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Göttingen „Germany’s next Bundeskanzler/in“
Campus Göttingen „Germany’s next Bundeskanzler/in“
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17:02 28.06.2017
Auf Bewerberfang (v.l.): Alexander Daubitz, Antonia Adamek und Renz Ringsleben. Quelle: Hartwig
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Göttingen

„Ich bin realistisch und ich will nicht Bundeskanzler werden“ stellt Yunes Emir vor dem Videodreh erst noch einmal klar. Aber er nehme am Wettbewerb teil, weil er „etwas verändern will“.

„Wir Jungen stellen einen großen Prozentsatz an der Gesellschaft und müssen politisch mehr Selbstbewusstsein entwickeln“, sagt der 24-jährige Jura-Student, der selbst seit seinem 15. Lebensjahr politisch aktiv ist. Bei der Kommunalwahl im heimischen Osterholz-Scharmbeck hat er für die SPD kandidiert und ist mittlerweile auch stellvertretender Bezirksvorsitzender Nord-Niedersachsen der Partei.

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Und während Emir noch kurz nachdenkt, wie er seine Botschaft für den Videodreh auf den Punkt bringen kann, herrscht Andrang rund um das dreiköpfige Kampagnen-Team. Nach einigen erfolglosen Bemühungen, Teilnehmer für den Wettbewerb „und eine Stimme der nächsten Generation“ zu finden, warten plötzlich gleich mehrere Bewerber darauf, für ein Videoprofil gedreht zu werden.

Giorgi Bubuteishvili weiß genau, was er will. Konzentriert und unverkrampft steht er vor der Kamera und sagt, welches seine erste Amtshandlung als Bundeskanzler wäre. „Ich würde die Haupt- und Realschulen abschaffen.“ Er glaube, dass in jedem sehr viel Potential stecke, und der „Schlüssel in der Bildungspolitik liegt“. Gemeinschaftsschulen, in denen starke und schwache Schüler sich gegenseitig helfen, halte er für denkbar. Selbst engagiert sich der 25-jährige Humanmedizin- und Psychologie-Student ehrenamtlich im Bildungs- und Integrationssektor in Zusammenarbeit mit Schulen.

Inzwischen ist Yunis Emir vor der Kamera am Zug. „Ich kandidiere, weil ich die Welt verändern möchte.“ Seine erste Amtshandlung? „Wir müssen mehr in Bildung investieren, mindestens sechs Prozent des Bruttoinlandprodukts für Schulen“ einsetzen. Auch müsse mehr Bewusstsein geschaffen werden, für Kommunalparlamente zu kandidieren.

Dann muss Emir, wie alle anderen Bewerber, noch einen knackigen Slogan formulieren, der auf die Kampagnen-Seite im Internet zu seinem Bewerbungsprofil gestellt wird. Auch einen 300-Wörter-Kurztext mit seinen Visionen wird er noch für seinen Online-Auftritt schicken. Soweit die Regularien der ersten von drei „Challenges“, die es für die Bewerber zwischen 18 und 25 Jahren im Wettbewerb Germany’s next Bundeskanzler/in“ (GNBK) zu bestehen gilt.

„Ich möchte gern mehr Aufmerksamkeit auf die Politik richten und der Politikverdrossenheit unter jungen Leuten entgegenwirken“, erklärt Andreas Arun Kumar seine Intention mitzumachen. „Die Initiative hat ein Super-Instrument entwickelt. Das möchte ich gerne unterstützen.“ Und seine fiktive erste Amtshandlung zielt auf die Europapolitik. Die EU habe „Unglaubliches geschafft“. 70 Jahre Frieden, ein „unfassbar starker Binnenmarkt“, der weitere Handelsabkommen ermögliche, sind die Kriterien, auf die der 23-jährige VWL- und Politik-Student sein Augenmerk richtet.

„Gleich bereit?“, fragen Antonia Adamek und Alexander Daubitz vom GNBK-Team der Jungen Unternehmer. „Na klar“, antwortet Mauritia Hagen gut gelaunt. Die Landwirtschaftsstudentin und soweit einzige weibliche Teilnehmerin auf dem Göttinger Campus plädiert für eine Stärkung des ländlichen Raumes. Schnellere Internetverbindungen, mehr Schulen und mehr Investitionsanreize für Arbeitgeber gehören zu ihren politischen Visionen.

„Junge, frische Ideen. Das war schön“, bilanziert Adamek zufrieden. Die Kampagne sei darauf angelegt, „eine mediale Stimmung“ zu kreieren“, erklärt Renz Peter Ringsleben, Pressereferent der Jungen Unternehmer. Ziel sei es, „die Leute etwas schlauer zu machen und letztlich zu motivieren zur Wahl zu gehen und nicht zuhause zu bleiben.“ 100 Kandidaten würden gesucht, bislang seien 50 gefunden.

Von Karola Hoffmann

Die Kampagne „Germany‘s next Bundeskanzler/in“

Der Verband „Die Jungen Unternehmer“ will die Wahlbeteiligung der jungen Wähler erhöhen. Mit dem Wettbewerb für Erst- und Zweitwählern unter dem Motto „Germany‘s next Bundeskanzler/in“ wird über mehrere Auswahlverfahren die Stimme der jungen Generation gesucht. Der Wettbewerb, der sich an Teilnehmer zwischen 18 und 25 Jahren richtet, läuft ganz überwiegend über die sozialen Netzwerke. Die Kampagne ist überparteilich angelegt.

Junge Wähler bewerben sich mit einem selbstgedrehten Video, in dem sie erklären, welche politischen Themen sie als Bundeskanzler anpacken würde. Über zwei Zwischenstufen mit weiteren Challenges werden die fünf besten Kandidaten für die Stimme der jungen Generation herausgefiltert. Die Online-Community stimmt ab, wer nach Berlin ins „Kanzler-Camp“ (langes Wochenende Anfang September) eingeladen wird. Dort werden die Kandidaten gecoacht und sie müssen sich Aufgaben stellen, wie z. B. mit einer politischen Rede vor dem Brandenburger Tor die meisten Zuhörer anlocken oder im Straßenwahlkampf schwierige Situationen meistern. Die Balance zwischen Seriosität und Unterhaltung spielt eine wichtige Rolle.

Im Finale entscheidet eine Jury mit dem Journalisten (stellvertretender Chefredakteur Bild-Zeitung) und Autor Nikolaus Blome, dem YouTuber LeFloid, der jüngsten Abgeordneten im Bundestag Ronja Kemmer und dem Bundesvorsitzenden der Jungen Unternehmer Dr. Hubertus Porschen über den Gesamtsieger. Zu gewinnen ist ein Stipendium im Wert von 10.000 Euro. Weitere Infos auf Social-Media-Kanälen und unter www.gnbk.de.