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Göttingen Die erste kommerzielle Außenplattform Europas schwebt im All
Campus Göttingen Die erste kommerzielle Außenplattform Europas schwebt im All
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14:00 13.03.2020
Die Nutzlastplattform „Bartolomeo“ dockt nun an das Europäische Forschungslabor „Columbus“ an. Quelle: r
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Göttingen/Florida

Die in Göttingen getestete Plattform „Bartolomeo“ ist erfolgreich ins All gestartet. Von Florida aus startete die Rakete „SpaceX CRS-20“ am 6. März mit der Plattform im Gepäck. Die in Deutschland gebaute und im Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Göttingen getestete Plattform sei laut DLR ein „großer Schritt in Richtung kommerzieller Raumstationsnutzung in Europa.“

Bartolomeo ist eine Nutzlastplattform von Airbus für die Internationale Raumstation (ISS). Sie dockt an das Europäische Forschungslabor „Columbus“ an, das seit dem Jahr 2008 im All ist. Sie bietet Firmen und Forschungseinrichtungen ideale Bedingungen, ihre Experimente und Technologieentwicklungen einfach und direkt den Bedingungen des Weltraums auszusetzen.

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Kommerzialisierung der Raumstation

„Mit dem ,Forschungsbalkon’ Bartolomeo startet die ISS in ein neues Zeitalter. Das Projekt ,made in Germany’ treibt die Kommerzialisierung der Raumstation spürbar voran“, sagt Walther Pelzer, Vorstand im DLR. Bartolomeo biete als erste private Außenplattform Europas auf der ISS Firmen und Forschungseinrichtungen die einmalige Chance, ihr Projekt einfach und schnell im Weltraum zu entwickeln.

Nach den umfangreichen Tests zum Schwingungsverhalten am Göttinger DLR-Institut für Aeroelastik und erfolgreichen letzten Tests in Florida stand dem Start nichts mehr im Wege. Die Plattform wurde von Airbus in Bremen gebaut und soll gemeinsam mit dem Columbus-Kontrollzentrum am DLR-Standort Oberpfaffenhofen betrieben werden.

Die Plattform wird laut DLR folgendermaßen im Weltraum montiert: Zunächst bringt sie der kanadische Roboterarm an ihren Bestimmungsort und fixiert sie. In einem letzten Schritt übernehmen zwei Astronauten in einem Außenbordeinsatz die elektrische Installation. Mit ihren Abmessungen von zwei Mal zweieinhalb Metern wird die neue, 484 Kilogramm schwere Plattform den verfügbaren Platz auf einer Art Forschungsbalkon an der ISS um zwölf Experiment- und drei Antennenplätze erweitern.

Tests wie in keinem Labor der Erde

„Von der neuen Plattform werden Strahlenbiologen, Astro- und Sonnenphysiker, Erdbeobachter, Atmosphären- oder Klimaforscher profitieren“, betont Julianna Schmitz, die im DLR für ISS-Kommerzialisierung zuständig ist. Besonders geeignet sei Bartolomeo zur Technologieerprobung und -validierung. „Hier existieren einzigartige Möglichkeiten, die in keinem Labor der Erde erreicht werden, weil optische Sensoren, Materialien, Robotikkomponenten und Antennen in direkter Weltraumumgebung getestet werden können“, so Schmitz.

Gerade kommerziell motivierte Experimente sollen durch Bartolomeo einen vereinfachten und schnellen Zugang zur Raumstation erhalten. Dazu vertreibt Airbus als Hersteller von Bartolomeo diese Fluggelegenheiten auch an Forschung und Industrie. Laut Hersteller gibt es eine Preisspanne von 300 000 bis 3,5 Millionen Euro Jahresmiete je nach Nutzlastgröße.

Darin enthalten seien die Unterstützung der Nutzer bei der Experimententwicklung und Sicherheitszertifizierung, der Flug zur ISS, die Installation mit dem Roboterarm, der Experimentbetrieb und letztendlich die Messdaten. Dabei ist die Industrie nicht reiner Auftragnehmer. Airbus hat für die Entwicklung, den Bau und den Betrieb von Bartolomeo eigene Finanzmittel in Höhe von 40 Millionen Euro investiert und die Plattform partnerschaftlich mit der „European Space Agency“ (ESA) realisiert.

Das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt

Das DLR ist das Forschungszentrum der Bundesrepublik Deutschland für Luft- und Raumfahrt. Seine umfangreichen Forschungs- und Entwicklungsarbeiten in Luftfahrt, Raumfahrt, Energie, Verkehr, Sicherheit und Digitalisierung sind in nationale und internationale Kooperationen eingebunden. Über die eigene Forschung hinaus ist das im DLR angesiedelte Raumfahrtmanagement im Auftrag der Bundesregierung für die Planung und Umsetzung der deutschen Raumfahrtaktivitäten zuständig. Die Mission des DLR umfasst die Erforschung von Erde und Sonnensystem und die Forschung für den Erhalt der Umwelt.

Das DLR besitzt 26 Standorte deutschlandweit, einen davon in Göttingen. „Göttingen gilt als die Wiege der modernen Aerodynamik“, heißt es vonseiten der DLR. In der Stadt wurde 1907 die weltweit erste staatliche Luftfahrtforschungseinrichtung gegründet. Seitdem werden hier wichtige Grundlagen der modernen Luftfahrt erforscht. Heute arbeiten im DLR Göttingen etwa 480 Fachleute an den Flugzeugen, Raumschiffen und Hochgeschwindigkeitszügen der Zukunft.

Von Anja Semonjek

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