Menü
Göttinger Tageblatt / Eichsfelder Tageblatt | Ihre Zeitung aus Göttingen
Göttingen Deutsches Zentrum für Luft und Raumfahrt forscht an Triebwerken
Campus Göttingen Deutsches Zentrum für Luft und Raumfahrt forscht an Triebwerken
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
18:16 04.01.2011
Anzeige

Die Wissenschaftler setzen hier bei einem sogenannten Mantelstromtriebwerk an. Der Effektivitätssteigerung liegt ein einfaches physikalisches Prinzip zugrunde: Die Effektivität der Schuberzeugung steigt, wenn die Geschwindigkeit des Luftstrahls am Triebwerksaustritt reduziert wird

Gleichzeitig sinkt der sogenannte Strahllärm, da die chaotische Wirbelbildung am Strahlrand – eine Hauptquelle der Geräuscherzeugung am Triebwerk – abnimmt. Dieser Luftstrahl wird durch den Bläser (Fan) vorne am Triebwerk erzeugt. Im Projekt Crisp II wird der Fan durch zwei gegenläufige ummantelte Rotoren gebildet. Dieses technisch nie realisierte Konzept bietet die Chance, sowohl das Gewicht als auch vor allem den Außendurchmesser zu verringern.

Die Herausforderungen beim modernen Triebwerkbau liegen vor allem in den schwer zu vereinbarenden Anforderungen, Triebwerke einerseits umweltfreundlicher (weniger Treibstoffverbrauch bedeutet auch weniger CO2-Emissionen), aber andererseits auch leiser zu bekommen – beides ist nur mit einem Kompromiss zu erreichen. „Studien zeigen, dass neuartige Triebwerke mit gegenläufigen Rotoren ohne Ummantelung am wenigsten Treibstoff verbrauchen würden. Durch die nicht vorhandene Ummantelung fehlt allerdings auch eine Lärmdämmung – das Triebwerk wäre deutlich lauter. Ziel unserer Forschung ist es, ein effizientes und leises Triebwerk zu entwerfen“, sagt Crisp II-Projektleiter Dr. Eberhard Nicke vom DLR-Institut für Antriebstechnik.

Crisp II baut auf den Ergebnissen von Crisp I, einem Gemeinschaftsprojekt des DLR und des deutschen Triebwerkeherstellers MTU auf. Von 1985 bis 2000 arbeiteten die Partner bereits an einem Triebwerk mit gegenläufigen Fans. Seit der Entwicklung von Crisp I Ende der 1980er Jahre wurden große technologische Fortschritte insbesondere bei der detaillierten Strömungs- und Festigkeitsberechnung, der Lärmprognose, dem Leichtbau und in vielen anderen für den Triebwerkbau notwendigen Bereichen gemacht.

Im Projekt Crisp II arbeiten das DLR-Institut für Antriebstechnik in Köln, das Institut für Aeroelastik in Göttingen und das Institut für Bauweisen- und Konstruktionsforschung in Stuttgart eng zusammen. In der dreijährigen Laufzeit wollen die DLR-Institute unter anderem eine neue CFK-Bauweise (kohlenstofffaserverstärkter Kunststoff) für die Fertigung der einzelnen Schaufeln der Rotoren verwenden. Die Wissenschaftler haben dadurch Gestaltungsraum für die Schaufeln, um ein effizienteres und leiseres Triebwerk zu entwerfen.

eb