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Göttingen Europäischer Forschungsrat fördert Göttinger Projekt mit 1,5 Millionen Euro
Campus Göttingen Europäischer Forschungsrat fördert Göttinger Projekt mit 1,5 Millionen Euro
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14:09 03.04.2020
Dr. Jan Clemens Quelle: R
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Göttingen

Der Europäische Forschungsrat (ERC) fördert ein Göttinger Forschungsprojekt, das am European Neuroscience Institute Göttingen (ENI-G) angesiedelt ist, in einem Zeitraum von fünf Jahren mit rund 1,5 Millionen Euro. Im Projekt von Dr. Jan Clemens, Nachwuchsgruppenleiter am ENI Göttingen, der damit einen sogenannten Starting Grant des ERC erhält, geht es um das Gehirn und wie es komplexe soziale Verhaltensweisen in Gruppen antreibt.

Der Startschuss für das Projekt fiel Anfang Februar. Der Göttinger Nachwuchswissenschaftler Clemens hatte sich mit seinem Forschungsvorhaben einem zweistufigen Evaluierungsprozess gestellt und dabei sowohl schriftlich als auch in einem persönlichen Interview überzeugt. Aus europaweit 3106 eingereichten Projektanträgen in allen Disziplinen wurden vom ERC 408 Anträge zur Förderung ausgewählt, was einer Förderquote von 13,1 Prozent entspricht.

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Der Name des für den Starting Grant des ERC ausgewählten Göttinger Projekts lautet „Neural Computations Underlying Social Behavior in Complex Sensory Environments (NeuSoSen)“. Es wird dabei untersucht, wie das Gehirn die oft widersprüchlichen Informationen von Interaktionspartnern verarbeitet und bewertet, um das Sozialverhalten zu steuern.

Der besondere Fokus liegt auf dem Verhalten in größeren Gruppen. Das Forschungsvorhaben soll hierzu neue Erkenntnisse über die zugrundeliegenden neuronalen Mechanismen liefern. „Wir wollen die komplexen neuronale Prozesse verstehen, die dem Sozialverhalten in Gruppen zugrunde liegen“, sagt Clemens.

Modellorganismus ist die Fruchtfliege Drosophila

Die Fruchtfliege Drosophila dient als Modellorganismus: Fruchtfliegen sammeln sich in Gruppen auf verrottenden Früchten, um zu fressen und sich zu paaren. Interaktionen mit anderen Fliegen wie Balz oder Aggression werden über den Geruch, das Aussehen und akustische Signale gesteuert.

Um zu entschlüsseln, nach welchen Regeln diese unterschiedlichen Informationsquellen kombiniert werden und wie diese Regeln im Gehirn verbaut sind, kombiniert das Team um Dr. Clemens moderne Auswertemethoden mit Genetik. „Mit Hilfe des maschinellen Lernens werden wir die Feinstruktur sozialer Interaktion quantifizieren und modellieren, um so die sozialen Hinweise zu identifizieren, die das Verhalten bestimmen“, erläutert Clemens.

Das ist Dr. Jan Clemens

Dr. Jan Clemens, 1978 in Berlin geboren, hat nach einer Ausbildung zum Biologielaboranten am Berliner Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin Biologie an der Berliner Humboldt-Universität studiert. Seine Doktorarbeit absolvierte er im Graduiertenprogramm „Sensory Computation in Neural Systems“ am Bernstein Zentrum für „Computional Neuroscience“ (BCCN) in Berlin. Nach einem Forschungsaufenthalt an der Princeton University in New York forscht Clemens seit 2017 am ENI Göttingen, wo er die Arbeitsgruppe „Neural Computation and Behavior“ und die durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) geförderte Emmy-Noether-Nachwuchsgruppe zum Thema „Neuronale Grundlagen der akustischen Kommunikation in Drosophila“ leitet. Seit 2019 ist er an dem Sonderforschungsbereich SFB 889 „Zelluläre Mechanismen sensorischer Verarbeitung“ beteiligt. Außerdem arbeitet er seit 2020 mit Prof. Matthias Hennig (Humboldt-Universität zu Berlin) in einem Projekt namens „The evolution of phenotype, computation, and network mechanism of song recognition in crickets“ zusammen.

Die sogenannten ERC Starting Grants dienen der Förderung von jungen Forschern aller Nationalitäten mit abgeschlossener Promotion und einer vielversprechenden wissenschaftlichen Erfolgsbilanz. Ziel ist es, Forschungstalenten in Europa frühzeitig eine Perspektive zu bieten und sie zu halten. Starting Grants bieten hoch talentierten Forschern die Möglichkeit, ihre Laufbahn unabhängig zu entwickeln und den Übergang von der angeleiteten Forschung zum unabhängigen und selbständigen Forscher zu bewerkstelligen. Alleiniges Auswahlkriterium ist die wissenschaftliche Exzellenz.

Das ENI-G umfasst sechs Forschungsgruppen

Das European Neuroscience Institute Göttingen (ENI-G) besteht seit Juni 2001 und umfasst derzeit sechs Forschungsgruppen. Die Wissenschaftler des ENI-G widmen sich der Erforschung der Grundlagen von Hirnfunktionen auf molekularer, zellulärer und systemischer Ebene sowie der Ursachenanalyse von Störungen.

Ziel ist es, Grundlagen zu erforschen, die zur gezielten Behandlung neurologischer und psychiatrischer Erkrankungen des Gehirns führen können. Das ENI-G ist ein Kooperationsprojekt zwischen der Universitätsmedizin Göttingen und der Max-Planck-Gesellschaft München in enger Kooperation mit den Göttinger Instituten für biophysikalische Chemie und experimentelle Medizin.

Von Eduard Warda

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