeutschen“ aus Wismar stand aber der unverhohlene Protest gegen die Enthebung des hannoverschen Staatsgrundgesetzes im Jahre 1837 durch den damals amtierenden König Ernst August. „Da war Dahlmann wie Luther. Er sagte: Hier stehe ich, ich kann nicht anders“, beschreibt Biograph Bleek den Historiker und Politikwissenschaftler.
Die Göttinger Sieben wurden 1737 des Landes verwiesen, weil sie gegen König Ernst August von Hannover und seinen Verfassungsbruch protestiert hatten. Dahlmann, der die Protestation verfasste, wurde von seinen studentischen Anhängern für seinen Mut bejubelt. Stationen in Leipzig und Jena folgten bis Dahlmann 1842 den Ruf der Universität Bonn annahm. Sein Ruhm brachte ihm auch die Mitgliedschaft bei der Frankfurter Nationalversammlung 1848 und die Beteiligung an der Entwicklung der Paulskirchenverfassung von 1849 ein. Der bekannte Dahlmann war auch Mitglied der Delegation, die dem preußischen König Friedrich Wilhelm IV. die deutsche Kaiserkrone anbot. Später war der einstige Göttingen gefragter Ratgeber der Regierung und galt als politische Autorität.
Doch nicht nur die starke und öffentliche Seite Dahlmanns zeigte Bleek. Oft genug gab er kleine Einblicke, die Dahlmanns private Seiten zeigten: „Aus seiner kümmerlichen Kindheit hat er die Lehre gezogen, dass eine gute Ordnung nicht nur auf Freiheit beruht, sondern auch auf Ordnung. Dahlmann war wie eine Teetasse, die einen Sprung hat und eben dadurch länger hält.“ Im Rahmen seiner intensiven Recherchearbeit war Bleek, der inzwischen in Toronto (Kanada) lebt, auch auf Artefakte gestoßen und brachte eine Zeichnung, die Dahlmann vor dem Weender Nebentor zeigt, aus den Händen von dessen Ururgroßenkelin mit.

Wilhelm Bleek: „Friedrich Christoph Dahlmann. Eine Biographie“. Verlag C.H. Beck 2010, 491 Seiten mit 31 Abbildungen, 34,95 Euro.

Von Anna Kleimann