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Göttingen Forschungsnetzwerk Euhit vereinigt die europäische Turbulenzforschung
Campus Göttingen Forschungsnetzwerk Euhit vereinigt die europäische Turbulenzforschung
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19:58 14.10.2013
18 Meter lang, sechs Meter hoch und seit 2009 im Einsatz: der Göttinger Turbulenz-Windkanal. Quelle: EF
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Göttingen

23 Forschungseinrichtungen und zwei Industriepartner aus zehn Ländern haben den Rahmen geschaffen, um europäischen Wissenschaftlern ihre Anlagen zur eigenen Forschung zur Verfügung zu stellen. Herzstück des Netzwerkes sind  13 experimentelle Messanlagen.

„Die europäische Turbulenzforschung hat weltweit schon immer eine führende Stellung eingenommen“, sagt Euhit-Koordinator Prof. Eberhard Bodenschatz, Geschäftsführender Direktor des Max-Planck- Instituts für Dynamik und Selbstorganisation in Göttingen. Das belegten nicht nur die wissenschaftlichen Veröffentlichungen auf diesem Gebiet. Auch die   experimentellen Anlagen sind von besonderer Bedeutung.

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In Göttingen etwa findet sich seit 2009 ein 18 Meter langer und sechs Meter hoher Turbulenz-Windkanal. Unter kontrollierten Laborbedingungen lässt sich dort Turbulenz erzeugen, die mit der heftigsten vergleichbar ist, die auf der Erde vorkommt. Strömungszustände wie im Inneren von Wolken oder wie bei einem Vulkanausbruch lassen sich damit simulieren.

Weltweit einzigartig

Im französischen Grenoble bietet die Coriolis Rotating Platform, ein gewaltiger, rotierender Tank mit einem Durchmesser von 13 Metern, die Möglichkeit, den Einfluss von Rotation auf turbulente Strömungen zu untersuchen. In Prag können Forscher an der „Czech Cryogenic Turbulence Facility“ Turbulenz anhand der Bewegung winziger, gefrorener Wasserstoff-Flocken in der Strömung studieren. Weitere Anlagen finden sich in Cottbus, Erlangen, Ilmenau, Genf, Bologna, Triest, Predappio, Villeneuve d’Ascq und Twente.

„Jede dieser Anlagen ist weltweit einzigartig“, erklärt Bodenschatz. „Insgesamt hat Europa ein enormes Potenzial, die fundamentalen Eigenschaften der Turbulenz zu ergründen und damit technologische Vorsprünge zu erzielen“, fügt er hinzu.

Was bisher noch gefehlt habe, sei eine gut strukturierte Vernetzung und die Öffnung der nationalen Versuchsanlagen für Forscher aus Wissenschaft und Industrie in der EU. Diese Lücke will das Euhit in den nächsten Jahren schließen.

23 Forschungseinrichtungen

Das Konsortium aus 23 Forschungseinrichtungen und zwei Industriepartnern aus Dänemark, Deutschland, Frankreich, Israel, Italien, den Niederlanden, Polen, Rumänien, der Schweiz und der Tschechischen Republik versteht sich in erster Linie als Austauschplattform. So können sich etwa Forscher aus der EU und assoziierten Ländern um Messzeit an einer der Anlagen bewerben.

Zudem bieten die Partnereinrichtungen einander Hilfe bei der Auswertung von Daten und bei Fragen zur Messtechnik. Auch sollen die gesammelten Messdaten der Anlagen anderen Forschern zugänglich gemacht werden. „Auf diese Weise machen wir Infrastruktur und Know-How für einen deutlich größeren Kreis von Forschern nutzbar“, so Bodenschatz. Zudem organisiert Euhit gemeinsame Forschungsaktivitäten zur Verbesserung der nationalen Infrastrukturen, die sich nur durch europaweite Zusammenarbeit angehen lassen.

Auf diese Weise hoffen die Forscher nicht nur, die grundlegenden Gesetzmäßigkeiten der Turbulenz aufzudecken. Auch zur Lösung wichtiger wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Fragen kann die Forschung des Euhit Netzwerkes beizutragen. Denn Turbulenz ist sowohl in der Natur, als auch in technischen Anwendungen nahezu allgegenwärtig.

Die grundlegenden Prozesse zu verstehen, kann deshalb unter anderem helfen, die Windenergieausbeute zu erhöhen oder die Ausbreitung von Luft- und Wasserverschmutzung vorherzusagen. Auch um den Einfluss der Wolkenbildung auf Klimaprognosen besser zu verstehen und Transportprozesse in der chemischen Industrie zu optimieren kann die Forschung nützlich sein.

eb