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Göttingen Diese Fächer sind an der Uni Göttingen vom Aussterben bedroht
Campus Göttingen Diese Fächer sind an der Uni Göttingen vom Aussterben bedroht
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09:54 09.09.2019
Bleiben die Studierenden aus, werden Studienfächer gestrichen. Auch an der Uni Göttingen wird über den Verbleib bestimmter exotischer Fächer diskutiert. (Symbolbild) Quelle: dpa
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Göttingen

Sogenannte Orchideenfächer werden auch an der Universität Göttingen angeboten. Damit sind seltene Studienfächer gemeint, die nur von wenigen Studierenden belegt werden. Die Daseinsberechtigung mancher Studiengänge ist umstritten: Einerseits schreiben sich nicht besonders viele Studierende dafür ein, andererseits soll das Angebot vielfältig bleiben.

John Brüne vom Allgemeinen Studierendenausschuss Göttingen sagt dazu: „Um die kleinen Fächer an der Universität steht es sehr schlecht. Im letzten Jahr wurde trotz studentischer Gegenstimme im Senat die Indologie geschlossen, in diesem Jahr plante man die Finnougristik einzustellen.“ In der Indologie waren nach Angaben der Universität im Wintersemester 2018/19 28 Studierende im Bachelor-Studiengang eingeschrieben. Im Bachelor-Studiengang der Finnisch-Ugrischen Philologie waren es 16 Studierende.

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Nach Angaben von Brüne hat sich der AStA immer wieder gegen die Schließung der Finnougristik ausgesprochen und auch die entsprechenden Gremienvertreter dazu angewiesen. Jetzt fordert der AStA eine Wiederbesetzung der Professur in Göttingen. „Eine Volluniversität wie unsere zeichnet sich besonders durch ihre Diversität und Vielfalt in Lehre und Forschung aus, zu der die kleinen Fächer wesentlich beitragen.“ Aus diesem Grund hat der AStA eine Online-Petition ins Leben gerufen, um die Finnougristik zu retten. Die Petition wurde von 1517 Unterstützern unterzeichnet.

Quelle: Universität Göttingen, Grafik: Tater

Noch keine finale Entscheidung gefallen

Eine Sprecherin der Universität Göttingen bestätigte, dass der Studiengang Indologie ausläuft: „Im Zuge der Entwicklungsplanung hat die Philosophische Fakultät beschlossen, den Bachelor-Teilstudiengang Indologie zum Studienjahr 2019/20 zu schließen.“ Bezüglich einer möglichen Schließung der Finnougristik sei aber noch keine finale Entscheidung gefallen: „Die Philosophische Fakultät erwägt, die vorhandene Professur für Finnougristik beim Ausscheiden des Amtsinhabers 2023 nicht wiederzubesetzen, sofern sich bis dahin keine andere Finanzierungsmöglichkeit findet.“ Nach Angaben der Sprecherin der Universität soll beim nächsten Treffen des Fakultätsrates über das Schicksal der Finnougristik entschieden werden.

Was ist Finnougristik?

Damit beschäftigt sich die Finnougristik

Das Finnisch-Ugrische Seminar Göttingen wurde 1947 gegründet und ist damit das älteste in Deutschland und das einzige in Niedersachsen. Gegenstand des Studiums ist der Erwerb von Kenntnissen in Sprache und Kultur der finnisch-ugrischen Völker. Ein besonderer Fokus wird auf die Esten, Finnen, Ungarn, Lappen sowie die dazugehörigen Völker der Russischen Föderation gelegt.

Während des Bachelor-Studiums müssen die Studierenden zwei der drei Sprachen Estnisch, Finnisch und Ungarisch lernen. Außerdem sollen den Studierenden sprachwissenschaftliche, kulturelle und kulturhistorische Kompetenzen vermittelt werden. Auch die Verbindungen der Gebiete zum deutschsprachigen Raum werden im Studienfach behandelt.

Die möglichen Berufsfelder gehören im Wesentlichen in den praktischen Bereich des Interkulturellen. Absolventen könnten also beispielsweise Übersetzer oder Kulturschaffende mit einschlägigen Schwerpunkten werden. Gegebenenfalls sind für solche Berufsfelder zusätzliche Ausbildungen nötig. wie

Kommt es wie bei der Indologie zur Schließung des Studiengangs, haben alle Studierenden noch Bestandsschutz. Das heißt, dass sie normal zu Ende studieren können, aber keine neuen Studierenden mehr aufgenommen werden. Brüne: „Ganz so normal ist es meistens nicht, da das Lehrangebot stark zurückgefahren wird und man sich als Studierender wirklich bemühen muss, noch alle ausstehenden Prüfungen ablegen zu können.“

„Auswahl an Veranstaltungen ist echt groß“

Henrik Anders studiert an der Universität Göttingen das Fach Antike Kulturen: „Das Fach teilt sich in zwölf Schwerpunkte auf. Das kann in Richtung Theologie, Philologie, Archäologie, Ägyptologie und Geschichte gehen.“ Dadurch gebe es viele Überschneidungen mit anderen Fächern. „Die Auswahl an Veranstaltungen ist echt groß“, sagt er.

Er persönlich setze sich gern mit Geschichte auseinander, „und Teile der Antike wie die Römer oder Griechen haben mich schon immer interessiert“. Aus diesem Grund habe er sich schon sehr früh in Richtung Geschichte bewegen wollen. Für Antike Kulturen habe er sich letztlich entschieden, weil er sich in diesem Studiengang mit allen Bereichen der Antike befassen könne.

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„Beruflich kann es nach dem Studium in unterschiedliche Richtungen gehen“, sagt Anders. Es gebe den klassischen Weg in Richtung Historiker oder Forschung, den viele einschlügen. Jedoch gibt es nach seinen Angaben auch ungewöhnlichere Möglichkeiten. „Zum Beispiel könnte man in die Film- oder Spielindustrie gehen. Dort werden auch Fachexperten gebraucht, die sich mit dem historischen Kontext auskennen.“

„Inwiefern die kleinen Fächer erhalten bleiben, kann ich nicht sagen. Es ist leider so, dass sie nur von sehr wenigen studiert werden und sich daher wirtschaftlich für die Uni nicht rentieren“, sagt John Brüne. Noch ist aber Zeit, sich für ein kleines Fach zu bewerben. Die Fächer sind meistens zulassungsfrei, wodurch es bis 30. September möglich ist, sich dafür einzuschreiben.

Studiengang Materialwissenschaften läuft aus

Der Studiengang Materialwissenschaften ist ein auslaufender Studiengang. „Die Fakultäten erhalten das Angebot für den Bachelor- und den Masterstudiengang jeweils bis einschließlich vier Semester nach Ende der Regelstudienzeit der letzten aufgenommenen Kohorte aufrecht“, sagt Isabel Trzeciok von der Fakultät für Chemie.

Dadurch hätten alle Studierenden die Möglichkeit, den Studiengang zu Ende zu studieren. Module, die fachübergreifend sind, werden auch auch danach noch weiter angeboten. Trzeciok: „Für die letzte Bachelor-Kohorte konnten wir leider keine direkte Aufnahme des Master-Studiums mehr ermöglichen.“ Die Betroffenen bekommen nach Angaben von Trzeciok dafür aber ein Beratungsangebot von der Universität zur Verfügung gestellt, um nach Alternativen zu suchen.

Eine Möglichkeit wäre dann, den Standort zu wechseln, die andere wäre, das Studium so umzugestalten, dass in Göttingen ein Masterstudium der Chemie oder Physik aufgenommen werden könne.wie

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