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Göttingen Bücher aus vier Jahrhunderten
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15:46 30.03.2018
Führung durch die historische Uni-Bibliothek Göttingen
Führung durch die historische Uni-Bibliothek Göttingen Quelle: Jonathan Michaeli
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Göttigen

Dunkles Holz, knarrende Treppen, in braunem, abgegriffenen Leder gebundene Bücher und der Geruch von Papier, Staub und Geschichte. Kaum ein anderer Ort steht so wie der Heyne-Saal der alten Göttinger Universitätsbibliothek (SUB) für das gesammelte Wissen vergangener Jahrhunderte. Er ist nur mit einer Führung zu besuchen.

Am Anfang warn es 12.000 Bücher

Die alte SUB an der Prinzenstraße beherbergt heute unter anderem die Handschriften und die alten Drucke, also Bücher, die vor 1900 erschienen sind. „Wir sind heute eine Forschungsbibliothek”, sagte Cornelia Pfordt, die am Gründonnerstag eine Besuchergruppe durch das Gebäude führte. Pfordt leitet die Abteilung Alte Drucke in der SUB. Seit 1992 ist die damals neu errichtete Bibliothek auf dem Campus am Platz der Göttinger Sieben die Zentralbibliothek der Göttinger Universität, in der alten SUB werden die historischen Bestände gepflegt. Auch die Pauliner Kirche zählt zu dem Gebäude-Komplex. Pfordt führte die Gruppe zunächst durch die ehemalige Kirche und das Bibliotheks-Gebäude, der historische Heyne-Saal, der wohl die meisten der Besucher anzog, stand erst am Schluss auf dem Programm. Zuvor erfuhren die Gäste viel über die Geschichte der im Jahr 1734 eröffneten Bibliothek. Mit 12.000 Bücher begann, was heute rund acht Millionen Einheiten umfasst: Sechs Millionen gedruckte Bücher und zwei Millionen digitale Informationsträger sind im Bestand der SUB, so Pfordt. Allein 560.000 Alte Drucke aus der Zeit von 1501 bis 1900 zählen dazu.

Besuchergruppe in der historischen Uni-Bibliothek

„Werke, die vor 1500 erschienen sind, zählen zu den Handschriften und Inkunabeln”, so Pfordt. All diese alten Schätze, zu denen auch die weltberühmte Gutenberg-Bibel gehört, seinen nicht auszuleihen, man könne die meisten aber im Lesesaal einsehen. Die Gutenberg-Bibel natürlich nicht, die sei in einem extra gesicherten Bereich verwahrt. Dass der Heyne-Saal nicht mehr, oder nur noch im Rahmen von Führungen zugänglich ist, ist auch eine Folge eines aufsehenerregenden Diebstahls im Jahr 2009. Damals war ein Bibliotheksmitarbeiter bei einer fingierten Übergabe festgenommen worden, als er eine kostbare Erstausgabe aus dem Jahr 1545 an einen Antiquar verkaufen wollte. Die weiteren Ermittlungen ergaben, dass er seit dem Jahr 2006 weitere 48 Bücher im Gesamtwert von rund 320      000 Euro aus den historischen Beständen entwendet und weiterverkauft hatte. „Das war für uns alle damals eine schwere Zeit, mir kamen die Tränen”, erinnerte sich Pfordt, die seit 1994 in der SUB arbeitet. Im Nachgang zu dem Diebstahl beschloss die Universität, den Saal zu schließen.

Nach Größen sortiert

Die Frage eines Besuchers danach, ob die Herkunft der wertvollen Bücher geprüft werde, beispielsweise in Hinblick auf den Nationalsozialismus, beantworte Pfordt mit ja. „Wir hatten dazu ein Projekt und es wurden schon Bücher zurückgegeben”, sagte sie. Im Heyne-Saal, so erklärte die Bibliothekarin, werden die Bücher auch der Größe nach aufbewahrt. in den unteren Fächern der historischen Holzschränke stehen die großen Folianten, die kleineren Bücher - im so genannten Oktav- und Quart-Format - stehen darüber. Auch über die Katalogisierung referierte Pfordt, sowohl ein systematischer als auch ein alphabetischer Katalog werden verwendet. Der historische Saal aus dem 19. Jahrhundert ist komplett restauriert und erhalten. „Nur diese moderneren Tische hier, die haben mich immer gestört”, sagt Pfordt.

Von Britta Bielefeld

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