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Göttingen Zwei Göttinger Studenten bei Filmpreis in Karlsruhe im Finale
Campus Göttingen Zwei Göttinger Studenten bei Filmpreis in Karlsruhe im Finale
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15:30 03.07.2019
Auf dem Weg zum Festival: Johannes Kohout (links) und Janek Totaro in der Göttinger Fußgängerzone. Quelle: Christina Hinzmann
Göttingen/Karlsruhe

Sie kennen sich schon aus Abizeiten. In Göttingen haben sie gemeinsam visuelle Anthropologie studiert. Zusammen haben sie auch für ihren Masterabschluss einen Film gedreht und ihn zum Festival „KI Science Film Festival“ in Karlsruhe eingereicht, ein Festival zum Thema künstliche Intelligenz. Denn genau darum dreht sich ihr Film. „Autonome Artefakte“ heißt das Werk. Bis ins Finale haben sie es geschafft. Am Freitag werden die Preisträger verkündet.

Bordell mit Sexpuppen

Zum Gespräch kommen beide mit halbwegs handlichen Rucksäcken. Direkt im Anschluss wollen sie nach Karlsruhe fahren, wo ihr Film gezeigt wird. „Wir interessieren uns beide für Dokumentarfilme“, sagt Totaro. „Wir haben uns theoretisch damit auseinandergesetzt, wie das Verhältnis zwischen Mensch und Technologie ist“, ergänzt Kohout.

Die Grundfrage, die sie sich gestellt hätten: „Wird die Technik immer menschlicher?“ Seien menschliche Eigenschaften technisch zu reproduzieren? Der Film beginne mit Prothesen, erklärt Kohout, „körperlich-technischen Modifikationen“. Doch ein möglichst breites Spektrum wollten sie abdecken. Deshalb trafen sie sich mit Technik-Ethikern, mit einem Physiker, der auch Philosoph und Anthropologe ist, mit zwei Technikern, einer davon Ingenieur, der andere Didaktiker, mit Technikenthusiasten wie dem Betreiber eines Bordells mit Sexpuppen.

Menschen zwischen Maschinen

Die Experten kommen zu Wort, „geben Input und Kontextinformationen“, erklärt Kohout. Dazwischen laufen Szenen aus den diversen Themenfeldern. Diesen Themen entsprechende Szenenbilder hätten sie entwickelt: Intime Bilder rund um das Puppenbordell, wissenschaftliche Distanz beim Filmen von Robotern und Totalen bei Werkhallen, in denen Menschen zwischen Maschinen agieren. Ihr Ziel sei es gewesen, eine Transparenz beim Thema künstliche Intelligenz zu schaffen, zu zeigen wie sie funktioniert.

Eineinhalb Jahre arbeiteten sie an dem Filmprojekt und drehten in den USA, in Spanien, der Schweiz, Österreich und in Deutschland. Über zwei Stipendien brachten sie 7000 Euro zusammen, mit denen sie ihre Reisen und Unterkünfte finanzierten. Lediglich die USA-Tour sei eine private Besuchsreise gewesen, sagt Totaro. Er habe die Gelegenheit genutzt, dabei auch zu filmen. Mit zwei Sony-Kameras fingen sie die Bilder ein. 67 Filmminuten sind aus vielen Stunden Material jetzt zusammengekommen.

„Unser Film passt da rein“

Eine Freundin empfahl ihnen kurz vor Fertigstellung, das Werk bei dem Karlsruher Festival, einem Wissenschaftsfestival einzureichen. „Es hat einen sehr engen thematischen Rahmen, und unser Film passt da rein“, meint Kohout. Auch bei anderen Festivals haben sie sich beworben. „Das Einreichen geht schnell, dann beginnt das Warten“, sagt Kohout. Ihre Homepage akinema.com verrät allerdings, dass „Autonome Artefakte“ beim „Close:Up Reykjavík Film Festival“ auch für einen Award nominiert ist, diesmal in der Kategorie „Best Student Documentary“.

Neben dem Film müssen sie für ihren Master-Abschluss noch eine schriftliche Arbeit einreichen. Danach wollen sie sich selbstständig machen. Allerdings sind sie schon länger im Dokumentarfilmgeschäft unterwegs. „Wir machen schon eine ganze Weile für eine wissenschaftsnahe Agentur alle Bewegtbilder“, berichtet Kohout. Optimistisch gehen sie jetzt in die Selbstständigkeit. „Wissenschaftler finden es inspirierend, was wir machen und wie wir es machen“, sagt Kohout, „dokumentarisch, realitätsnah und offen, sodass Fragen für sich stehen bleiben können“.

„Sehr unentspannt“

Ein bisschen aufgeregt sei er schon, sagt Kohout. „Noch nicht“, sagt Totaro über seine Gemütsverfassung. Sie seien „sehr unentspannt“, wenn der Film öffentlich gezeigt werde, verrät Kohout. „Wir kennen ihn auswendig. Wir könnten ihn als Kammerspiel aufführen, Wort für Wort.“

Von Peter Krüger-Lenz

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