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Göttingen Gedenktafel für Johann Andreas von Segner enthüllt
Campus Göttingen Gedenktafel für Johann Andreas von Segner enthüllt
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16:16 01.05.2018
Eine Gedenktafel zu Ehren von Johann Andreas von Segner hat Irén Rab am Donnerstag in der Mühlenstraße 4 enthüllt.
Eine Gedenktafel zu Ehren von Johann Andreas von Segner hat Irén Rab am Donnerstag in der Mühlenstraße 4 enthüllt. Quelle: Habermann
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Göttingen

Von Segner wurde 1704 geboren. Das Studium habe ihn nach Deutschland geführt. Von 1735 bis 1755 sei er Professor an der Universität Göttingen gewesen. „Segner wurde als Professor für Mathematik und Physik an die philosophische Fakultät Göttingens berufen“, erklärte Rab, die den ehemaligen Ungarischen Klub der Universität Göttingen geleitet hat und am Lektorat für Ungarisch der Universität tätig war. Von Segner sei Dekan der medizinischen Fakultät gewesen. Er befasste sich zudem mit Chemie und Physik, vor allem mit der Hydrodynamik. Das Gebiet der Strömungslehre handelt von den Bewegungen von Flüssigkeiten und den dabei wirksamen Kräften. Von Segner sei einer der bedeutendsten Naturwissenschaftler seiner Zeit gewesen, erklärte die Lektorin.

Rab bezeichnete Segner als einen Universalgelehrten mit enormer Belastbarkeit. „Mit seinem Wissen und seiner Experimentierfreude hat er viel zur Entwicklung des Rufes und des Ranges der neu gegründeten Universität Göttingen beigetragen.“ Das bekannteste Lehrbuch von Segners sei die „Einleitung in die Natur-Lehre“.

Von Segner ließ Gebäude an der Mühlenstraße 1741 bauen

Das Gebäude an der Mühlenstraße, in dem heute ein Irish Pub ist, ließ Segner im Jahr 1741 bauen. Nur wenige Gelehrte wie er hätten in der Zeit bis 1755 Göttinger Besitz erworben und das Bürgerrecht beantragt. „Unter den Professoren der ersten Stunde herrschte viel Unzufriedenheit über die Stadt. Bei vielen mochte auch das Misstrauen eine Rolle spielen: ob denn die neue Universitätsgründung gelingen werde? Segner gehörte nicht zu dieser Gruppe“, sagte Rab.

Während seiner Laufbahn an der Universität Göttingen habe der Forscher das nach ihm benannte „Segnersche Wasserrad“ entwickelt, ein Vorläufer der Turbinentechnik. Durch den Druck des einströmenden Wassers werde bei entsprechend angeordneten Düsen eine Kreisbewegung erzeugt. Die Funktionsweise des Rades lasse sich mit einem Becher und zwei Trinkhalmen demonstrieren. Unten an den Seiten des Bechers müsse man dazu zwei gegenüberliegende Löcher Bohren und zwei Trinkhalme durchstecken. Die Enden der Halme, die aus dem Becher hinaus ragen, müssten dabei so geknickt werden, dass sie in zwei entgegengesetzte Richtungen weisen. Fließt nun Wasser mit genügend Druck in den Becher und aus den Halmen hinaus, beginne der Becher sich zu drehen, wenn er an einem Faden hängt. Rasensprenger funktionierten heute noch nach dem gleichen Bewegungsprinzip, erklärte Rab.

Nur wenige Spuren führen zu von Segner

1748 sei von Segner mit dem Bau des ersten Observatoriums Göttingens beauftragt worden. Es wurde in der heutigen Turmstraße 7 errichtet. Der Forscher plante und leitete den Bau im ungenutzten Turm des damaligen Apothekengartens, erläuterte Rab. Von Segner sei auch der erste Direktor des Observatoriums gewesen. Trotzdem gebe es in Göttingen nur wenige Spuren zu ihm. Rab habe im Stadt- und Universitätsarchiv geforscht und viele Akten gefunden, die seine Bedeutung bewiesen. „Er war eine konfliktreiche Persönlichkeit und konnte sich wegen seiner Direktheit und seine schroffen Art keiner großen Beliebtheit erfreuen“, so Rab. Nach einem Streit verzichtete von Segner auf seine Stelle als Direktor und ging 1755 an die Universität Halle. Bis zu seinem Tode im Jahr 1704 war er Professor für Mathematik, Physik und Astronomie. „Mein Dank gilt der Stadt Göttingen, weil sie sein Andenken bewahrt“, teilte Rab mit.

Von Julian Habermann