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Göttingen „Ein Fenster zur Welt“ wird geschlossen
Campus Göttingen „Ein Fenster zur Welt“ wird geschlossen
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11:31 28.10.2009
Zum Abschied gekommen: Prof. Wolf-Sighard Rosenbaum, Prof. Hans-Jürgen Weiß, Dr. Martina Thiele, Moderator Dr. Wilfried Scharf, Katharina Wolkenhauer, Kay Meiners (von links).
Zum Abschied gekommen: Prof. Wolf-Sighard Rosenbaum, Prof. Hans-Jürgen Weiß, Dr. Martina Thiele, Moderator Dr. Wilfried Scharf, Katharina Wolkenhauer, Kay Meiners (von links). Quelle: Mischke
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Viele ehemalige Studenten – und jetzt bekannte Namen und Gesichter aus Funk und Fernsehen – sind zur Abschlussfeier in die Mensa am Turm gekommen: unter anderem Katharina Wolkenhauer (Tagesschau), Matthias Naß (Die Zeit) und Justus Demmer (Pressesprecher der Deutschen Presse Agentur). Dr. Wilfried Scharf, Leiter der Abteilung Publizistik und Kommunikationswissenschaften an der Universität Göttingen, begrüßt die Gäste stolz. Doch entsprechend dem Anlass, wirkt die Stimmung unter den rund 250 Anwesenden eher gedrückt.

2000 wurde das zur Sozialwissenschaftlichen Fakultät gehörende Institut als „Zentrum für interdisziplinäre Medienwissenschaft“ neu gegründet. Und obwohl es bis 2003 zu den am stärksten gefragten Fächer der Universität gehörte, wurde in dem Jahr von der Leitung der Universität die Schließung beschlossen. Warum ausgerechnet eines der beliebtesten Fächer abgewickelt wird, ist für viele der Anwesenden immer noch nicht nachvollziehbar.

Diskussion über Schließung

Der nun in Berlin lehrende Prof. Hans-Jürgen Weiß bezeichnet die Abwicklung in einer abschließenden Podiumsdiskussion als „Schande“. Schließlich gehöre das Göttinger Institut für Publizistik zu den ersten in Deutschland gegründeten. Prof. Wolf-Sighard Rosenbaum, ehemaliger Dekan der Sozialwissenschaftlichen Fakultät, bedauert zwar die Entscheidung der Universitätsleitung. Er erklärt aber, dass auch das Institut eine Teilschuld treffe. Mit seinen internen Streitereien sei es der Fakultät öfters „auf den Wecker gegangen“. Das sieht Dr. Martina Thiele, ehemalige Studentin und wissenschaftliche Mitarbeiterin im Institut und jetzt Lehrkraft an der Universität Salzburg, anders: „Wir waren keine Streithansel.“ Sie bewertet die aktuelle Ausrichtung der Georgia Augusta und anderer deutscher Universitäten als „Fehlentwicklung“.

Auch Weiß sieht die Exzellenzinitiativen kritisch: Im Vordergrund stünden nun Forschung und Marketing, die Lehre entwickle sich zum „fünften Rad am Wagen“. Das sei „bedauerlich und ein Armutszeugnis“, wertet Wolkenhauer, die 1979 ihr Studium in Göttingen begann. Für Kay Meiners, ehemaliger Student und heute Redakteur der Zeitschrift „Mitbestimmung“ vom Deutschen Gewerkschaftsbund, war das Institut das „Fenster zur Welt“. Seine Schließung sei „schade“, besonders für Göttingen.

Von Corinna Berghahn

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