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Göttingen Digital Humanities: Wenn Geisteswissenschaftler Fragen an Big Data stellen
Campus Göttingen Digital Humanities: Wenn Geisteswissenschaftler Fragen an Big Data stellen
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17:10 15.10.2019
Jan Steyer, Student der Allgemeinen Sprachwissenschaften, hat die Plakate zu 3D-Modellen entworfen und zeigt die Pyramide auf seinem Handy in 360°-Ansicht. Quelle: lel
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Göttingen

Digital Humanities werden als Studiengang im kommenden Jahr an der Universität Göttingen angeboten. Doch was steckt hinter dem Begriff, wie ändern sich die Geisteswissenschaften dadurch? Eine Ausstellung im Kulturwissenschaftlichen Zentrum (KWZ) klärt darüber auf.

„Digital ist heute Standard – auch die Methoden der Geisteswissenschaften haben sich damit geändert“, sagte Studiendekan Prof. Albert Busch bei der Eröffnung vor etwa 40 Besuchern im KWZ-Foyer. Die Digital Humanities verbinden Geisteswissenschaften mit Informatik. Dabei entstehen neue Methoden zur Vergegenwärtigung der Wissensinhalte. „Die Wissenshorizonte wachsen zusammen. digitale Werkzeuge ermöglichen Auswertungen und Analysen, von denen man früher nur träumen durfte“, so Busch. Trotzdem wird die Ausstellung von Postern dominiert, die viel Stoff zum Lesen geben. Aber auch auf dem nicht-digitalen Papier verstecken sich weitere Inhalte.

Geisteswissenschaftler verschiedener Disziplinen haben sich digital mit ihrer Forschung beschäftigt – und machen mit den neuen Methoden weiter.

QR-Codes entführen nach Yukatan

Auf einigen der Ausstellungsplakate sind QR-Codes aufgedruckt. Diese kann der Besucher mit seinem Smartphone scannen und beispielsweise die Kukulcán-Pyramide in Yukatan virtuell besichtigen – in 360°. Archäologen bekommen durch solche Scans einen neuen Blickwinkel auf Funde – und können auch unwiderbringlich verlorenes virtuell betretbar machen. „Die Datei zur Pyramide liegt auf dem Sketchfab-Server – das ist quasi das Instagram für 3D-Modelle“, sagt Jan Steyer, Student der Allgemeinen Sprachwissenschaften.

Steyer faszinieren die digitalen Möglichkeiten, die nun in die Geisteswissenschaften einfließen und andersherum. „Vor zwanzig Jahren war es noch nicht vorstellbar, dass wir aus Fotomaterial von Bauwerken oder anderem dreidimensionale Objekte erstellen könnten, die jeder Mensch mit Smartphone weltweit abrufen kann“, so der angehende Sprachwissenschaftler. Steyer hat die Plakate zur 3D-Erfassung entworfen, obwohl er kein Primärstudent der Digital Humanities ist. Er sammelt seit dem Sommersemester Credit Points für ein Zertifikat des neu gegründeten Instituts, um seine Kompetenzen zu erweitern.

Master startet im Sommersemester 2020

Zertifikate, Schlüsselqualifikationen und Modulpakete für Master anderer Fachrichtungen bietet das Institut für Digital Humanities an der Philosophischen Fakultät bereits an. Der Masterstudiengang Digital Humanities startet im Sommersemester 2020, im Wintersemester folgt dann der Bachelorstudiengang. „Ich sehe die Digital Humanities aber auch als attraktives Beifach“, so Martin Langner, Professor für Klassische Archäologie und ihre digitale Methodik. „Die Informatik hat die Komplexität der Daten erkannt und kann viel mit Datensätzen errechnen. Die Geisteswissenschaften arbeitet aber viel mit Menschen – und die sind nicht exakt vermessbar“, so Langner. „Wir haben die Big Data und die Tools der Informatik, aber wir als Linguisten, Archäologen oder Philosophen müssen die richtigen Fragestellungen dazu erarbeiten“, so Steyer.

Mit der Ausstellung sollen mehr Studierende angeworben werden. „Die Methoden zeigen auf, was alles schon möglich ist“, so Jörg Wettlaufer, Koordinator Digitalisierung Studium und Lehre. 2004 sei der Begriff der Digital Humanities erstmals aufgetaucht durch das Buch „A Companion to Digital Humanities“. Seitdem tuschelten Geisteswissenschaftler über diesen Zweig, mittlerweile sei die Fachrichtung aber emanzipiert – und Göttingen treffe mit den neuen Studiengängen einen Nerv. „Künstliche Intelligenzen ermöglichen Untersuchungen, die lange nicht möglich waren“, so Wettlaufer. „Mir hat dieser Ansatz im Studium gefehlt. Und der Einstieg lief reibungslos“, so Steyer. Er könne das Institut nur empfehlen.

Info: Die Ausstellung steht bis zum 20. November und ist innerhalb der Öffnungszeiten des KWZ frei zu besichtigen.

Selbstverständnis des Instituts für Digital Humanities

Das Institut für Digital Humanities ist Ende August 2018 an der Philosophischen Fakultät der Georg August Universität Göttingen neu errichtet worden und verfügt über die beiden Abteilungen „Text und Sprache“ und „Bild und Objekt“. Es dient dem Ziel, die Forschungs- und Lehraktivitäten an der Georg-August-Universität Göttingen auf dem Gebiet der Digital Humanities zu koordinieren, durchzuführen und weiterzuentwickeln. Das Institut für Digital Humanities grenzt sich dabei vom Göttingen Centre for Digital Humanities (GCDH) dadurch ab, dass es als Institut der Philosophischen Fakultät rein innerfakultäre Aufgaben in Forschung und Lehre übernimmt, während das GCDH als fakultätsübergreifendes universitäres Zentrum am Göttingen Campus einem breiten Spektrum digital arbeitender Wissenschaftler aus den Geistes- und Sozialwissenschaften ein Forum zum wissenschaftlichen Austausch bietet und campusweite Initiativen in den Digital Humanities koordiniert.

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