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Göttingen Coronaforschung: UMG beteiligt sich an nationaler NAPKON-Kohortenstudie
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Covid-Forschung: UMG Göttingen beteiligt sich an Kohortenstudie der NAPKON

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08:00 20.01.2021
Prof. Blaschke und Krefting sind in eng in die Studie eingebunden.
Prof. Blaschke und Krefting sind in eng in die Studie eingebunden. Quelle: Alexander Fischer
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Göttingen

In Göttingen werden Daten und Bioproben wie Blut, Abstriche und Urin von Corona-Infizierten gesammelt, um die Forschung zum Virus voranzubringen. Die Universitätsmedizin Göttingen (UMG) ist an der Sammlung für die „sektorenübergreifende Kohorte“ im Nationalen Pandemie Kohorten Netz (NAPKON) des nationalen Netzwerks Universitätsmedizin (NUM) beteiligt. Als Kohorte wird in diesem Fall die Gruppe aus untersuchten Patienten bezeichnet. Bundesweit gehen in diese Sammlung Daten von SARS-CoV-2-infizierten Patienten ein, die stationär oder ambulant in Krankenhäusern und Arztpraxen aufgenommen sind oder behandelt werden.

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„Das positive Votum der Ethikkommission der UMG liegt vor. Anfang Januar haben wir damit begonnen, geeignete Patient*innen für die sektorenübergreifende NAPKON- Kohorte auszuwählen“, sagt Prof. Sabine Blaschke, Ärztliche Leitung der Zentralen Notaufnahme (ZNA) und verantwortlich für die wissenschaftliche Gesamtkoordination an der UMG. „Für die Studie werden wir nicht nur während des Krankenhausaufenthaltes klinische Daten von COVID-19-Patient*innen dokumentieren und Bioproben, wie Blut, Abstriche und Urin, sammeln, sondern auch die Patient*innen nach ihrer Entlassung über einen Zeitraum von einem Jahr weiter beobachten. Dadurch können wir neue Erkenntnisse zu den Langzeitfolgen der Erkrankung gewinnen“, sagt Blaschke.

Bereits 12000 Datensätze vorhanden

Um an der Studie teilnehmen zu können, müssen die Patienten über 18 Jahre alt sein, eine Covid-Infektion nachweisen können und eine schriftliche Einverständniserklärung vorlegen. Die Ausweitung der Studie auf Minderjährige sei in Vorbereitung. Bisher lägen klinische Daten von 10 000 mit Corona infizierten Patienten plus Daten von 2000 Menschen ohne Infektion als Kontrollgruppe würden dafür seit November 2020 bundesweit standardisiert erhoben, erfasst und dokumentiert, teilt die UMG mit.

In weiteren Kohorten sollen zusätzliche 20 000 mit einer Covid-Infektion sowie 4000 Menschen aus einer Kontrollgruppe aufgenommen werden. Dafür arbeiten alle deutschen Universitätskliniken und viele weitere Partner im Gesundheitswesen zusammen. Die gesammelten Daten werden in einer zentralen Plattform am Institut für Medizinische Informatik der UMG gespeichert, die Vorbereitungen dafür laufen an der UMG bereits seit August 2020 auf Hochtouren, heißt es weiter.

Aus der UMG fließen Daten und Bioproben von zunächst 50 Infizierten, die dort in stationärer oder ambulanter Behandlung sind, in die sektorenübergreifende Kohorte von NAPKON ein. Außer der Notaufnahme sind die Kliniken für Anästhesiologie, für Gastroenterologie, gastrointestinale Onkologie und Endokrinologie sowie für Nephrologie und Rheumatologie maßgeblich beteiligt. Unterstützt wird das Studienteam unter anderem vom Labor und der Zentralen Biobank der UMG.

Klinische Daten zentral im Studiensystem gespeichert

Um kurzfristig den Start der Kohorten zu ermöglichen, werden die Daten zunächst in der Forschungsinfrastruktur des Deutschen Zentrums für Herz- und Kreislaufforschung (DZHK) gesammelt. Die klinischen Daten der Teilnehmer würden zu diesem Zweck im Studiensystem des Instituts für Medizinische Informatik zentral gespeichert, heißt es in der Mitteilung.

Wo die Daten zukünftig liegen

Die Daten sollen zukünftig in einer eigenen Forschungsdatenplattform namens CODEX (Covid Data Exchange) des NUM verfügbar sein. Durch die Anbindung der Datenintegrationszentren sollen zukünftig die wichtigsten Daten der Covid-Patienten – der sogenannte GECCO-Datensatz – aus den Krankenhausinformationssystemen in einer zentralen Plattform zusammengeführt werden. Damit werden zwar nicht so detaillierte Informationen wie bei den Kohorten erhoben, es können aber mehr Patienten erfasst und insbesondere auch zeitnah Veränderungen im Verlauf und auch in der Behandlung von COVID-19 analysiert werden. Dies sei nach Angaben der UMG besonders wichtig, um die aktuelle Versorgungssituation kurzfristig bewerten zu können, aus der sich wiederum oft zeitkritische Maßnahmen zur Bewältigung der Pandemie ergeben. Auch hier ist das Institut für Medizinische Informatik der UMG an der Entwicklung beteiligt: Die Daten werden in Göttingen liegen. Die Infrastruktur für die zentrale Plattform wird von der Gesellschaft für wissenschaftliche Datenverarbeitung Göttingen (GWDG) bereitgestellt.

„Im Vergleich zu einer üblichen Studie werden hier sehr viele Informationen über die Teilnehmer*innen erhoben. Die sektorenübergreifende Plattform dokumentiert über 2.000 einzelne Datenpunkte, in der hochauflösenden Plattform werden es über 4000 sein“, sagt Prof. Dagmar Krefting, Leiterin des Instituts. „Außerdem sind über 200 dateneingebende Zentren geplant, für alle müssen Nutzerzugänge eingerichtet und abgesichert werden“, ergänzt Krefting. Darüber hinaus sei das Institut auch für die Annahme von Nutzungsanträgen und – bei Freigabe durch das wissenschaftliche Komitee – für die Herausgabe der Daten für Forscher zuständig.

Von Lea Lang / r