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Göttingen Chinesisch an Schulen: Große Nachfrage – aber kaum Lehrer
Campus Göttingen Chinesisch an Schulen: Große Nachfrage – aber kaum Lehrer
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09:29 25.08.2019
Das 1. Deutsche Chinesischlehrerforum hat am Donnerstag in Göttingen begonnen. Teilnehmer des dreitägigen Forums bearbeiten hier Aufgaben von Dozentin Dr. Meilin Jin, die einen Workshop zum Thema Aussprache und Phonetik geleitet hat. Quelle: Peter Heller
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Göttingen

20 Chinesischlehrer aus dem gesamten Bundesgebiet sind für drei Tage zum 1. Deutschen Chinesischlehrerforum nach Göttingen gekommen. Dort nahmen sie an Workshops von erfahrenen Kolleginnen teil, um sich auszutauschen und fortzubilden. An immer mehr Schulen wird Chinesisch unterrichtet, die Nachfrage ist groß. Gleichzeitig ist die Zahl der Lehrkräfte und Ausbildungsstandorte aber gering.

Dozentin Dr. Meiling Jin aus Frankfurt begrüßt die Teilnehmer zum ersten Workshop des Forums, zunächst auf Deutsch. Dann wechselt sie in die chinesische Sprache, vom einen auf den anderen Moment versteht der Autor dieser Zeilen kein Wort mehr. Dieses Problem haben die Teilnehmer des Workshops nicht: Im Seminarraum am Waldweg sitzen Chinesischlehrer und solche, die es noch werden wollen. Die Dozentin trainiert mit ihnen die Aussprache chinesischer Wörter und Sätze. Die Teilnehmer sprechen einfache Sätze wie: „Ich bin Schüler.“ Dabei kommt es darauf an, die richtige Tonhöhe zu finden. Diese kann die Bedeutung eines Wortes im Chinesischen komplett verändern.

Dr. Meilin Jin (M.) leitete zum Auftakt des Forums einen Workshop zum Thema Aussprache und Phonetik. Quelle: Peter Heller

Lehrkräfte sind an ihren Schulen oft „Einzelkämpfer“

Das 1. Deutsche Chinesischlehrerforum hat am Donnerstag in Göttingen begonnen. „Es ist wichtig, dass wir uns hier vernetzen“, sagt Dr. Antje Benedix aus Remscheid, eine von drei Dozentinnen, die hier junge angehende sowie berufserfahrene Chinesischlehrer fortbilden. „An unseren Schulen sind wir oft Einzelkämpfer, es gibt kaum Kollegen, die das Fach ebenfalls unterrichten.“

Chinesisch steht häufiger auf den Stundenplänen deutscher Schüler als noch vor einigen Jahren: An etwa 80 Schulen in zwölf Bundesländern wird die Sprache inzwischen als Wahlpflichtfach, zumeist mit Abituroption unterrichtet. „Die Zahl hat in den vergangen zehn Jahren zugenommen. Chinesisch ist inzwischen die verbreitetste nicht-europäische Sprache an unseren Schulen“, erklärt Prof. Andreas Guder, Veranstalter des Forums, das am Sonnabend zu Ende gehen wird.

Komplexität der Sprache erschwert freies Sprechen im Unterricht

In drei Workshops konnten sich die Teilnehmer dort austauschen und fortbilden. Neben dem Aussprachetraining thematisierte ein weiterer Workshop, wie man „interkulturelle Kompetenzen“ im Unterricht vermitteln kann: „Wissen über die Sprache, aber auch über die Kultur des Landes“, so Guder. Der dritte Workshop befasste sich damit, freies Sprechen im Unterricht authentischer zu gestalten. Das sei aufgrund der Komplexität der chinesischen Sprache zuweilen schwierig.

Warum braucht es ein Chinesischlehrerforum? Während die Verbreitung des Schulfachs zunimmt, gibt es nur wenige Standorte, an denen Chinesischlehrer ausgebildet werden. „Das geht nur an drei Universitäten in Deutschland“, betont der Veranstalter des Forums. „Die Studierendenanzahl und die Zahl der Referendare ist in den jeweiligen Bundesländern noch einstellig.“ Es herrsche daher großer Bedarf an Austausch und Fortbildung.

Die Zahl der Teilnehmer des Forums sei auf 20 beschränkt worden, um den Austausch zu erleichtern, obwohl es durchaus mehr Anfragen gegeben habe, so Guder. „Wir haben diejenigen ausgewählt, bei denen der Lebensweg klar in Richtung Chinesisch als Schulfach geht.“

Forderung nach mehr Referendariatsplätzen

Es sei wichtig, dass mehr Referendariatsplätze für angehende Chinesischlehrer geschaffen werden, betont er. „Wir sprechen von Lehrermangel und haben gleichzeitig nicht die Möglichkeit, angehende Lehrkräfte zu halten. Da müssen wir kreative Lösungen finden. Es sollte in jeder Universitätsstadt eine Schule geben, die das Fach unterrichtet.“ Das Problem: Damit an einer Schule ein Referendariat absolviert werden kann, braucht es zunächst erst mal eine Lehrkraft für das Fach – ein Teufelskreis.

Göttingen ist von dieser Problematik nicht betroffen. Die Stadt ist vielmehr das Zentrum bei der Ausbildung von Chinesischlehrern in Deutschland (siehe Info-Kasten). Er glaube, Chinesisch werde Englisch zwar nicht ablösen. „Chinesisch-deutscher Sprachaustausch wird aber durch Handelsbeziehungen mit China und durch Chinesen, die hier leben oder Deutschland bereisen, zunehmen“, sagt Guder.

Göttingen ist Zentrum bei Ausbildung von Chinesischlehrern

Deutschlandweit wird der Studiengang Chinesisch auf Lehramt nur an drei Universitäten angeboten. Nach Angaben der niedersächsischen Landesschulbehörde gibt es in Niedersachsen derzeit acht Chinesichlehrkräfte, zwei davon sind in Göttingen beschäftigt. Die Lehrer unterrichten das Fach an insgesamt elf Gymnasien und Gesamtschulen. Im vergangenen Schuljahr gab es noch zehn Chinesischlehrer im Land.

Während deutschlandweit Mangel herrscht, ist Göttingen das Zentrum für die Ausbildung von Chinesischlehrern. Prof. Andreas Guder ist seit 2016 Direktor des Akademischen Konfuzius-Instituts an der Georg-August-Universität in Göttingen und seit 2004 Vorsitzender des Fachverbandes Chinesisch. Das Akademische Konfuzius-Institut veranstaltete das 1. Deutsche Chinesischlehrerforum in Kooperation mit dem Fachverband Chinesisch und dem Ostasiatischen Seminar der Universität.

Zudem ist Guder deutschlandweit der einzige, der eine Professur für Fachdidaktik Chinesisch innehat. Derzeit unterrichtet er 20 Studenten im Masterstudiengang Chinesisch als Fremdsprache. Die Georg-August-Universität ist damit gewissermaßen das Zentrum in Sachen Ausbildung von Chinesischlehrern. Und auch das Abitur im Fach Chinesisch kann in der Leinestadt abgelegt werden: Das Hainberg-Gymnasium bietet dazu einen Oberstufenkurs auf Stadtleiste an. Das heißt, dass diesen Kurs auch Schüler anderer Göttinger Schulen belegen können.

Sie erreichen den Autor per Mail an redaktion@goettinger-tageblatt.de.

Lesen Sie mehr:
Biru Shi schloss im Jahr 2017 als erste Chinesisch-Lehrerin in Niedersachsen ihr Referendariat ab. Shi wurde unter anderem am Göttinger Hainberg-Gymnasium ausgebildet.

Von Filip Donth

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