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Göttingen Forscher aus Göttingen kartieren Schnellstraßen des 18. Jahrhunderts
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Forscher aus Göttingen kartieren Chausseen des 18.Jahrhunderts

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09:00 12.09.2020
Chausseen wie hier bei Lüneburg prägen noch heute die Infrastruktur in Südniedersachsen. Quelle: picture-alliance/ dpa
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Göttingen

Ein Forschungsteam aus Göttingen hat erstmals das Chaussee-Straßennetz des 18. Jahrhunderts in Südniedersachsen detailliert untersucht und kartiert. Das Ergebnis der Gruppe um Niels Petersen vom Institut für historische Landesforschung der Universität: Der Bau eines Fernstraßennetzes war im 18. Jahrhundert ein Mammutprojekt – und bestimmt die Infrastruktur bis in die Gegenwart hinein. Ihre Ergebnisse, so teilt die Universität mit, haben die Forscher in einer interaktiven Online-Karte zur Verfügung gestellt.

Aus alten Karten, Akten und Literatur rekonstruierte das Forschungsteam nach Angaben der Universität erstmals detailliert die Verläufe und Bauzeiten der Fernstraßen, die seit den 1770er-Jahren im Auftrag der Regierung des Kurfürstentums Hannover im ganzen Land gebaut wurden. Damit sollte ein schneller Transport von Waren, Nachrichten und Militär zwischen den Städten des Landes ermöglicht werden. Die Strecken wurden mit Poststationen, Gasthäusern, Alleen und Brücken ausgebaut.

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Chaussee-Straßennetz „eine verkehrstechnische Revolution“

So entstanden nach Erkenntnissen der Forscher erstmals breite und gerade Straßen, auf denen es so schnell wie nie zuvor von Stadt zu Stadt ging. Nicht immer, so die Forscher, waren die Straßen so befestigt, wie es die Theorie vorsah, mancherorts blieben sie nicht viel mehr als Sandwege. „Dennoch bedeutete dieses Bauprogramm eine verkehrstechnische Revolution“, so Projektkoordinator Petersen. „Unter dem Vorzeichen der Wirtschaftsförderung erschlossen die Regierungen am Vorabend der Industrialisierung erstmals systematisch ihr Territorium.“

Das Zeitalter der Chausseen blieb indes kurz – spätestens ab den 1840er-Jahren begann der Siegeszug der Eisenbahnen. Dennoch: „Die Chausseen wurden um 1800 zu den Vorläufern der heutigen Fernstraßen“, sagt Petersen. Vielerorts folgten Bundesstraßen und Autobahnen noch heute dem Verlauf der damaligen Chausseen.

Karte der Göttinger Forscher im Internet frei zugänglich

Beim Projekt handelt es sich nach Angaben der Universität um eine Pilotstudie, die vom Göttingen Centre for Digital Humanities unterstützt wurde. Die Karte ist im Internet frei zugänglich. Besucher können sich darüber das Fernstraßen-Netz des 18. Jahrhunderts erschließen. Online stellen die Forscher auch Informationen zu Stationen entlang der Strecken und Bildmaterial bereit.

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Von Tammo Kohlwes