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Göttingen Forscher aus Göttingen wollen Corona-Infektionsketten nachvollziehen
Campus Göttingen Forscher aus Göttingen wollen Corona-Infektionsketten nachvollziehen
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18:30 05.06.2020
Mit „SmICS“ gegen Corona: Experten der Universitätsmedizin Göttingen (UMG) haben eine Software zur Verfolgung von Corona-Infektionsketten entwickelt. Quelle: r
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Göttingen

Die Nachverfolgung von Infektionsketten stellt Behörden und Kliniken in der Corona-Krisen vor große Herausforderungen. Ein Forscherteam unter Beteiligung von Experten der Universitätsmedizin Göttingen (UMG) hat deshalb eine Software weiterentwickelt. Durch die Kombination von Patienten-, Erreger- und Bewegungsdaten soll das Programm helfen, umfassende Informationen über mögliche Infektionsketten zu erhalten, heißt es in einer Mitteilung der UMG. In Göttingen, Hannover und Berlin ist „SmICS“ demnach bereits im Einsatz.

Infektionen, Verdachtsfälle und mögliche Übertragungswege im Klinikbetrieb sollen nach Angaben der UMG durch das „Smart Infection Control System“, also das intelligente Infektionskontrollsystem, aufgespürt und frühzeitig eingedämmt werden können. „Mit ,SmICS’ vereinen wir Daten miteinander und stellen sie als Prozesse dar“, erklärt Prof. Dr. Simone Scheithauer, die das Projekt an der UMG leitet. Mit dem Programm könnten Kontaktnetzwerke visualisiert, Patientenhistorien nachverfolgt, epidemologische Kurven und Zahlen analysiert werden.

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Software für die Corona-Pandemie weiterentwickelt

Neu ist „SmICS“ nicht: Das Programm wird von Forschern aus Göttingen, Hannover und Heidelberg gemeinsam mit dem Robert-Koch-Institut, dem Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung in Braunschweig und Visualisierungsexperten aus Darmstadt entwickelt. Eigentlich sei die Software darauf zugeschnitten, Krankenhausinfektionen nachzuvollziehen, die über direkten Kontakt übertragen werden, heißt es in der Mitteilung der UMG.

Prof. Simone Scheithauer Quelle: r

In der Corona-Krise hätten die Forscher „SmICS“ weiterentwickelt, teilt die UMG weiter mit. Das Programm werde nun seit Mitte Mai als Pilotprojekt eingesetzt, um Corona-Infektionsketten nachzuverfolgen. Dafür sei innerhalb weniger Wochen ausführlich getestet worden, ob sich die Software auch auf ein pandemisches, sektorenübergreifend auftretendes, über Tröpfchen übertragbares Virus wie SARS-CoV-2 anwenden lässt.

Alle Daten in einem einzigen Netzwerk

Denn: Die Erkennung von möglichen Infektionsketten und -herden sei bislang unzureichend, schätzen die Forscher. Das liege auch daran, dass Daten zwar verfügbar seien, aber nicht zusammengefügt werden könnten, weil sie auf verschiedenen Servern liegen. „Eine möglichst frühzeitige Verhinderung von Infektionen in Krankenhäusern, anderen Gesundheitseinrichtungen und Seniorenheimen wird in den kommenden Monaten ein zentrale Rolle dabei spielen, die Pandemie unter Kontrolle zu halten“, sagt Scheithauer.

Die Besonderheit an „SmICS“ ist nach Angaben der UMG, dass mit einem einzigen Programm vielfältige Daten analysiert, strukturiert und veranschaulicht werden können. Die Darstellung von Patienten und Bewegungsdaten, Infektionszahlen und mehr in einem einzigen Netzwerk ermögliche nicht nur eine Analyse durch Menschen, sondern diene auch als Basis für die Entwicklung von Algorithmen, heißt es in der Mitteilung. Auf dieser Grundlage könnten dann wiederum statistisch signifikante Häufungen erkannt werden – wichtig für die Erkennung möglicher Infektionsherde.

„SmICS“ wird nach Angaben der UMG derzeit um zusätzliche Funktionen erweitert. Außerdem soll die Software in den kommenden Wochen weiteren Kliniken und anderen medizinischen Standorten zur Verfügung gestellt werden.

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Von Tammo Kohlwes