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Göttingen Erhebung von Göttinger Forschern: Immer weniger Vasapapageien
Campus Göttingen Erhebung von Göttinger Forschern: Immer weniger Vasapapageien
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18:23 14.08.2013
Hauptbrutgebiet des Seychellenpapageis: der endemische Palmenwald des Vallée de Mai. Quelle: SIF
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Göttingen

Die kleine, zu den Seychellen gehörende Insel Praslin beherbergt eine einzigartige Population des Kleinen Vasapapageis, den sogenannten Seychellenpapagei. Wissenschaftler der Universität Göttingen und der Seychellen-Stiftung konnten zeigen, dass nur noch 500 bis 900 dieser Vögel noch in freier Wildbahn vorkommen.

Obwohl das Gefieder des Kleinen Vasapapageis sehr unspektakulär im Vergleich zu anderen Papageien ist, sind seine melodiösen Gesänge bei den Bewohnern und Besuchern der Seychellen sehr populär. Sie dienen daher als Flaggschiff-Arten für den Biodiversitäts-Schutz im endemischen Palmenwald des Vallée de Mai und des umgebenden Nationalparks. Die Wissenschaftler haben nun inselweit die erste systematische Erhebung der Population vorgenommen, teilte die Universität Göttingen mit.

"Grund zur Sorge"

Die Forscher fanden den Vogel auf der gesamten Insel Praslin, aber hauptsächlich im Palmenwald in der Mitte der Insel. „Obwohl unsere Zahlen höher sind als erwartet, gibt es wegen des beschränkten Verbreitungsgebietes dennoch Grund zur Sorge“, so Anna Releaux von der Abteilung Naturschutzbiologie der Universität Göttingen.

Die auf Praslin vorkommende Form des Vogels wird zur Zeit als Unterart des auch auf Madagascar und den Komoren vorkommenden Kleinen Vasapapageis geführt, jedoch legen genetische Untersuchungen in Zusammenarbeit mit Wissenschaftlern in England nahe, den auf Praslin vorkommenden Vögeln einen eigenen Artstatus zuzuerkennen. „Wenn der Artstatus des Seychellenpapageis in der Tat bestätigt würde, sollte es auch möglich sein, internationale Unterstützung für den Erhalt seiner einzigen Population zu erhalten“, so Nancy Bunbury, Programmkoordinatorin der Seychellen-Stiftung. „Unsere Populationszahlen zeigen, dass der Vogel eine Rote-Liste-Einstufung als gefährdet erfordert, allein aufgrund der kleinen Populationsgröße und der Beschränkung auf eine einzelne Insel.“

Wichtiger Teil der akademischen Ausbildung

„Genaue Populationszahlen sind essentiell für die Naturschutzplanung; das Design von adäquaten Monitoringprogrammen sollte ein wichtiger Teil der akademischen Ausbildung von Absolventen in den Bereichen Naturschutz sowie Biodiversität und Ökologie sein“, sagt Dr. Matthias Waltert, der Wildtiererfassung an der Universität Göttingen lehrt.

Die Seychellen-Stiftung führt derzeit die Untersuchungen fort, indem sie Daten zur Brut- und Ernährungsbiologie des Vogels erhebt und die Möglichkeit der Wiederansiedlung auf anderen Seychelleninseln prüft. Außerdem sollen Nistplätze bereitgestellt, Nahrungsbäume gepflanzt und die Öffentlichkeitsarbeit gestärkt werden, um die Überlebenschancen der Population zu verbessern.