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Göttingen Deutscher Ethikrat diskutiert über Verantwortung der Wissenschaft beim Klimawandel
Campus Göttingen Deutscher Ethikrat diskutiert über Verantwortung der Wissenschaft beim Klimawandel
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15:39 23.10.2019
In der Alten Mensa am Wilhelmsplatz kamen die Mitglieder des Deutschen Ethikrats in Göttingen zusammen. Quelle: Christina Hinzmann / GT
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Göttingen

Müssen sich Klimaforscher noch energischer in die gesellschaftliche Debatte um den Klimawandel einmischen oder sollen sie sich auf das Fachliche beschränken? Bei der Herbsttagung des Deutschen Ethikrates am Mittwoch in Göttingen waren sich die Experten uneinig, wie aus wissenschaftlichen Erkenntnissen politische Forderungen und politisches Handeln entstehen können. Der Kongress stand unter dem Motto „Meinen-Glauben-Wissen: Klimawandel und die Ethik der Wissenschaften“.

Vertrauen in Wissenschaft groß, aber prekär

Unstrittig war, dass der Klimawandel durch menschliches Handeln verursacht und verstärkt wird. Neben der Evolutionstheorie sei kaum etwas so gut erforscht wie der Klimawandel, sagte der Vorsitzende des Ethikrates, Peter Dabrock. Das Vertrauen in die Wissenschaft bei diesem Thema sei groß, aber immer auch prekär. Eine Gefahr liege dort vor, „wo Meinen und Glauben als Wissenschaft ausgegeben werden.“ Die zweite Gefahr bestehe, wenn Wissenschaft als Sicherheit ausgegeben werde und einen dogmatischen Charakter bekomme. „Wissenschaft muss sich immer neu beweisen“, sagte Dabrock.

Nach Ansicht der Bremer Professorin für Mikrobiologie und Direktorin des Alfred-Wegener-Instituts für Meeres- und Polarforschung, Antje Boetius, muss die Wissenschaft als Konsequenz aus ihrer Arbeit auch politische Forderungen formulieren. Die Wissenschaftler hätten auch schon in der Vergangenheit Empfehlungen abgegeben, wie Klimaziele eingehalten werden könnten, die Politik habe diese aber „nicht so aufgegriffen“.

Bilder schaffen für die Politik

Die Empfehlungen müssten so gestaltet sein, dass sie überhaupt erst ankommen, sagte Boetius: „Wir müssen Bilder schaffen, Informationen einordnen, vereinfachen, übersetzen“. Dabei könne es nicht Aufgabe der Wissenschaft sein, alle zu überzeugen. „Wir können nicht darauf warten, dass Wissen noch sicherer ist.“

Der Hamburger Klimaforscher Hans von Storch beklagte dagegen, dass der Wissenschaft in der gesellschaftlichen Debatte um die Klimakrise immer häufiger das letzte Wort zugesprochen werde. Dies entwissenschaftliche die Wissenschaft und entpolitisiere die Politik, sagte Storch: „Wissenschaft und Politik nähern sich immer weiter an und verlieren dadurch ihre jeweiligen Stärken.“

Rolle des ehrliches Maklers

Die Wissenschaft und die Wissenschaftler sollten sich auf ihre Fachperspektive beschränken, verlangte Storch. Sie sollten die „Rolle des ehrliches Maklers“ annehmen, sich in ihre Büros zurückziehen und die Politik beraten, aber nicht selbst Politik machen. „Gute Wissenschaftler sind Fachidioten“, fügte er hinzu. Storch ist Professor an der Universität Hamburg und Gastprofessor an der Ozean Universität von China in Qingdao. Bis 2015 leitete er das Institut für Küstenforschung des Helmholtz Zentrums Geesthacht.

Das Stichwort: Deutscher Ethikrat

Der Deutsche Ethikrat ist ein unabhängiges Sachverständigen-Gremium. Er besteht seit 2008 und ist Nachfolger des im Jahr 2001 von der Bundesregierung eingerichteten Nationalen Ethikrates. Zu seinen Aufgaben gehört die Erarbeitung von Stellungnahmen zu ethischen Fragen sowie von Empfehlungen für politisches und gesetzgeberisches Handeln. Bislang hat der Deutsche Ethikrat 15 umfangreiche Stellungnahmen erarbeitet, unter anderen zu den Themen Anonyme Kindesabgabe, Intersexualität, Präimplantationsdiagnostik, Gendiagnostik, Patientenwohl und Big Data.

Die 26 Mitglieder werden je zur Hälfte von der Bundesregierung und vom Bundestag vorgeschlagen. Dieses Verfahren soll unterschiedliche ethische Ansätze und ein plurales Meinungsspektrum berücksichtigen. Die Unabhängigkeit der Mitglieder soll unter anderem durch das Verbot der Mitgliedschaft in Parlament und Regierung sichergestellt werden.

Vorsitzender des Deutschen Ethikrates ist seit 2016 der evangelische Theologe Peter Dabrock. Er ist Professor für Systematische Theologie mit dem Schwerpunkt Ethik an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg.

Von epd/lnb

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