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Göttingen Forstbotanischer Garten: Primär ein Ort des Studiums
Campus Göttingen Forstbotanischer Garten: Primär ein Ort des Studiums
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15:43 28.10.2009
Tragen süße Früchte: Chinesische Maulbeerbäume am Fußweg hinter der Chemie.
Tragen süße Früchte: Chinesische Maulbeerbäume am Fußweg hinter der Chemie. Quelle: Pförtner
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Gelegen am Nordcampus der Universität Göttingen, fristet der Forstbotanische Garten mit seinem pflanzengeographischen Arboretum (eine Sammlung verschiedenartiger Gehölze von lat. arbor „Baum“) eine Randexistenz in Bewusstsein der Göttinger. Zudem werde der Forstbotanische Garten auch schon mal mit dem benachbarten Geobotanischen (auch Neuen Botanischer) Garten verwechselt.

Zu Unrecht, findet Volker Meng, technischer Leiter des Forstbotanischen Gartens. Denn hier am Nordcampus sei ein Garten entstanden, der fast einzigartig auf der Nordhalbkugel sei: „Das Arboretum bietet mehr als 2000 verschiedene Bäume und Sträucher aus Nordamerika, China, Japan, Korea und Kleinasien. Bei uns gibt es die Vorfrühlingblüte Anfang des Jahres, im April die Kirschblüte, gefolgt von der Apfelblüte.“ Zudem kann im Herbst im Arboretum Nordamerika der „Indian Summer“ betrachtet werden, ein Erlebnis, für das sonst „eine Fahrt nach Amerika bezahlt werden muss“, so Meng. „Die Lage des Alten Botanischen Garten am Wall ist natürlich für Besucher idealer“, gibt Meng zu.

Seit 1993 ist Meng technischer Leiter und – in Absprache mit der wissenschaftlichen Leiterin Prof. Andrea Polle – zuständig für die Auswahl und Anpflanzung der Bäume und Sträucher. „Anfangs war ich begeistert, dass der Garten die Gebäude umrankt“, sagt er. Doch im Laufe der Zeit hat er auch die Schattenseiten kennen gelernt: „Bäume brauchen Platz.“ Manche bis zu 70 Quadratmetern. „Primär dient der Garten des Lehre und dem Studium. Deshalb ist es wichtig, dass man die Blätter und Früchte in Bodennähe betrachten kann“, erklärt Meng. Bei Bäumen, die zu eng beieinander stehen, verkümmern die unteren Äste, erhalten bleibt in Bodennähe nur der Stamm. Und der sei für ein exaktes Studium nicht ausreichend.

Raub von Bäumen

Der Übergang von den Bäumen Nordamerikas zu denen Japans und Chinas ist für Laien kaum erkennbar. Meng ist jedoch Spezialist und sieht an Kleinigkeiten wie der Beschaffenheit der unteren Blattseite, woher welcher Baum stammt. „Entdecke ich, dass Hybriden, also Mischformen, wachsen, werden diese entfernt“, sagt er. Denn da der Garten einem wissenschaftlichen Zweck dient, sei es wichtig, reine Arten zu zeigen.

Um derlei Fällen vorzubeugen, wurde beispielsweise der amerikanische Maulbeerbaum weit entfernt von seinen chinesischen Artgenossen angepflanzt. Diese Bäume tragen gerade Beeren, die sich großer Beliebtheit erfreuen. „Manchmal sieht man Studenten und Passanten, die von den Früchten der chinesischen Maulbeerbäume kosten“, berichtet Meng. Solange dies einen gewissen Rahmen nicht überschreitet, toleriere er es. Ärgerlich wird Meng jedoch, wenn beim Pflücken die Bäume beschädigt werden. Dies ist, wie der Schwund von Nadelbäumen um die Weihnachtszeit, schon öfters vorgefallen.

Von Corinna Berghahn

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