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Göttingen Trennung von Kuh und Kalb
Campus Göttingen Trennung von Kuh und Kalb
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13:58 27.03.2017
Von Angela Brünjes
Seltenes Bild: Kühe und zwei Kälber auf einer Weide im Landkreis Göttingen. Quelle: Hinzmann
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Göttingen

Landwirte trennen Kühe und Kälber nach der Geburt aus verschiedenen Gründen, zum Beispiel um die Milch der Kühe direkt nutzen oder die Kälber einfacher versorgen zu können, weil die Trennung zu einem späteren Zeitpunkt eventuell größeren Trennungsschmerz verursacht und weil Ställe in der Regel nicht für die gemeinsame Haltung von Kühen und Kälbern konzipiert sind. Tierschützer beklagen diese Praxis, weil so keine Mutter-Kind-Beziehung entstehen kann, teilte die Universität Göttingen mit.

Die Ergebnisse der Online-Befragung der Forscher lassen sich in drei Gruppen aufteilen. 44 Prozent der Befragten fanden es schwierig, Argumente für oder gegen die Trennungspraktik zu bewerten, bevorzugten aber eher eine spätere Trennung. 39 Prozent befürworteten deutlich eine spätere Trennung, etwa 18 Prozent sprachen sich für die heute übliche frühe Trennung aus. Im Vergleich der Länder sprachen sich die US-amerikanischen Teilnehmer der Studie eher für eine frühe Trennung aus als die deutschen.

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„Unsere Studie hilft, die öffentliche Ablehnung der gängigen Praxis zu verstehen“, sagt Erstautorin Dr. Gesa Busch, die die Studie an der University of British Columbia in Kanada und der Universität Göttingen
durchführte. „Obwohl verschiedene Argumente für und gegen eine frühe Trennung in den einzelnen Gruppen unterschiedlich bewertet werden, ändern diese Argumente die Meinungen der meisten Befragten nicht. Für die Landwirtschaft bedeutet das, sich über neue Verfahren Gedanken zu machen, auch wenn das Thema heute in der breiten Öffentlichkeit noch keine Rolle spielt.“

„Die Studie zielt darauf ab, die Milchviehhaltung nachhaltiger und gesellschaftlich akzeptierter zu gestalten“, erläutert Dr. Marina von Keyserlingk von der University of British Columbia. „Unsere Forschung hilft, Lücken zwischen der Praxis und gesellschaftlichen Wahrnehmungen aufzudecken und darauf aufbauend Lösungen zu entwickeln.“

Die Studie wurde in der Fachzeitschrift PLoS ONE veröffentlicht. Das Projekt wurde ermöglicht durch Spenden an das Animal Welfare Program der University of British Columbia sowie durch eine Förderung des Niedersächsischen Ministeriums für Wissenschaft und Kultur.