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Göttingen Forschung: Geschädigten Ökosystemen helfen, sich selbst zu beleben
Campus Göttingen Forschung: Geschädigten Ökosystemen helfen, sich selbst zu beleben
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16:30 26.04.2019
Ganz gleich, ob Nationalpark oder kleines Moorgebiet: Forscher fordern einen neuen Ansatz bei Renaturierungsmaßnahmen. Quelle: Kallenbach
Göttingen

Das Team unter der Leitung von Wissenschaftlern der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg (MLU) und des Deutschen Zentrums für integrative Biodiversitätsforschung (iDiv) Halle-Jena-Leipzig lege dar, wie Rewilding-Maßnahmen besser geplant und umgesetzt werden können – und welche Vorteile sich daraus für den Menschen ergeben, so Andrea Tiedemann von der Pressestelle der Universität Göttingen. Die Ergebnisse seien in der Fachzeitschrift Science veröffentlicht worden.

Der Bau von Städten, Straßen oder Fabriken sowie die intensive Landwirtschaft haben die Natur weltweit stark in Mitleidenschaft gezogen, so Tiedemann. In der Folge seien auch komplette Ökosysteme zerstört worden, wodurch die Artenvielfalt kontinuierlich gesunken sei. „Viele Ökosysteme sind deshalb heute nicht mehr in der Lage, wichtige Aufgaben wie den Hochwasserschutz zu erfüllen“, sagt Prof. Henrique Pereira von MLU und iDiv. Seit einigen Jahrzehnten gebe es weltweit Projekte, die darauf abzielen, bestimmte Regionen wieder naturnaher zu gestalten.

Rewilding: „Den Blick auf das Ökosystem als Ganzes richten“

Ein bekannter Renaturierungs-Ansatz sei das Rewilding, bei dem „man den Blick auf das Ökosystem als Ganzes richtet und versucht, durch gezielte Maßnahmen seine Funktionalität wiederherzustellen. Ziel ist ein Ökosystem, das sich auf lange Sicht weitgehend ohne menschliche Hilfe regeneriert und selbst erhält“, erklärt Erstautorin Andrea Perino, die in Pereiras Arbeitsgruppe an ihrer Promotion arbeitet. Gleichzeitig diene das Rewilding auch dazu, den Menschen den ästhetischen und ideellen Wert der Natur zugänglich zu machen.

Nützliche Prozesse durch mehr Wildnis: Tobias Plieninger, Department für Agrarökonomie und Rurale Entwicklung der Uni Göttingen. Quelle: r

„Natürliche Prozesse durch mehr Wildnis in unseren intensiv genutzten Kulturlandschaften zu fördern, ist ein faszinierender, aber auch gesellschaftlich umstrittener Ansatz“, sagt Co-Autor Prof. Tobias Plieninger vom Department für Agrarökonomie und Rurale Entwicklung der Universität Göttingen. Er hat in der Studie zur Diskussion der gesellschaftlichen Konsequenzen von Rewilding beigetragen, so Tiedemann „Die Science-Studie weist Wege für ein zukunftsweisendes Design von Rewilding-Konzepten auf, die auch unterschiedliche Interessen der betroffenen Akteure berücksichtigen“, betont Plieninger.

Oder-Delta: Beispiel für ein erfolgreiches Rewilding-Projekt

Ein prominentes Beispiel für ein erfolgreiches Rewilding-Projekt in Deutschland sei das Oder-Delta, eine Region an der Ostseeküste zwischen Deutschland und Polen am Stettiner Haff. Hier lebten zahlreiche Tiere, zum Beispiel Seeadler, Wisente und Biber in freier Wildbahn. In dem Gebiet habe sich in den vergangenen Jahren ein lebendiger Naturtourismus entwickelt.

Die Forscher stellen in ihrer Studie eine Art Blaupause vor, wie Rewilding-Projekte geplant und umgesetzt werden können, so Tiedemann. „Dabei fordern sie einen Perspektivwechsel.“ Es gebe nicht das eine ideale Ökosystem, das man durch bestimmte Maßnahmen herstellen könne. Stattdessen komme es darauf an, die Funktionen des jeweiligen Ökosystems zu betrachten, die Störungen in diesem System zu analysieren, und daraus geeignete Maßnahmen abzuleiten.

Die Originalveröffentlichung der Studie;

Von Stefan Kirchhoff

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