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Göttingen Ausgezeichnet: Göttinger entwickeln schonende Untersuchung von Frühchen
Campus Göttingen Ausgezeichnet: Göttinger entwickeln schonende Untersuchung von Frühchen
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08:00 23.10.2019
Frühchen Quelle: R
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Göttingen

Für den Einsatz neuer Technologien bei der Untersuchung von Frühchen und anderen Neugeborenen an der Universitätsmedizin Göttingen (UMG) sind Dr. Petra Santander und Dr. Jana Katharina Dieks ausgezeichnet worden. Die Europäischen Gesellschaft für Kieferorthopädie in Edinburgh würdigte ihre Arbeit mit dem Francesca Miotti-Preis.

Durch Kooperation der Abteilungen Kieferorthopädie und Neonatologie an der Universitätsmedizin Göttingen ist der Einsatz einer neuen Bildgebungstechnik ohne jeglichen Einsatz von schädigender Strahlung möglich geworden, teilte die UMG mit. Auf diesem Weg könnten bereits bei Frühgeborenen die Entwicklung und das Wachstum des Kopfes analysiert werden.

Jana Dieks Quelle: R

Lichtbasierte 3D-Bilder

Die 3D-Bildgebung zur Beurteilung der Kiefer-Kopf-Gesichtsregion ist in der Kieferorthopädie ein etabliertes Verfahren. In der überwiegenden Mehrzahl wird dabei auf Röntgenstrahlen-basierte Verfahren wie Computer-Tomografie oder Digitale Volumentomographie zurückgegriffen. Problem dabei ist die potentielle Schädigung aufgrund ionisierender Strahlung – insbesondere im Neugeborenen- und Säuglingsalter.

Weniger verbreitet sind rein lichtbasierte 3D-Verfahren – also Verfahren ohne Röntgenstrahlung, mit deren Hilfe die Kopf-und Gesichtsoberfläche erfasst werden kann. In der Poliklinik für Kieferorthopädie ist bereits seit drei Jahren die lichtbasierte 3D-Stereophotogrammetrie integriert. Mittels eines 3D-Scanners wird innerhalb von 1,5 Millisekunden durch fünf synchron geschaltete Kameras ein dreidimensionales Bild des Patientenkopfes computerbasiert rekonstruiert. Im klinischen Alltag wird die Bildgebung für Therapieplanungen bereits bei jugendlichen und erwachsenen Patienten mit ausgeprägten Zahnfehlstellungen und Auswirkungen auf das Lippenprofil genutzt. Ebenso bei Patienten mit Kieferfehllagen mit Auswirkungen auf die gesamten Gesichtsweichteile.

Im Säuglingsalter werden aufgrund dieser komplett röntgenstrahlenfreien Technik in der Kieferorthopädie 3D-Scans des gesamten Kopfes ab einem Alter von vier Monaten aufgrund lagerungsbedingter Wachstumsstörungen oder syndromaler Erkrankungen angefertigt. Limitiert war dieses Verfahren bislang durch das festmontierte Gerät und durch die Notwendigkeit, dass die Säuglinge den Kopf beim Sitzen selbst sicher halten können mussten.

Kieferorthopädie und Kardiologie vereint

Petra Santander Quelle: R

Durch die Zusammenarbeit von Santander (Kieferorthopädie) mit Dieks (Pädiatrische Kardiologie, Neonatologie, Intensivmedizin und Pneumologie) kann das neue Verfahren zur 3D-Darstellung der gesamten Kopfoberfläche nun auch bei Früh- und Neugeborenen eingesetzt werden.

Mittels einer mobilen 3D-Kamera werden standardisiert mehrere Aufnahmen des Köpfchens aus verschiedenen Richtungen angefertigt. Die Aufnahmen werden während der Pflegerunden in seitlicher, Rücken- und Bauchlage angefertigt. Es kommt zu keiner Berührung zwischen Kind und Kamera. Um eine homogene Kopfoberfläche zu erzielen, werden den Früh- und Neugeborenen kleine Mützen aufgesetzt. Zum Schutz der Augen erfolgt zusätzlich eine Abdeckung der Augenpartie.

Im Anschluss werden die unterschiedlichen Bilddateien mittels spezieller 3D-Software zusammengesetzt. Somit wird nach Überlagerung aller Bilddateien eine dreidimensionale Aufnahme des gesamten Köpfchens virtuell erzielt.

Schnell, kontaktlos und einfach

Die entwickelte Methode kann nun schnell, kontaktlos, einfach reproduzierbar und ohne Einsatz von Röntgenstrahlen die Beurteilung des Köpfchens bereits bei Frühgeborenen stattfinden. Diese Technik kann besonders bei Wachstumsstörungen von Früh- und Neugeborenen Aufschlüsse über Kopfvolumen, Asymmetrien oder Volumenverteilung geben. Für dieses Verfahren erhielten die UMG-Mitarbeiterinnen die Auszeichnung in Edinburgh.

Derzeit werden Wachstumsparameter bei Früh- und normgerecht geborenen Kindern entwickelt. Ziel ist es, eine biometrische Datenbank zum postnatalen Wachstum herzustellen und die Früherkennung, Risikofaktoren und Prädiktoren von Formanomalien bei Neugeborenen und Säuglingen festzustellen.

Von Frank Beckenbach

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