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Göttingen So war der Abschied für Universitätspräsidentin Beisiegel
Campus Göttingen So war der Abschied für Universitätspräsidentin Beisiegel
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14:58 30.09.2019
Abschied: Blumen für Beisiegel. Quelle: Hartwig
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Göttingen

Mit einer Feierstunde in der Aula ist Ulrike Beisiegel, Präsidentin der Göttinger Georg-August-Universität, am Donnerstag aus ihrem Amt verabschiedet worden. Vor rund 250 geladenen Gästen aus Wissenschaft, Wirtschaft, Politik und Kultur lobten die Redner Beisiegels Engagement für die Universität und ihre erzielten Erfolge. Sie hoben Beisiegels Optimismus und Eifer hervor, gingen aber auch auf das Scheitern bei der jüngsten Exzellenzinitiative ein.

Bei einer Feierstunde in der Uni-Aula ist die 66-jährige Professorin Beisiegel am Donnerstagabend verabschiedet worden. 250 Gäste verfolgten ihre Abschiedsrede. Viele bedankten sich auch persönlich bei ihr.

Zu den Rednern gehörten Valérie Schüller, hauptberufliche Vizepräsidentin für Finanzen und Personal, Barbara Ischinger, stellvertretende Vorsitzende des Stiftungsrats der Universität Göttingen, Sabine Johannsen, Staatssekretärin im Niedersächsischen Ministerium für Wissenschaft und Kultur, Stefan Treue, Direktor des Deutschen Primatenzentrums und Reinhard Jahn, ehemaliger Max-Planck-Direktor und voraussichtlich ab Dezember kommissarischer Präsident der Universität Göttingen.

„Herzblut und größtes Engagement“

Schüller bescheinigte Beisiegel sich mit „Herzblut und größtem Engagement“ für die Uni Göttingen eingesetzt zu haben. Urlaub und Freizeit habe da oft zurückstehen müssen. Beisiegel habe über alle Vorgänge an der Uni gekannt, habe unzählige Projekte angeschoben, mit ihr habe sich die Georgia Augusta in allen Bereichen bewegt. „Sie stehen für eine Uni, die den Nachwuchs fördert, für Gleichstellung und Gleichberechtigung eintritt und die sich mit der Gesellschaft vernetzt“, sagte Schüller.

Scheitern hat „viele Väter und Mütter“

„Kurzzeitige Stürme können das starke Fundament der Göttinger Universität nicht zerstören“, sagte Staatssekretärin Johannsen und spielte damit auf die gescheiterten Bewerbungen der Göttinger Uni bei der Exzellenzinitiative und den Querelen um die Neubesetzung des Präsidentenamtes an. Mit Blick auf die Exzellenzinitiative habe das negative Ergebnis „viele Väter und Mütter“.

Die Uni sei unter Beisiegel „eine der führenden Hochschulen des Landes“ geworden,sagte Johannsen. Auch sei sie die „drittmittelstärkste“ Uni in Niedersachsen. Johannsen verweis hier auf den Förderatlas der Deutschen Forschungsgesellschaft (DFG). Außer der Forschung und dem Ausbau von Einrichtungen wie etwa dem Göttingen Campus und dem Südniedersachsen Innovationscampussei es Beisiegels Herzensangelegenheit gewesen, die Verbindung von Uni und Region zu fördern, sagte die Staatssekretärin. „Wissenschaft und Gesellschaft gehörten in einer Unistadt zusammen.“

Forum Wissen und das Humboldt-Forum

Barbara Ischinger hob zudem das von Beisiegel initiierte Forum Wissen hervor. „Was hier entsteht wird die Herren im Humboldt-Forum Berlin ins Staunen versetzen“, prophezeite sie. Ischinger kritisierte die „Misstöne“, die nach dem Scheitern der Uni Göttingen bei der jüngsten Exzellenzinitiative gegenüber Beisiegel laut geworden waren. Kritik sei selbstverständlich akzeptabel, „aber angemessen vorgetragen sollte die sein“, forderte Ischinger. „Die Uni sollte doch Vorbild sein.“ Sie hoffte, dass nun wieder Ruhe einkehre.

Erste Frau an der Spitze der Georgia Augusta

Zwei mutige Schritte, so Stefan Treue, seien mit Beisiegels Berufung zur Uni-Präsidentin gegangen worden. Zum ersten Mal habe jemand „von außen“ das Präsidentinnenamt übernommen, zum ersten Mal an der Georgia Augusta sei es von einer Frau bekleidet worden. Beisiegel habe den „Profilierungsprozess“ der Göttinger Universität beeindruckend vorangetrieben. Der DFG-Atlas zeige die Dynamik der Entwicklung. So sei die Drittmitteleinwerbung von 2009 bis 2018 um 85 Prozent gestiegen. Auf die Uni Göttingen stolz zu sein, sei also gerechtfertigt, auch wenn die Enttäuschung nach der Exzellenzbewerbung groß gewesen sei. Treue stellte aber die Frage nach der „Sinnhaftigkeit der Exzellenz“. Viele wichtige Faktoren würden dabei nicht berücksichtigt. Treue nannte etwa die Graduiertenschulen, das Postdoc-Netzwerk und das Welcome Center, um die sich Beisiegel gekümmert hätte. „Alles dicke Bretter“, sagte Treue anerkennend. Beisiegel habe stets den „Blick auf das große Ganze“ gehabt. Treue hob das Forum Wissen und die Nacht des Wissens hervor, mit denen die Bereiche Forschung, Lehre und Gesellschaft vernetzt würden.

„Aufbruchstimmung“

Auch unter Beisiegel gehöre die Uni Göttingen zu den „forschungsstärksten“ Unis in Deutschland, sagte Reinhard Jahn, der ab Dezember voraussichtlich Beisiegels Amt kommissarisch übernehmen wird. Hier stehe sie vor den Unis, „die exzellent sind“. Trotz der jüngsten Querelen um die Suche nach einem Nachfolger für Beisiegel, sei er „guten Mutes, dass man wieder zusammenfindet“, sagte Jahn. Er habe in den vergangen Tagen eine „Aufbruchstimmung“ erfahren. Er sei sich sicher, dass die Uni „in gute Hände“ komme.

Worte zum Abschied: Prof. Ulrike Beisiegel. Quelle: Hartwig

Das GSO spielt zum Abschied

Zur Verabschiedung spielten das Holzbläsertrio des Göttinger Symphonie Orchesters (GSO) – Matthias Weiss, Manfred Hadaschik, Ömür Kazil – und GSO-Dirigent Nicholas Milton am Klavier mit GSO-Geigerin Seayoung Kim. Zum Abschied hatte sich BeisiegelGöttingen“ von Barbara, „The Times they are changing“ von Bob Dylan und „Imagine“ von John Lennon gewünscht – interpretiert von Hanna Carlson und Max Mäckel.

Eine Präsidentin sagt Danke

Es sei nicht einfach, Worte für den Abschied zu finden, sagte Beisiegel und bekannte nach den vorangegangenen Reden: „Ich kann Lob nicht so gut annehmen.“ Dafür lobte sie selbst ausgiebig: Beisiegel verabschiedete sich mit einer langen Danksagung an die zahlreichen Abteilungen und Mitarbeiter der Uni. Sie hatte im Juli erklärt, vorzeitig aus dem Amt ausscheiden zu wollen.

Das Scheitern der Uni bei der Exzellenzbewerbung im vergangenen Jahr habe die Uni „stark erschüttert“, sagte Beisiegel. Das Ergebnis sei nicht so leicht zu verwinden gewesen. Kritik habe sie persönlich getroffen, sagte Beisiegel mit dem Wissen, das „Beste gegeben“ zu haben. Die Bewerbung habe auch viel Lob erfahren. „Es war nicht prinzipiell falsch“, sagt sie.

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Vom Tanker zum Segelboot

Sie habe 2011 einen „Tanker“ übernommen und sie hoffe nun, dass der von ihr eingeschlagene Kurs, Universität und Gesellschaft zu verbinden, gehalten werde. Sie selbst wird den „Tanker“ verlassen und auf ein kleineres Schiff wechseln. Im Ruhestand finde sie hoffentlich wieder Zeit ihrer Leidenschaft, dem Segeln, nachzugehen.

„Ich wünsche der Georgia Augusta das Allerbeste für die Zukunft“, sagte die scheidende Präsidentin. Und versprach den ein oder anderen Besuch in Göttingen. „Vielleicht werde ich ja mal eingeladen“, sagte Beisiegel lachend. Mit Standing Ovations und lang anhaltendem Applaus verabschiedeten die Gäste Beisiegel.

Von Michael Brakemeier

Göttingens Uni-Präsidentin Ulrike Beisiegel ist im Ruhestand: Bei einer Feierstunde in der Uni-Aula ist die 66-jährige Professorin am Donnerstag verabschiedet worden. Redner gingen vor allem auf die Erfolge in der achtjährigen Amtszeit. Aber auch das Ausscheiden Göttingens bei der Exzellenzinitiative kam zur Sprache.

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