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Göttingen Ehrung für Mediziner Ebstein in seiner polnischen Geburtsstadt Jawor
Campus Göttingen Ehrung für Mediziner Ebstein in seiner polnischen Geburtsstadt Jawor
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14:57 26.09.2019
Enthüllung in Polen: Internist und Hochschullehrer Wilhelm Ebstein mit einer Büste geehrt. Quelle: R
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Göttingen

Späte Ehre für einen bedeutenden Göttinger Mediziner: In seiner Geburtsstadt Jawor in Polen ist am Sonnabend der Internist und Hochschullehrer Wilhelm Ebstein mit einer Büste im Stadtmuseum geehrt worden. 150 Jahre nach seiner Promotion.

Die Büste hat der polnische Bildhauer Tomasz Rodzinski geschaffen. Am Sonnabend wurde sie im Museum in Jawor enthüllt. Anwesend waren unter anderem Jawors Bürgermeister Emilian Bera, Ebstein-Biografin Magdalena Mazurak, Julie Cleuziou vom Deutschen Herzzentrum in München und Patienten, die an der Ebstein-Anomalie erkrankt sind.

Ruf nach Göttingen

Seit 1874 war Ebstein Medizinprofessor für Innere Medizin in Göttingen und erst Leiter der internen Poliklinik, dann der medizinischen Klinik. Er trat die Nachfolge von Karl Ewald Hasse an. Forschung, Lehre und der Ausbau der Klinik standen im Mittelpunkt seiner Karriere. In Ebsteins Amtszeit wurde die neue Medizinische Klinik an der Humboldtallee errichtet.

1878 hat Ebstein ein Haus Weender Chaussee – heute Weender Landstraße – Nummer 8 bezogen, wo er bis zu seinem Tode wohnte. Das Wohnhaus existiert nicht mehr, an seiner Stelle steht heute das „Opelhochhaus“. Die Stadt Göttingen würdigt Ebstein auf ihrer Archivseite als einen „herausragenden Vertreter des deutsch-jüdischen Bildungsbürgertums“, das durch den Völkermord der Nationalsozialisten vernichtet wurde.

1906 ging Ebstein in den Ruhestand. 1912 starb Ebstein an den Folgen eines Schlaganfalls im Alter von 75 Jahren in Göttingen.

Weltweit renommierter Wissenschaftler

„Universelle medizinische und geisteswissenschaftliche Interessen, gepaart mit Fleiß, kritischem Geist und musischem Verständnis“ hätten Ebstein ausgezeichnet. Der Medizingeschichte habe er „durch Darstellung der sich entwickelnden Erkenntnis von Stoffwechselkrankheiten, insbesondere der Gicht“ gedient, heißt es zu Epstein in Band 4 der Neuen Deutschen Biographie.

Zu seinen Lebzeiten galt Ebstein weltweit als einer der bedeutendsten Spezialisten auf dem Gebiet der Stoffwechselkrankheiten. Ebenso beschäftigten ihn Studien über die „Medizin im Alten Testament“, die „Medizin im Neuen Testament und im Talmud“ sowie die Krankheiten im Napoleonischen Feldzug gegen Russland.

Namensgeber für mehrere Krankheiten und Symptome

Eine Reihe von Syndromen und Anomalien sind nach ihm benannt: darunter die Ebstein-Anomalie, eine seltene Missbildung der Trikuspidalklappe des Herzens, das Pel-Ebstein-Fieber, Armanni-Ebstein-Nephropathie und die Ebsteinsche Krankheit. Sein Werk über die Ebstein-Anomalie gilt auch heute noch Standardwerk dazu.

Ebstein wurde am 27. November 1836 im schlesischen Jawor als Sohn von Louis und Amalie Ebstein geboren. Mit 19 studierte er Medizin zunächst an schlesischen Friedrich-Wilhelms-Universität in Breslaus und später an Friedrich-Wilhelms-Universität zu Berlin, heute Humboldt-Universität. Zu seinen Lehrern zählen Friedrich Theodor von Frerichs in Breslau sowie Rudolf Virchow und Moritz Heinrich Romberg in Berlin.

1859 wurde Ebstein der Doktortitel in Berlin verliehen. Ab 1861 arbeitete er am Allerheiligen-Hospital in Breslau und betreute dort auch ein städtisches Armenhaus. 1869 wurde Ebstein mit Studien über Typhus habilitiert, 1883 in die Deutsche Akademie der Naturforscher Leopoldina gewählt.

Tochter Amalie stirbt im Konzentrationslager

Ebsteins Tochter Amalie wurde 1876 in Göttingen geboren. Sie heiratete den Mathematiker Otto Blumenthal, mit dem sie zwei Kinder hatte. Amalie starb im Konzentrationslager Westerbork in den Niederlanden.

Ebsteins Sohn Erich kam vier Jahre später ebenfalls in Göttingen zur Welt. Auch er war Arzt und Author von mehr als 500 Veröffentlichungen über Medizingeschichte und Literatur. Wie sein Vater starb er 1931 im Alter von 51 Jahren an einem Schlaganfall.

Von Michael Brakemeier

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