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Göttingen Forscher aus Göttingen warnen vor tödlichem Dromedar-Virus
Campus Göttingen Forscher aus Göttingen warnen vor tödlichem Dromedar-Virus
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16:58 22.11.2018
Ein Dromedar in der Wüste – erkranken die Tiere, ist das meist harmlos. Für den Menschen ist Mers hingegen häufig tödlich. Quelle: AP
Göttingen

Göttinger Wissenschaftler vom Deutschen Primatenzentrum warnen vor den Gefahren, die von sogenannten MERS-Viren ausgehen. Diese befallen eigentlich vor allem Dromedare, doch durch Mutationen bedrohen sie zunehmend auch Menschen, wie die Forscher herausfanden.

Südkorea 2015: Ein Reisender hat sich auf der arabischen Halbinsel mit den sogenannten Middle Eastern Respiratory Syndrom (MERS) infiziert. Das ist eigentlich ein Erkältungsvirus, das vor allem Dromedare befällt und bei diesen einen harmlosen Schnupfen auslöst. Ähnlich wie bei der Vogelgrippe SARS sind die Folgen für den Menschen weit schlimmer. In Südkorea stecken sich 186 Personen an, 38 sterben an der lebensbedrohlichen Atemwegserkrankung.

So schildern es die Göttinger Wissenschaftler vom Deutschen Primatenzentrum, die sich intensiv mit der in Südkorea aufgetretenen Virus-Variante beschäftigt haben. Ihrer Analyse nach hätte der damalige Ausbruch auch eine Pandemie auslösen können. Dass das nicht der Fall war, habe womöglich daran gelegen, dass die in Südkorea gefundene Mutation des Virus langsamer als üblich in die Wirtszellen eingedrungen sei. Dadurch könne sich das Virus schlechter vermehren – eine negative Auswirkung der Mutation.

Verstärkter Schutz vor Antikörpern

„Eine Mutation hätte sich nicht durchsetzen können, wenn sie nicht auch positive Effekte für das Virus beinhalten würde“, sind die Göttinger Wissenschaftler jedoch überzeugt. Tatsächlich fand das Team von Hauptautorin um Hannah Kleine-Weber, bestehend aus Stefan Pöhlmann und Markus Hoffmann, heraus, dass die Mutation das Virus an anderer Stelle gestärkt hatte: „In Südkorea ist eine mutierte MERS-Variante aufgetreten, die einen verstärkten Schutz gegen die Antikörperantwort aufweist“, sagt Kleine-Weber.

Das könnte Kleine-Weber zufolge künftige Therapieansätze erschweren, denn bisher setzten Mediziner auf die Antikörper, die sich infolge von Infektionen bilden und diese bekämpfen. Der Befund der Göttinger zeige allerdings, dass dies zur Entstehung von resistenten Viren führen könnte, befürchtet Kleine-Weber nun. Schon jetzt beträgt den Göttinger Wissenschaftlern zufolge die Sterblichkeitsrate beim Menschen etwa 36 Prozent.

Auch insgesamt bereitet das Mutationsverhalten des Virus den Forschern Sorge. Denn bisher ist eine Übertragung auf den Menschen eher selten. Seit 2012 sei das Virus nur bei etwa 2000 Patienten nachgewiesen worden. Meist auf der arabischen Halbinsel, wo sich Menschen bei den dort als Nutztiere gehaltenen Dromedaren angesteckt hätten. Eine Infektion von Mensch zu Mensch – wie in Südkorea – sei eher selten vorgekommen. „Eine der nächsten Veränderungen könnte dazu führen, dass die Viren leichter von Mensch zu Mensch übertragen werden“, warnen die Göttinger Forscher.

Sorge vor Pandemie

Das könnte nach ihren Angaben katastrophale Folgen haben. Ein infizierter Reisender könne dann eine Infektionskette auslösen, die zu einer Pandemie führe. „Wir müssen Systeme entwickeln, mit deren Hilfe wir vorhersagen können, ob eine neu auftretende Mutation eine Auswirkung auf die Übertragbarkeit des Virus hat, also ob ein erhöhtes pandemisches Potenzial vorliegt“, fordert deshalb Markus Hoffmann.

Durchgeführt wurde die Studie innerhalb des Forschungsverbunds Rapid, den das Bundesministerium für Bildung und Forschung fördert. Ziel des Verbunds ist es, das Gefährdungspotential neuer MERS-Varianten abzuschätzen und Empfehlungen in Hinblick auf Diagnostik, Impfstoffe und Verhaltensweisen zu geben. Auch soll die Erforschung des MERS-Virus als Blaupause für andere zoonotische Viren dienen, die von Tieren auf den Mensch übertragen werden können.

Von Christph Höland

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