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Göttingen 100 Millionen Jahre im Bernstein: Forscher entdecken ältesten bekannten Schleimpilz
Campus Göttingen 100 Millionen Jahre im Bernstein: Forscher entdecken ältesten bekannten Schleimpilz
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17:00 06.01.2020
Bernsteinstück mit Bein einer Eidechse und dem Schleimpilz (Pfeil). Foto: Alexander Schmidt, University of Göttingen und Scientific Reports Quelle: Alexander Schmidt
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Göttingen

Schleimpilze, auch Myxomyceten genannt, gehören zu den sogenannten Amoebozoa. Das sind mikroskopische Organismen, welche die meiste Zeit als einzelne bewegliche Zellen verborgen im Boden oder in verrottendem Holz leben und dort Bakterien fressen. Aber sie können sich zu Fruchtkörpern zusammenschließen, die der Bildung und Verbreitung von Sporen dienen.

Von Eidechse vom Baum gerissen

Da fossile Schleimpilze äußerst selten sind, sei das Studium ihrer Evolutionsgeschichte sehr schwierig, teilt die Pressestelle der Universität Göttingen mit. Bisher existierten lediglich zwei Fossilbelege von Fruchtkörpern, die 35 bis 40 Millionen Jahre alt sind. Die Funde fossiler Myxomyceten sind sehr unwahrscheinlich, da ihre Fruchtkörper äußerst kurzlebig sind.

Gruppe von mehreren etwa 2,5 Millimeter großen Fruchtkörpern eines Myxomyceten in ca. 100 Millionen Jahre altem Bernstein aus Myanmar: lange gestielte Fruchtkörper unterstützen die Verbreitung der Sporen, damals wie heute. Quelle: Alexander Schmidt

Die Forscher zeigen sich daher beeindruckt von der Verkettung der Umstände, die offenbar zur Erhaltung des aktuell gefundenen Fossils geführt haben: „Die fragilen Fruchtkörper wurden höchstwahrscheinlich von einer Eidechse, die ebenfalls im klebrigen Baumharz gefangen wurde, von der Baumrinde gerissen und schließlich zusammen mit dem Reptil darin eingebettet“, sagt Prof. Dr. Jouko Rikkinen von der Universität Helsinki. Die Eidechse hat die Fruchtkörper in einem relativ frühen Stadium losgelöst, als die Sporen noch nicht freigegeben wurden.

Heute noch lebende Gattung

Die Forscher überraschte an dem Fund, dass der Schleimpilz ohne weiteres einer heute noch lebenden Gattung zugeordnet werden kann. „Das Fossil gibt einzigartige Einblicke in die Langlebigkeit ökologischer Anpassungen der Myxomyceten“, erläutert der Paläontologe Prof. Dr. Alexander Schmidt von der Universität Göttingen, leitender Autor der Studie. „Wir interpretieren dies als Beleg starker umweltbedingter Auslese. Offenbar waren Schleimpilze, die sehr kleine Sporen durch den Wind verbreitet haben, im Vorteil“, so Rikkinen. Die Fähigkeit der Schleimpilze, in ihrem Lebenszyklus Dauerstadien auszubilden, die Jahre andauern können, trage wahrscheinlich ebenfalls zur bemerkenswerten Ähnlichkeit des Fossils mit seinen nächsten heutigen Verwandten bei.

Von Lea Lang/r

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