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Göttingen Digitalisierung: Göttinger Forscher und AOK Niedersachsen arbeiten in Kooperationsprojekt
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Digitalisierung: Göttinger Forscher und AOK Niedersachsen arbeiten in Kooperationsprojekt

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16:00 09.10.2020
Ohne Mitgestaltung und Anerkennung von Mitarbeitern könne die Arbeitsfähigkeit von Beschäftigten in der digitalisierten Arbeitswelt verringert werden, hat das Sofi festgestellt. Quelle: dpa
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Göttingen

Das Soziologische Forschungsinstitut Göttingen („SOFI“) hat einen ersten Zwischenbericht des auf fünf Jahre angelegten gemeinsamen Innovationsprojekts mit der AOK Niedersachsen „Gesundheit in der Arbeitswelt 4.0“ vorgelegt. Mitgestaltung und Weiterbildung im Digitalisierungsprozess, steigende Leistungsanforderungen und damit verbundene Gesundheitsrisiken stehen im Mittelpunkt des Reports.

„Mitgestaltungs- und Lernmöglichkeiten, Aufgabenvielfalt sowie Anerkennung und soziale Unterstützung beeinflussen sich wechselseitig und sind eine wichtige Grundlage für die erfolgreiche Nutzung digitaler Technologien“, wird Sofi-Direktor Martin Kuhlmann, Leiter der wissenschaftlichen Untersuchung, in einer Mitteilung des an der Universität Göttingen angesiedelten Instituts zitiert. Fehlten diese Merkmale, so Kuhlmann, „kommt es zu Unzufriedenheit, einem Verlust an Wohlbefinden bis hin zu einer verringerten Arbeitsfähigkeit von Beschäftigten“.

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Mitgestaltung, Weiterbildung, Gesundheit im Zwischenbericht

Der Fokus der Auswertung im Zwischenbericht liege auf drei Aspekten, die sowohl die Gesundheit von Beschäftigten als auch die Wettbewerbsfähigkeit von Unternehmen in der „Arbeitswelt 4.0“ beeinflussen würden, heißt es weiter. Zunächst werde es immer wichtiger, dass Beschäftigte gemäß ihren Fähigkeiten und Bedürfnissen ihre Arbeit mitgestalten und sich „in ihr weiterentwickeln“ könnten. „Anerkennung und Unterstützung durch Vorgesetzte sind hierfür essenziell.“

Zudem benötigten Beschäftigte bei der Einführung und Nutzung neuer digitaler Technologien Mitgestaltungs- und Weiterbildungsmöglichkeiten – sie würden den betrieblichen Nutzen der Digitalisierung stärken, heißt es im Sofi-Bericht. Als Folge würden erhöhte psychische Belastungen vermieden, die die digitale Transformation in Unternehmen mit sich bringen könnten. Bekannte Gesundheitsrisiken wie belastende Arbeitsumgebungen oder Schichtarbeit blieben allerdings bedeutsam. Hinzu kämen in vielen Fällen steigende Leistungsanforderungen und erhöhter Zeitdruck.

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AOK: Maßnahmen für betriebliches Gesundheitsmanagement

Auf Grundlage der vom Sofi in den Projektunternehmen identifizierten Herausforderungen entwickele und erprobe die Krankenkasse Maßnahmen, die sich für das betriebliche Gesundheitsmanagement in der „Arbeitswelt 4.0“ als wirksam erweisen könnten, heißt es in der Mitteilung. „Die aktuellen Erkenntnisse ermöglichen der AOK Niedersachsen eine noch effektivere Unterstützung niedersächsischer Unternehmen in der proaktiven Gestaltung des digitalen Wandels“, wird Jürgen Peter, Vorstandsvorsitzender der AOK Niedersachsen, zitiert. Zentrale Themen seien, die Gesundheit und Motivation von Beschäftigten zu fördern und die Mitarbeiter in den Mittelpunkt der oftmals technikzentrierten Veränderungsprozesse zu stellen.

Am Projekt der AOK nähmen 21 niedersächsische Unternehmen verschiedener Branchen teil, so das Sofi. Es sei 2017 in Partnerschaft mit dem niedersächsischen Wirtschaftsministerium, dem Sozialministerium sowie mit Unterstützung des Bundesarbeitsministeriums initiiert worden und werde von den Unternehmerverbänden Niedersachsen sowie dem Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB, Niedersachsen, Bremen, Sachsen-Anhalt) begleitet, heißt es weiter. Die wissenschaftliche Expertise garantiere das Soziologische Forschungsinstitut Göttingen.

Von Stefan Kirchhoff