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Göttingen Corona-Kontaktbeschränkungen: Schwere Symptombelastung bei Depressivität verfünffacht
Campus Göttingen Corona-Kontaktbeschränkungen: Schwere Symptombelastung bei Depressivität verfünffacht
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14:32 03.06.2020
Die Corona-Kontaktbeschränkungen wirken sich auf die Psyche aus. Quelle: dpa
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Göttingen

Die Corona-Kontaktbeschränkungen haben bei Depressivität die schweren Symptombelastungen verfünffacht. Darauf weisen die vorläufigen Ergebnisse eines neuen internationalen Forschungsprojekts der Privaten Hochschule Göttingen (PFH) unter Leitung von Prof. Youssef Shiban hin.

„Aktuelle empirische Untersuchungen zeigen, dass Quarantänemaßnahmen von psychologischen Auffälligkeiten wie Depressivität und Stressreaktionen begleitet werden können“, erklärt Shiban. Die zur Eindämmung von Covid-19 eingeführten Maßnahmen seien mit erheblichen Auswirkungen auf das psychische Wohlbefinden verbunden. Diese könnten weit über die akute Krise hinweg bestehen bleiben.

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Wie wirken sich die Maßnahmen aus?

Ein internationales Forscherteam unter Shibas Leitung untersucht die Auswirkungen der Beschränkungsmaßnahmen. „Ziel unserer Studie ist es, das Befinden der Bevölkerung während der Einschnitte durch die Covid-19-Pandemie in das gesellschaftliche Leben zu dokumentieren. Auch wollen wir belastende Faktoren untersuchen sowie den Einfluss von Resilienzfaktoren. Zum Beispiel wollen wir hilfreiche Emotionsregulationsstrategien erforschen“, sagt Shiban.

Bis jetzt nahmen rund 2000 Personen an dem Test teil, heißt es seitens der PFH. Eine erste Analyse der erhobenen Daten lasse einen deutlichen Trend erkennen: Im Vergleich zu einer Normierungsstichprobe ergaben sich deutliche Veränderungen bei der Symptombelastung der befragten Personen. Insbesondere für die Depressivität ist in den vorläufigen Daten ein deutlicher Unterschied im Vergleich mit den Stichproben zu finden.

Deutlicher Anstieg psychischer Belastung

Es ergibt sich eine Verfünffachung des Anteils an schwerer Symptombelastung im Vergleich zur Norm. Ein ähnlicher Trend zeichnet sich auch für die anderen erhobenen Störungen ab. So ist bei Essstörungen ein deutlicher Zuwachs bei einer mittleren und schweren Symptombelastung zu erkennen. „Zu Beginn der Pandemie haben wir mit einem Anstieg psychischer Belastung durch die Beschränkungsmaßnahmen gerechnet. Jetzt deutet sich an, dass dieser Anstieg erheblich sein könnte“, so Shiban.

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Von Anja Semonjek