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Göttingen Forscher und Forstleute warnen vor Waldbränden im Harz
Campus Göttingen Forscher und Forstleute warnen vor Waldbränden im Harz
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08:14 16.01.2020
Bettina Kietz initiiert spricht beim ersten „Brandschutzforum Harz“ in Göttingen. Quelle: Foto: HAWK
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Göttingen

Wissenschaftler und Forstleute warnen vor dem Hintergrund der Klimakrise und der vergangenen trockenen Sommer vor der Gefahr großer Waldbrände im Harz. Hitze und Trockenheit würden in dem Mittelgebirge zur Normalität, sagte Oliver Glaschke von den Niedersächsischen Landesforsten in einer am Mittwoch von der Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst in Göttingen verbreiteten Mitteilung: „Das sind Gefahren, die wir früher nicht kannten. Der Klimawandel schlägt bei uns im Wald voll durch.“

2018 und 2019 seien im Harz viele von der Dürre geschädigte Bäume den Borkenkäfern zum Opfer gefallen und Moore ausgetrocknet, sagte die Göttinger Forstwissenschaftlerin Bettina Kietz. Es gebe so eine Menge Totholz, das einem möglichen Feuer viel Nahrung biete. Schon in den vergangenen Jahren seien mehrere kleinere Waldbrände im Harz ausgebrochen. Dass es nicht schlimmer gekommen sei, sei reines Glück gewesen.

Schlimmer als in der Heide

„Das Szenario eines großen Waldbrandes im Harz wäre deutlich schlimmer als beispielsweise in der Heide“, betonte Kietz. „Der Harz hat sehr steile Hänge. Dadurch haben wir auch eine deutlich schnellere Feuerausbreitung. Hangaufwärts hat das Feuer quasi Rückenwind.“

Zudem gebe es in der Region durch die schmalen Täler teilweise nur sehr eingeschränkte Fluchtwege. Das Gelände sei nicht annähernd so befahrbar wie in anderen Waldbrand-Regionen. Geeignete Hubschrauber seien nur in geringer Zahl und mit erheblicher Vorlaufzeit an einen Brandort zu bekommen.

„Man hat nicht das Gefühl, dass die letzten beiden Sommer ein Jahrhundertereignis waren“, erklärt Kreiswaldbrandbeauftragter Oliver Glaschke. Eher würden Hitze und Trockenheit im Harz zur Normalität werden. „Das sind Gefahren, die wir früher nicht kannten. Der Klimawandel schlägt bei uns im Wald voll durch.“

„Gemeinsamer Schubladenplan“

Glaschke hofft, dass das Forum alle Teilnehmer noch einmal für das Thema sensibilisiert und sich die Zusammenarbeit über Landkreis- und Ländergrenzen hinweg verbessert. „Wir brauchen einen gemeinsamen Schubladenplan, damit man einen Waldbrand vernünftig bekämpfen kann.“ Einig waren sich auch alle Beteiligten, dass dieser Plan gemeinsam gelebt und trainiert werden muss. Über einen wichtigen Baustein sind sich die Beteiligten dabei schon einig: Eine aktualisierte Brandeinsatzkarte mit dem Wegenetz und Wasserentnahmestellen soll möglichst schnell verfügbar sein.

Nächstes Mal treffen sich die Teilnehmer des Forums in Goslar. Der Landkreis Goslar ist unheimlich weit mit seinen Brandschutzkonzepten. So können Erkenntnisse weitergegeben werden, um möglichst schnell zu einem harzübergreifenden Brandschutzkonzept zu kommen,“ sagt Kiez.

Von ost