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Göttingen Festvortrag von Physiker Joachim Treusch
Campus Göttingen Festvortrag von Physiker Joachim Treusch
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16:34 26.01.2017
Joachim Treusch, Vorstandsvorsitzender der Wilhelm und Else Heraeus-Stiftung Quelle: Theodoro da Silva / Xlab
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Göttingen

Treusch, seines Zeichens Physiker und Wissenschaftsmanager, blickte nicht nur aus naturwissenschaftlicher Perspektive auf die Zukunft der Menschen und des Planeten Erde. „Alles, was erfunden werden konnte, wurde erfunden“ „Es gibt keinen Grund, warum ein Mensch einen Fernseher zu Hause haben sollte“ - mit diesen ausgedienten Zitaten berühmter Persönlichkeiten leitete Treusch in die Thematik ein und verdeutliche, wie unfähig die Menschen seit jeher waren, in die Zukunft zu blicken.

Dennoch: „Man hätte es wissen können, dass der seit Jahrzehnten schwelende Nord-Süd-Konflikt sich zuspitzen und in den gegenwärtigen Flüchtlingsströmen äußern würde“. Dass sich einige Entwicklungen schon vor 30 Jahren abzeichneten, zeigten die mit selbst gezeichneten Grafiken und Tabellen gespickten Folien aus dem Jahr 1984. Diese hatte der Naturwissenschaftler damals für einen Vortrag mühevoll angefertigt und konnte sie nun - nicht ohne ein bisschen in nostalgischen Erinnerungen zu schwelgen- an diesem Abend erneut heranziehen.

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Treusch beleuchtete Probleme und Aufgaben aus den Bereichen Demografie, Energie und Umwelt sowie Gesundheit und Ernährung, ohne dabei schwarzseherisch zu sein. Neue, Diskussion anregende Blickwinkel eröffnete er beispielsweise mit Blick auf das Thema Kernkraft. So werden mit der Energiewende nicht nur Kernkraftwerke geschlossen, sondern es komme auch die Expertise, das Knowhow rund um Atomenergie abhanden. Auch auf die Frage, was passiert, „wenn das Öl alle ist“, hatte Treusch eine zweischneidige Antwort parat: Einige Staaten werden ärmer werden, dafür werde aber auch der IS geschwächt. Bevölkerungszuwachs, Energieverbrauch, CO2-Ausstoß - einige Herausforderungen werden die Menschen in Zukunft meistern müssen. Ein paar Probleme hätten sich mit der Zeit aber auch entschärft. So gehe die Kindersterblichkeit seit 1996 fortlaufend zurück, und immer mehr Menschen haben nach Angaben von Treusch Zugang zu Trinkwasser.

Treusch, Vorstandsvorsitzender Wilhelm und Else Heraeus-Stiftung in Hanau, setzt auf Bildung, um die Herausforderungen der Zukunft zu meistern. Bildung müsse schon im Kindergarten ansetzen. Abschließend riet Treusch den zahlreichen Schülerinnen und Schülern in der Aula entgegen aktuellen Studientrends: „Nicht nur MINT-Fächer sollten Sie studieren. Auch Geisteswissenschaften werden immer wichtiger“. Denn schließlich müsse weiterhin analysiert werden, woher moderne Phänomene stammen und auf welchen Entwicklungen sie fußen.

Von Katharina Kilburger