Menü
Göttinger Tageblatt / Eichsfelder Tageblatt | Ihre Zeitung aus Göttingen
Anmelden
Göttingen Elektronenoptische „Brille“
Campus Göttingen Elektronenoptische „Brille“
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
17:59 17.07.2009
Anzeige

„Die von uns eingesetzte Kryo-Elektronenmikroskopie ist derzeit die einzige Methode, um die Struktur derart großer Molekülverbände zu untersuchen. Sie erfordert sehr viel weniger Probenmaterial“, erklärt Strukturbiologie Holger Stark vom Max-Planck-Institut für biophysikalische Chemie. In seiner Forschungsgruppe kommt die Technik zum Einsatz. Makromoleküle – die „Nanomaschinen“ lebender Zellen – übernehmen zentrale Funktionen, wenn es darum geht, wichtige zelluläre Prozesse zu steuern und Informationen zu verarbeiten. Auch für sie gelte: Nur wer in Form ist, kann seine Aufgabe richtig erfüllen. Gilt es, ihre Struktur zu bestimmen, versagten traditionelle Strukturbestimmungsmethoden wie die Röntgenkristallographie oft. Solche Nanomaschinen seien dafür schlicht zu groß und lassen sich nicht in ausreichender Menge aus Zellen aufreinigen. Das Besondere an dem neuen Elektronenmikroskop ist ein zusätzliches Linsensystem, das – ganz ähnlich einer Brille – die größten optischen Fehler eines Elektronenmikroskops beseitige. Die Korrekturlinse, eine Entwicklung der Firma CEOS in Heidelberg, wurde bislang ausschließlich in Mikroskopen verwendet, die in der Materialforschung genutzt werden. Das elektronenoptisch korrigierte Mikroskop am Max-Planck-Institut für biophysikalische Chemie ist das erste Elektronenmikroskop weltweit, in dem diese neue Technik nun für die biologische Strukturforschung zum Einsatz kommt.

Mit ihm können Millionen einzelner Bilder mit bislang ungekannter Präzision und Auflösung aufgenommen werden. Damit ist es möglich, eine optische Auflösung von rund 0,08 Nanometern (millionstel Millimetern) zu erreichen.

mpi