Menü
Göttinger Tageblatt / Eichsfelder Tageblatt | Ihre Zeitung aus Göttingen
Anmelden
Göttingen Die Zukunft von Steuern und Besteuerung
Campus Göttingen Die Zukunft von Steuern und Besteuerung
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
16:06 30.11.2017
Das Podium: Ernst Hüdepohl, Jens Blumenberg, Andreas Oestreicher, Robert Schwager und Marius Möller (v. l.). Quelle: Swen Pförtner
Anzeige
Göttingen

Um „Steuern und Besteuerung im Zeitalter der Digitalisierung“ ist es bei einer Podiumsdiskussion in der Alten Mensa am Wilhelmsplatz gegangen. Organisiert wurde sie von Mitgliedern des Studiengangs „Steuerlehre“ an der Universität Göttingen. Zu Gast waren Ernst Hüdepohl vom niedersächsischen Finanzministerium, Prof. Clemens Fuest, Präsident des ifo-Instituts, und Marius Möller von der PricewaterhouseCoopers GmbH.

Aus Sicht von Wissenschaft, Beratung, Unternehmen, Finanzverwaltung und Politik sollte die Frage nach Steuern und Besteuerung in einer Zeit der Digitalisierung beleuchtet werden. Die Gäste standen stellvertretend für diese Bereiche. Hüdepohl berichtete von veränderten Arbeitsweisen der Finanzverwaltung. Die Software Elster, die elektronische Steuererklärung , werde immer mehr genutzt. Sie soll „möglichst maschinelle Bearbeitung im Massenverfahren“ ermöglichen. Zudem laufe der Konsens-Verbund. Mit einem Jahresbudget von 167 Millionen Euro wollen der Bund und die Länder die Informationstechnik der Steuerverwaltung vereinheitlichen – und natürlich weiterentwickeln. Weitere Herausforderungen warten laut Hüdepohl. Eine der größten könnte mit einem Urteil kommen, das Anfang 2018 über die Verfassungskonformität der Grundsteuer entscheidet. Eine Neubewertung von 35 Millionen Einheiten drohe. Sollte das passieren, „können wir nur hoffen, dass wir bis 2026 Zeit bekommen, das umzusetzen“, erklärte Hüdepohl.

Anzeige

Die Digitalisierung ziehe laut Hüdepohl auch eine Neubewertung rechtlicher Fragen nach sich. Mit Blick auf Online-Händler wie Amazon und Zalando, Kooperationsplattformen wie Airbnb und Uber sowie die Datennutzung von sozialen Medien müsse geklärt werden, wo die Steuer anfalle.

Als Mann aus der Praxis sprach Möller über „Steuerberatung jenseits von Aktenbergen“. Er sieht die Digitalisierung als Möglichkeit zur Steigerung der Effizienz – und zu einer Reduzierung der Zahl der Steuerberater. So vereinfachten Apps die Steuererklärung für Menschen die in unterschiedlichen Ländern arbeiten und nutzen dafür GPS. Und die Frage nach dem Inhaus-Verzehr oder Mitnahme von Lebensmitteln in Imbissketten, beides werde unterschiedlich besteuert, werde kontrolliert über Wetterdaten. Sein Resümee: „Vieles funktioniert heute schon, ganz sicher aber morgen.“

Über die „Herausforderung der Digitalisierung für die Steuerpolitik sprach Fuest. Seine Einschätzung: „Wie bekommen Märkte, in denen Tausch eine Rolle spielt.“ So spiele auf der Plattform Blabla-Car, auf der Fahrer und Mitfahrer zueinander finden, nicht nur der Preis eine Rolle, sondern auch Eigenschaften: „Unterhält sich der Mitfahrer gerne?“ Weitere Veränderungen sieht Fuest in der wachsenden Mobilität. So sei die Firma Apple Operations International, die die Apple Inc.mit Sitz in den USA mit der Entwicklung neuer Smartphones beauftrage, zwar in Irland eingetragen, sei steuerrechtlich aber heimatlos. Als Leitlinie gab Fuest aus, dass dort besteuert werden müsse, wo die Wertschöpfung passiere.

Einig waren sich die Experten darüber, dass die Digitalisierung einen Wettbewerb der Steuersystem fördere. Fuest nannte das „die Auseinandersetzung zwischen Staaten“.

Prof. Jens Blumenberg von der Göttinger Universität lenkte schließlich den Blick auf die „Digitalisierung aus Sicht der steuerberatenden Berufe“. Seine These: Steuerberater müssen sich andere Felder suchen, internationaler aufstellen. Möller pflichtete bei: „Die Tätigkeit wird sich radikal ändern. Der rein deutsche Steuerberater ist in einer digitalisierten Welt nicht mehr denkbar.“ Eine Sicht, die einige der anwesenden Steuerberater nicht teilten. Einer erklärte: „Unseren Mandanten sind teilweise noch im Mittelalter.“

Von Peter Krüger-Lenz

29.11.2017
29.11.2017
Göttingen Niedersächsischer Gesundheitspreis - Klinikum für mHealth-Projekt ausgezeichnet
28.11.2017